Godzilla – Das Erwachen

Wo Godzilla über die Leinwände stampft, darf der passende Comic natürlich nicht fehlen. Deshalb liefern uns die Herren von Cross Cult mit „Das Erwachen“ den Prolog zur Geschichte vom Größten aller Kaijus.

Alles hat einen Anfang nur Godzilla hat zwei

Der Zweite Weltkrieg im Pazifik, Hiroshima zerstört, Japan kapituliert – und doch scheint das Schlimmste erst im Anschluss der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts passiert zu sein. Das zumindest erzählt der alte Greis Serizawa-San seinem Sohn während er auf sein Leben zurück blickt. Er möchte ihm erklären warum er in den vergangenen Jahrzehnten seine Familie so vernachlässigte, was es mit seiner Arbeit für die dubiose Firma Monarch auf sich hatte und das es noch nicht vorbei sein könnte.

GodzillaComicKurios – ein Tie-In, das man unbedingt VOR dem Kinobesuch lesen sollte!

Für mich wäre ein Fall wie „Das Erwachen“ eher ein leckerer Happen für hinterher, dabei möchte ich aber nicht für all die sprechen, die über entsprechende Comics auch gerne schon mal vorher in das Kino-Erlebnis reinschnuppern. Ich jedenfalls greif wenn erst nach dem Kinobesuch zum dazugehörigen Comic, meist weil ich mich möglichst wenig vorher spoilern möchte, aber bei „Das Erwachen“ würde ich doch glatt eine umgekehrte Empfehlung aussprechen. Das hat zwei recht simple Gründe. Erstens erzählt der Band wirklich vom Erwachen der ersten Motos und dem Urzeitkammerjäger Godzilla, hält sich dabei aber überraschend wenig an das was später im Film tatsächlich noch Tragweite hat. Einerseits beleuchtet die Geschichte so ihren eigenen kleinen Pfad anders rum bekommt man als Leser nicht wirklich das Gefühl tatsächlich irgendwas Nennenswertes zu erfahren.

… und hier beißt sich die Echse in den Schwanz

Der zweite Grund mag etwas kruder ausfallen, mir aber besonders ins Auge stechen: Dem Comic fehlt es schlicht an Wucht um mit der Vorlage mitzuhalten. Daher ist man wohl besser bedient, wenn man „Das Erwachen“ schon vorm Kinobesuch gesehen hat. Hinterher reißt einen die Darstellung Godzillas nämlich nicht mehr vom Hocker, wenn man gerade zwei Stunden wüstendes Monstergestampfe hinter sich hat. Hier hätten sich sowohl die beiden Autorennewcomer Max und Greg Borenstein als auch Zeichner Eric Battle etwas mehr bei den Etablierten abschauen können – schließlich wissen gerade die Mainstream-Titel seit Jahrzehnten zu klotzen statt zu kleckern. Der Hulk, Thor oder ein Schlagabtausch Supermans hätten Gojiras Kräftemessen mit den Moto-Motten sicher gut als Inspirationsquelle gestanden. Gleichzeitig holt Zeichner Eric Battle aber meist alles aus seinen Bildern heraus, selbst wenn die Motive eben etwas dröge gewählt sein mögen. Schade wenn auf manchen Seiten dann die matschige Farbgebungen einen Strich durch die Rechnung äh Zeichnung macht, hier hätte man auf jeden Fall etwas mehr Sorgfalt an den Tag legen können.

Fazit:

„Godzilla – Das Erwachen“ kann der Normalleser ruhig verschlafen, höchstens Hardcore-Fans dürften diesem Kurztrip was abgewinnen können. Sowohl die Zeichnungen als auch die gestelzten Dialoge sollten wohl keinen vom Hocker hauen, die Handlung mag aber vielleicht noch das ein oder andere EchsenEgg versteckt halten für all diejenigen, die nach der großen Kinomahlzeit immer noch Lust auf einen Nachtisch verspüren. Ich würde mich dagegen riesig über ein Zusammentreffen Godzillas und der Jäger aus Pacific Rim freuen, wenn auch nur in Comic-Form – die Rechte für beide Marken zumindest liegen bei Legendary Pictures, daran sollte es also nicht scheitern.

zur Leseprobe

Godzilla – Das Erwachen von Eric Battle, Greg Borenstein, Max Borenstein, Yvel Guichet im Softcover mit 72 Seiten erscheint bei Cross Cult. Preis: 12,80 Euro
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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