Green Arrow 1: Der neunte Zirkel

Der Neue ist auch der alte Autor – trotz der Wiedergeburt des DC-Universums erlebt der grüne Bogenschütze seine Abenteuer weiterhin unter der Feder von Benjamin Percy. Erlebt Oliver Queen also weitere Gruselabenteuer oder schlägt der Neuanfang eine andere Richtung ein?

Ein Kessel Buntes

Durch das pralle Megaband-Format werden oft ganze Story-Arcs in einem Band zusammengefasst, was mal zu einem nett abgerundeten Gesamterlebnis führt (zuletzt bspw. „Nova“), mal zu einer eher losen Story-Sammlung führt (was für sich nichts schlechtes sein muss, für „Kampf um Queen Industries“ aber zum Beispiel durchaus hinderlich war). Autor Benjamin Percy selbst hielt sich in dem letzten Green Arrow Auftritt „Wolfsblut“ auch eher an einem losen Erzählfaden, dass machte den Band aber zu einer abwechslungsreich-schaurigen Mischung, die mit einigen innovativen Erzählmustern überraschen konnte. Es bestand also tatsächlich so etwas wie Vorfreude darauf, Percys erneuten Ausflug ins Green Arrowverse zu verfolgen. Und tatsächlich: Auch „im neunten Zirkel“ bleiben die Abenteuer Queens von einer hohen Schlagzahl an Stimmungs- und Schauplatzwechsel geprägt, auch wenn diesmal tatsächlich übergeordnete Strukturen dem Ganzen etwas mehr Zusammenhalt geben. Tonal verschiebt Percy den Band dabei ebenfalls etwas, Queen wird vom Ghostbuster für mysteriöse Schrecken aus dem Vorgängerband mehr zum Abenteuer eines Schlages wie Indiana Jones.


In 276 Seiten um die Welt

Okay, hier sollte man mit dem Weltreisekanu vielleicht gleich wieder etwas zurückrudern, eine ganz so exotische Vielfalt wie in der Vorlage von Jules Verne sollte man für diesen Megaband dann doch nicht anpreisen. Dennoch, Oliver Queen kommt hier gut rum. So führt ihn seine Jagd auf Verbrecher in der Heimatstadt Seattle erst in die städtische Unterwelt, wo besonders die Armen und Machtlosen von schurkischen Maskenträgern ausgebeutet werden. Diese haben es gleichzeitig auch noch auf Queens Industries selbst abgesehen. Dieses weltweit operierende Konglomerat ist aber in der Stadt der Space Needle allein nicht zu besiegen, also reist Oliver Queen, an Seite von On/Off Freundin Black Canary und Halbschwester Emiko in unbekannte Gewässer, landet auf (fast?) verlassenen Inseln und erspäht dabei auch noch allerlei semi-fantastische Erfindungen. In all diesem Konflikt mischt sich dann auch noch Emikos Mutter ein, die nicht nur eine Menge Hass, sondern auch noch einige offene Rechnungen mit den Yakuza im Schlepptau hat. Benjamin Percy erzählt dieses Mal eine Geschichte in einem alles überspannenden Bogen, trotz der unterschiedlichen Settings. Das funktioniert auch durchaus gut, wie in einem Action-Blockbuster sprechen hier eher einzelne Setpieces für sich. So kommt es z.B. zu einer actionlastigeren Hommage an „Mord im Orient Express“, die durchaus im Gedächtnis bleiben kann. Mit dem solideren Storygerüst ist aber weniger Platz für die thematisch schrägeren Ausflüge die Green Arrow noch in „Wolfsblut“ hinlegte. Insgesamt macht dies viel mehr einen geschmacklichen als einen qualitativen Unterschied aus, „Der Neunte Zirkel“ wirkt nach der Formel bekannter, aber gelungener Sequels; das Novum des Erstlings macht etwas Platz, um nun einem höheren Tempo und einer klareren Erzählung zu weichen. Ob einem diese Richtung genauso gut gefällt muss jeder für sich entscheiden, die Kreativen machen aber so viel richtig, dass einem der Entscheidungsprozess nicht allzu schwer fallen sollte.

„Ein Argentinier, ein Amerikaner und ein Russe kommen in ein Atelier …“

Mit den Schauplätzen scheint auch der Zeichnerwechsel einem rasanten Tempo zu unterliegen; mit Otto Schmidt, dem Argentinier Juan Ferreyra und Stephen Byrne bebildern gleich drei Pinselfinger die Abenteuer Queens. Ferreyra und Schmidt übernehmen dabei den Großteil des Bandes, Byrne zeichnet und koloriert dabei „nur“ den kurzen Abstecher in die Abgründe der Yakuza-Unterwelt. Seine Charaktere werden dabei jetzt nicht sonderlich plastisch, sind aber immer ausdrucksstark und profitieren besonders von dem dunkelroten Farbschema der zwei Ausgaben. Für diesen kurzen Einschub steht alles im Zeichen des Drachen und so darf, dass Feuerrot eine große Rolle spielen und sich nett aus dem Gesamteindruck des Bandes hervorheben. Ferreyra und der russischstämmige Schmidt unterscheiden sich stilistisch doch deutlich, wechseln aber eigentlich immer passend zur Stimmung der Geschichte die Pflichten. Ferreyras etwas dreckigerer Strich kommt dabei besonders den monströsen Momenten um die eher schaurigen Gegenspieler des Neunten Zirkels zu Gute. Schmidt dagegen geht mit klaren Kanten den Ausflug auf ein (fast) paradiesisches Eiland an, was einen netten Kontrast darstellt. Der Gesamteindruck von „Der Neunte Zirkel“ ist eine klare Zwei Plus; alle Zeichner verstehen sich darauf, die Momente die knacken müssen entsprechend zu inszenieren, auch wenn der Comic sonst vielleicht keine Bäume bei seinen Bildern ausreißen dürfte.

Fazit:

Langjährige Leser der Serie sind es gewohnt, dass Oliver Queen dem steten Wandel unterliegt, zusammen mit Wonder Woman ist Green Arrow wohl eine der DC Figuren, wo der Stempel des Autors am Deutlichsten zum Ausdruck kommt. Percy muss hier aber keine Überzeugungsarbeit mehr leisten, nach seinem Einstandsband geht es in diesem neuen Post-Rebirth Green Arrow eher um Formerhalt. Die Verschiebung zu einer actionreicheren Geschichte sollte dabei einer breiten Leserschaft gefallen dürfen, auch da mit gleich drei Zeichnern optische Abwechslung geboten ist ohne dass hier der Eindruck eines unübersichtlichen Kuddelmuddels entstehen würde. Mit dem höheren Maß an Streamlining muss aber die Frische, die „Wolfsblut“ noch so interessant machte, leider etwas nachgeben. Unterm Strich bleibt DCs Robin Hood aber auch nach dem Rebirth spaßiges Comic-Abenteuer, dass gutes Lesevergnügen fürs investierte Geld liefern sollte.

zur Leseprobe
„Green Arrow Megaband 1: Der Neunte Zirkel“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 276 Seiten, 26,00€. Von Benjamin Percy, Otto Schmidt, Juan Ferreyra und Stephen Byrne.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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