Flash 3: Im Bann der Finsternis

Für die Flash-Familie heißt es im dritten Band gegen einen Feind anzurennen, der schneller ist als das Licht. Und gerade hier sollte man sich Stolpereien nicht erlauben.
Dunkle Zeiten? Neee, nicht wirklich.

„Im Bann der Finsternis“, gibt es überhaupt comicgere Taglines? Dabei passt diese Überdramatik ja kaum zu dem neuen Barry Allen wie wir ihn in den letzten zwei Bänden kennen gelernt haben. Klar, die Abenteuer sind schnell und Barrys Feinde noch schneller, aber dennoch hatte die Reihe in ihrem Rebirth unter Joshua Williamson einen ziemlich lockeren Ton bekommen. Das ändert sich auch, trotz der düsteren Voraussagen des Covers, hier keineswegs. Barry Allen ist weiterhin voll damit ausgelastet, nicht nur Superheld, sondern auch Superlehrer zu sein, möchte ein junger Wally West doch zum flitzenden Menschenretter herangezogen werden. Der erweist sich dabei nicht gerade als ausgesprochen höriger Schüler, sondern geht direkt selbst auf Achse – und landet flux in der dunklen Dimension des Gentleman-Diebes Shade, der selbst die Kontrolle über die Schatten verloren zu haben scheint. Und bevor Barry seinen jungen Protegé retten kann sieht er sich auch noch urplötzlich einem interdimensionalen Flash-Zusammentreffen der ungewollten Sorte gegenüber.
Rasend schneller … Zeichnerwechsel

Diese Zusammenkunft der Flashs ist auch direkt der zeichnerische Höhepunkt des Bandes und das obwohl die späteren Schattenspielereien doch allerlei Möglichkeiten für schwarz-rote Kontraste bieten dürften. Gastzeichner Jorge Corona feuert für die Momente der interdimensionalen Flashes allerdings so aus vollen Rohren, dass sich Mimik und Gestik direkt in Lesers Gedächtnis einbrennen und den Weggang von Carmine Di Giandomenico leicht verkraften lassen. Dessen Pinselstrich schien wie gemacht für die zackigen Speedster, Corona ergeht sich dagegen in vollstem Mimikgulasch; mag negativ klingen, transportiert die Ideen der zwischen den Dimensionen zerrissenen Flashs aber perfekt. Mit so einer Arbeit würde sich der Mann also eigentlich als Ablöse für Di Giandomenico empfehlen, das darauffolgende Story-Arc rund um die Schattenwelt Shades wird dann aber doch von Felipe Watanabe und Oclair Albert bebildert. Die können das Niveau nicht ganz tragen, vermeiden aber auch große Patzer, es fehlt ihren Bildern lediglich an den stimmigen Schauwerten die eine Idee wie „Flash gegen die Dunkelheit“ eigentlich verspricht.
Ein Stolpern

Diese Schwäche trägt auch Autor Williamson etwas weiter, der nach den beiden sehr guten Vorgängerbänden eine kurze Rast nötig zu haben scheint. Denn das Abenteuer in die Schattenwelt fühlt sich als wenig ereignisreicher Ausflug an, an der dramatischen Schraube weiß Williamson nur mit klassischen Einfällen zu drehen – absolut nichts verwerfliches, das Ganze lässt aber etwas den Pfiff aus der Vorgängergeschichte vermissen und kann den Eindruck des kleinen Zwischenspiels niemals abwerfen. Dadurch ist der gesamte Final-Akt des Abenteuers nur wenig interessant, kann aber die Vorfreude auf Kommendes nicht verderben, wenn sich Barry Allen hoffentlich wieder daran macht seiner Rogue Gallerie die Stirn zu bieten.
Fazit:

Die ersten beiden Flashs waren ziemlich spaßige Flitzer, das dritte Abenteuer muss dabei kurz Luft holen und verliert dadurch merklich an Fahrt. Denn die Storyline rund um die Schattendimension des Gentleman-Diebes mag eine Einladung zum Staunen sein, wird von dem Zeichner-Team aber nur okay umgesetzt. Gleichzeitig scheint auch Autor Joshua Williamson diese kurze Verschnaufpause nutzen zu wollen, da er hier nicht sein erzählerisches A-Game der beiden Vorgängerbände abliefert. Allerdings stehen die Zeichen gut, dass alle Beteiligten bereit sind wieder voller Elan aufs Laufband zu springen, um uns mit dem vie steht Band wieder voll bei Laune halten zu können.

„Flash 3: Im Bann der Finsternis“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 100 Seiten von Joshua Williamson, Felipe Watanabe, Jorge Corona und Davide Gianfelice. 12,99€.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*