Galkiddek 1: Die Gefangene

Mit einem Titel wie „Galkiddek“ erwartet man (ich) vielleicht ein keltisches Historien-Epos, stattdessen steckt hinter dem Zunge brechenden Titel aber eine straighte Fantasy-Geschichte.

Fantasy-Rasputin-Frankenstein

Zeit einem verpassten Nordmann-Abenteuer hinterher zu weinen bleibt aber kaum, denn „Galkiddek“ lässt sich nicht lange bitten. Nach nur wenigen Seiten sind Kirchentüren per Pferd eingerannt, Mönche enthauptet und heilige Statuen zerstört. Denn der herrschende Graf Galohan ist seit dem Mord an seiner Gemahlin dem Wahnsinn verfallen. Sein einziges Ziel ist es seine Frau aus dem Reich der Toten zurückzuholen, helfen soll ihm dabei der umtriebige Hexenmeister Alcantor – sowie ein Bildhauer mit scheinbar magischen Kräften. In all diesem Chaos gerät Lillewyn, die Thron-Erbin eines anderen Herzogtums, in Gefangenschaft des Grafen und stellt auf dessen Schloss Nachforschungen zu all den seltsamen Vorkommnissen an.


Schlangenweg statt gerader Linie

Die Inhaltszusammenfassung liest sich dabei etwas bereinigt, denn Autor Frank Grioud hat keine Probleme seinen Leser zu Beginn mit Infos und Namen zu seiner Welt zu überrollen. Das wird durch die einnehmenden Zeichnungen etwas abgefedert, gerade wenn man Städte und Panoramen bestaunen darf, die auch einem Mittelerde entsprungen sein könnten. Nichtsdestotrotz machen es diese Info-Dumps dem Leser zu Beginn unnötig schwer, oben drauf kommt noch eine etwas verschachtelte Erzählweise mit parallelen Handlungssträngen und Rückblenden. All das hält sich meist noch die Waage, wo auf Storyebene manchmal verwirrt wird, helfen die Zeichnungen Paolo Grellas alles wieder zu verankern. Etwas störender ist da schon das Fehlen eines klaren Fokus bei der Hauptfigur. Zu Beginn folgen wir noch dem wahnsinnig gewordenen Grafen, interessieren uns für seine Motive und was es mit seinem Hofmagier Alcantor auf sich hat. Dann sind wir plötzlich bei einem entführten Bildhauer, dessen Gefangenschaft nun vielleicht die tatsächliche Geschichte abbilden könnte, nur damit der Leser letzten Endes der ebenfalls gefangenen Lillewyn bei ihren Ausbruchsversuchen folgt; Von Graf und Bildhauer ab hier keine Spur mehr. Das macht „Galkiddek“ nicht wirklich schlecht, da keine der Figuren aber alleinstehend interessant genug ist um nur im Anriss zu funktionieren, gibt der Comic hier einiges an Profil auf. In der riesigen Auswahl an Fantasy- und Historiencomics zeigt „Galkiddek“ in seinem ersten Band kaum Alleinstellungsmerkmale, welche helfen könnten nicht nur einer von vielen Titeln zu sein. Ein „Henker“ hat den Mittelalter-Bereich gerade erst gekonnt zu seinem Eigen gemacht, ein Comic wie „Der Waffenmeister“ dagegen konnte bei fehlender Innovation mit einem fantastischen Pacing und perfekten Charakterisierungen punkten. Girouds Geschichte lässt hier weniger vermuten, wenn es aber auch durchaus Spaß macht Paolo Grella dabei zuzuschauen, wie er sich in der Welt mit allerlei Spielereien bei barbarischen Reiterhorden und Ritterrüstungen austobt.

Fazit:

Für einen Einstiegsband leistet „Galkiddek: Die Gefangen“ gerade so etwas zu wenig. Die neue Welt will sich nicht über Stimmung und Neuerungen verkaufen, sondern über viele verschiedene Figuren und noch mehr unbekannte Namen in einem aberwitzigen Hetztempo. Das wird über viele Seiten gerne mal durch die wirklichen hübschen Zeichnungen und Figurendesigns gebremst, die zum Inne halten einladen, allerdings nie lange genug um wirklich in der Geschichte Fuß fassen zu können; Dafür sorgt auch der durchgehende Protagonistenwechsel. Wer dringend frischen Fantasy-Stoff braucht, dürfte auch mit „Galkiddek“ glücklich werden, wer allerdings noch einiges aufzuholen hat, darf sich gerne erstmal den oben verlinkten Empfehlungen zuwenden.

zur Leseprobe
„Galkiddek 1: Die Gefangene“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 48 Seiten, 14,80€. Von Frank Giroud und Paolo Grella.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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