Flash 4: Rogues Reloaded

Superman hat Lex Luthor, Batman hat den Joker und Flash hat … gleich eine ganze Gruppe an Feinden! Im vierten Band lässt das Team Williamson/Di Giandomenico den roten Blitz gegen seine altgedienten Lieblingsfeinde antreten.

Gentleman-Gangster der Comic-Moderne

Zur Storyline soll dabei wenig verraten werden, der Weg ist hier das Ziel und umso weniger man zuvor schon von dem Panorama gesehen hat, umso besser lässt sich die Aussicht genießen. So viel sei gesagt: Nach ihrer langen Abwesenheit beginnt sich Barry Allen zu Fragen, wohin es seine Erz-Schurken verschlagen haben könnte. Nicht das Ferne hier die Sehnsucht wachsen ließe, viel eher sieht sich Flash selbstverständlich in der Verantwortung für seine langjährigen Feinde, daher kann deren auffällige Abwesenheit nichts Gutes bedeuten. Und ihr plötzliches Auftauchen kurz darauf verheißt wohl nur noch schlechtere Nachrichten. Williamson nutzt dieses Kapitel, um aus einer leicht erhöhten Sicht einen Blick auf den Status-Quo des DC-Universums zu werfen und sei es nur die Ecke, die von Flash und seinen Feinden beackert wird. Denn auch diese jahrelange Feindschaft ist letztendlich dem Wandel der Zeit unterworfen. Mit einem groben Kommentar auf frühere Abenteuer des roten Rasers, aus den Tage des Silver- oder Golden-Age, lässt Williamson die Figuren ihre Rollen zwar ausleben, sie scheinen sich aber bewusst Spieler in einem Stück zu sein. Die Rogues wissen, dass es ihr Job ist Verbrechen zu begehen und das Flash sie daran hindern wird – wie sie diesen Zirkel in der „Moderne“ zu durchbrechen gedenken, dürfte für langjährige Leser wohl den meisten Spaß an diesem Band ausmachen. Gleichzeitig schafft es Williamson aber auch „Rogues Reloaded“ in den entscheidenden Momenten die nötigen ernsten Züge zu verpassen, um den Comic nicht zu einer reinen Meta-Narration über das Figuren-Miteinander verkommen zu lassen. Flash und die Rogues mögen in ihrem Mit- und Gegeneinander ihren Platz kennen und fast schon so etwas wie einen Ehrencode etabliert haben, im Mittelpunkt der Geschichte steht aber weiterhin Superheldenaction und nicht der Kommentar über das Genre an sich.

Flott, Flott, Flott, dann Fott

Dafür sorgt auch schon das hohe Tempo, dass den Zeichnungen (nun wieder) inne ist. Im letzten Band strauchelte das Ganze zuletzt etwas, nun scheint die Formschwäche der Beteiligten überwunden. Zusätzlich meldet sich Carmine Di Giandomenico, dessen Abwesenheit im dritten Band nicht zu übersehen war, ebenfalls wieder zurück, unterstützt diesmal von Neil Googe und Davide Gianfelice. Pünktlich also zu optisch besonders interessanten Schlagabtausch-Szenarien wie gegen den Mirror Master oder den Weather Wizard zuckt und blitzt es also wieder in Bestform. Das Ganze trägt sich dabei allerdings leider nicht bis ganz zum Schluss. Die letzte enthaltene Ausgabe des Bandes, eine Weiterführung der Black Hole-Storyline, wird von Googe allein umgesetzt und der Unterschied ist riesig; die ganze Optik wirkt hier unnötig steril, von den charakteristischen Speedforce-Blitzen ist kaum etwas zu sehen, die Hintergründe sind detailarm und einfarbig. Da ist es auch keine Hilfe, dass die Rogue-Storyline bereits zur Mitte des Bandes ihren Höhepunkt findet, dies verstärkt nur weiter den Eindruck, dass das letzte Abenteuer des Flashs mehr einen wenig spannenden Füllcharakter erfüllt.


Fazit:

Wer dem Flash nach der etwas müderen Runde 3 die Treue gehalten hat, dürfte sich hier belohnt fühlen, denn mit den erzfeindlichen Rogues kehrt auch das Tempo zum Speedster zurück. Die Storyline bewegt sich dabei angenehm zwischen Tradition und frischem Kommentar auf Selbige, die dadurch entstehenden Freiräume nutzt Williamson, um die größere Geschichte, gerade um den neuen Wally West, weiterzuerzählen. Flash 4 ist also Superheld in gewohnter Form, angereichert mit ausreichend Story-Elementen um zum Dabei-Bleiben zu motivieren.

zur Leseprobe
„Flash 4: Rogues Reloaded“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 16,99€, 180 Seiten. Von Joshua Williamson, Carmine Di Giandomenico, Neil Googe und David Gianfelice.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*