Harley Quinn/Power Girl

Das Duo Harley Quinn und Power Girl trifft Sliders – und damit nicht nur Dimensionsreisen sondern auch viele sexy, sexy Zeitgenossen. Mhm.

Zwischen zwei Panels

Was nicht so alles passieren kann, während man durch die Dimensionen plumpst. Denn die gesamte Handlung dieses kleinen Intermezzos spielt „eigentlich“ in Harleys eigener Serie. Wo sie und Power Girl von den beiden Schurken Sportsmaster und Clock King überrascht und kurzerhand durch ein Portal geschleudert werden. Sind in der eigentlichen Geschichte die Beiden so schnell weg wie wieder da, nämlich nur ein Panel später, bekommen wir in „Harley Quinn/Power Girl“ das volle Ausmaß dieser Reise durch Zeit und Raum zu sehen. Denn die beiden Gestrandeten müssen sich nicht nur in der eigenartigen Welt zurecht- sondern auch einen Schlüssel nach Hause finden. So weit, so ComicQuinnPowergirl - Bild für Beitrag natürlich, allerdings soll es hier schrägste Comedy statt straighter Helden-Action geben. Und treffen so auf den groovigen Vartox im Sean „Zardoz“ Connery-Outfit, den „Club der Ex-Freundinnen“ und die Frauen von Stepford und in ihrer Mitte: Ein anderes Power Girl!

Von Lustig zu Deutsch

Mit Comedy hat man es nicht einfach. Nicht nur, dass Lustiges per se höchst subjektiv ist. Gute Comedy ist generell schwer. Comedy gut zu übersetzen, vielleicht sogar noch schwerer. Denn egal wie nah wir unseren Kulturraum schon dem Amerikanischen glauben, gibt es doch fast unüberbrückbare Differenzen und Sprachbarrieren, die in manchen Dingen vielleicht gar keine Rolle, in anderen Bereichen aber eine riesige Rolle spielen. Das kann zu kuriosen Anpassungen führen, die einem vielleicht erstmals auffallen, wenn man irgendwann ein Original in seiner Ur-Fassung liest. Oder es kann ne Chance sein für die Lokalisierer einen Gag nicht nur zu übersetzen sondern an das deutsche Zuschauerverständnis anzupassen oder sogar zu erweitern. Die „Nackte Kanone“-Reihe nahm sich teils riesige Freiheiten bei ihrer Verwandlung von einem US-Produkt zu einem Film fürs deutsche Publikum. Die PC-Adventures von „Lucas Arts“ bzw. eben die zuständigen Übersetzer, haben hier auch einiges geleistet. Mit diesem Verständnis im Hinterkopf, dass komisches zu übersetzen also immer eine schwierige Aufgabe ist, habe ich „Harley Quinn/Power Girl“  sicher etwas aufmerksamer gelesen. Und dabei nicht ein einziges Mal gelacht. Oder auch nur gegrinst. Schlecht für einen Comic, der sich dem großen Humor verschrieben hat und auf Substanz und Tiefe pfeift, was auch völlig ok sein kann. HarleyQuinn - CoverDenn im Original scheint die Geschichte den gefeierten Anarcho-Humor auch tatsächlich zu besitzen, wenn man Kommentaren, Foren-Diskussionen und anderen Reviews glauben darf. Im Deutschen allerdings nun mal nicht.

Was bleibt?

Nicht falsch verstehen, ich möchte hier nicht Übersetzer Jörg Faßbender den schwarzen Peter zuschieben. Wie gesagt, Comedy zu übersetzen ist schwer, manchmal vielleicht sogar unmöglich und im vorliegenden Band scheint sie auf jeden Fall nahezu unüberbrückbar gewesen zu sein. Das Autoren-Duo Justin Gray und Jimmy Palmiotti, bekannt vor Allem für ihre gefeierten „Jonah Hex“-Abenteuer, liefern hier zusammen mit Co-Autorin und Palmiottis Ehefrau Amanda Conner wohl wirklich ein lustiges Kurz-Stelldichein ab, das schimmert immer wieder durch und lässt auch entsprechende Kommentare aus dem englischsprachigen Raum nachvollziehbar erscheinen. Jedoch geht jeglicher Witz in der übersetzten Fassung vollends ab und, noch problematischer, driftet teils ins nervig pubertäre ab. Harley Quinns anzügliche, aber gelungen augenzwinkernde Kommentare, verkommen damit im Deutschen zu absolut simpelster Proll-Phantasie während Power Girl als ernstere der Beiden gleichzeitig nicht gegenhalten kann. Wo ihre trockenen Kommentare im Englischen wahrscheinlich eine sehr gute Wand abgeben, gegen die Harley ihre verrückten Bälle spielen kann, kommt Kara Zor-L in ihrem deutschen Auftritt dagegen nervig zickig rüber. In diesem Kontext kommen dann auch die eigentlich schönen Zeichnungen des Franzosen Stéphane Roux nur zwiespältig weg. Natürlich schmähen unlustige Dialoge nicht den Impact eines bildgewaltigen oder toll gezeichneten Panels und Roux zaubert hier absolut gelungenes und farbenfrohes aufs Papier, egal ob Weltraummonster oder psychedelisch, strahlende „Leaving Las Vegas“-Anspielung. Dazu gibt’s ausdrucksstarke Gesichter und Gesten, die ich immer willkommen finde, für gelungene Comedy aber sogar für unabdingbar halte. All dies kann sich jedoch eines gewissen „Perlen vor die Säue“-Vergleichs nicht erwehren und auch wenn es so sicher zu hart ausgedrückt ist, bleibt bei mir doch der letztendliche Eindruck, dass ich nicht weiß was ich mit einem schön gezeichneten Comic soll, den ich nicht nochmal lesen werde, weil er seine sich selbst gestellte Aufgabe, in dieser Fassung eben nicht erfüllen kann.

Fazit:

Wow, „Harley Quinn/Power Girl“ zwingt mich zu einem viel härteren Urteil als ich eigentlich verteilen will, welches sich aber gleichzeitig nur höchst subjektiv verteidigen lässt. Das Abenteuer der Starken mit dem Riesenausschnitt und Jokers Ex soll anarchische Comedy mit einem Schuss Sex-Appeal sein und scheitert dabei aber völlig. Nicht an der Arbeit der Autoren, nicht an den wirklich ansehnlichen Zeichnungen von Stéphane Roux, nicht mal an misslungener Übersetzungsarbeit. Sondern schlicht an der großen Sprachkluft die Comedy manchmal zu überbrücken weiß und manchmal, wie in diesem Falle, eben nicht. Möglich, dass andere sich über das Geschehen scheckig lachen, ausschließen will ich es nicht. Lediglich ein Bewusstsein schaffen, dass man nicht Blind den guten Namen der Kreativen und der schön ulkigen Prämisse des Bandes vertrauen sollte. Sondern bestmöglichst vorher reinblättern oder zum scheinbar wirklich gelungenen US-Original greifen sollte. Sehr, sehr schade.

„Harley Quinn/Power Girl“, 148 Seiten im Softcover, erscheint bei Panini Comics. Von Jimmy Palmiotti, Justin Gray, Amanda Connor und Stépane Roux. 16,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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