Frankenstein Underground

1818 schuf Mary Shelley eine der berühmtesten Horrorfiguren. Fast 200 Jahre später integriert Mike Mignola Frankensteins Monster in sein Hellboy-Universum. Bleibt nur die Frage, warum?

Auf der Flucht

Frankenstein_Underground_FluchtSein ganzes Leben lang wird Frankensteins Kreatur gejagt. In jedem Jahrhundert gibt es Menschen, die das Geheimnis seiner Erweckung entschlüsseln wollen und dabei vor nichts zurückschrecken. Bei seiner Flucht entdeckt Frankensteins Monster ein unterirdisches Reich, das von einem Wahnsinnigen regiert wird. Seine Macht hält sogar die Verstorbenen vom Jenseits fern. Die gequälten Seelen hoffen, dass Frankensteins Schöpfung endlich Erlösung bringen wird.

Herzlich willkommen Frankie, schau mal, wo du hinpasst.

Seit einigen Jahren spielt Mignola erfolgreich mit Themen und Figuren aus Folklore und Mythen. So traf Hellboy bereits auf die Ritter der Tafelrunde oder die slawische Hexe Baba Yaga. In diesem Band konzentriert sich Mignola auf die Kreatur von Victor Frankenstein. Die Idee ist nicht neu. Frankensteins Monster ist bereits in zahlreichen Comics aufgetreten. Dabei ist seine Rolle sehr unterschiedlich. Als Agent einer Geheimorganisation erlebte er aufregende Abenteuer, im Duell mit anderen literarischen Figuren ließ er die Muskeln spielen und die deutsche Independent Comic Szene schickte ihn gegen eine Invasion von Monstern ins Rennen. Mignola bemüht sich, Frankenstein mit vielen Figuren aus dem großen Mignolaverse zusammenzubringen. So gibt es in Mexiko ein Wrestling-Match mit Hellboy. Frankenstein_Underground_HellboySpäter wird er von Marquis Adoet de Fabre, der auch im fünften Band der Hellboy-Spin-Off Serie B.U.A.P. eine wichtige Rolle einnimmt, gejagt. Die geheimnisvollen Ogdru Hem werden ebenso wie das hyperboreanische Volk aus der hohlen Erde erwähnt. Alles Figuren, mit denen Mignola umzugehen weiß und dennoch fragt man sich am Ende, was er mit dieser Geschichte eigentlich bezwecken will. So hastet Frankensteins Kreatur von Szene zu Szene, ohne richtig in diese Welt zu passen.

Ein alter Bekannter

Mit der visuellen Umsetzung von Frankensteins Odyssee hat Mignola den Neuseeländer Ben Stenbeck beauftragt. Die beiden haben bereits an der Comicadaption der Baltimore-Abenteuer zusammengearbeitet. Stenbeck nähert sich optisch stark an Mignolas Stil an. Dies hat den großen Vorteil, dass sich der langjährige Mignolafan sofort heimisch fühlt. Der Künstler spielt mit großen dunklen Flächen. So entsteht eine subtilFrankenstein_Underground_Cover mystische Atmosphäre. Stenbecks Frankenstein wirkt drahtig. In den Kampfszenen entwickelt er jedoch eine wuchtige Dynamik. Durch die Kolorierung von Dave Stewart fügt sich Frankenstein Underground optisch nahtlos in das gewaltige Mignolaverse ein.

Fazit

Eine Reise durch Hellboys Welt verzückt den Fan dieses Franchise durch zahlreiche Anspielungen. Davon abgesehen bleibt die Intention des Autors unklar. Frankensteins Reise ist zwar eindrucksvoll gezeichnet, erzählerisch wird Mignola den Erwartungen jedoch nicht gerecht. Da hat er schon deutlich bessere Geschichten erzählt.

zur Leseprobe
Frankenstein Underground von von Mike Mignola und Ben Stenbeck ist bei Cross Cult im Hardcover erschienen, Preis 29,95 € Umfang 160 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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