Flash 2: Godspeed

Nach einem Speedforce-Gewitter schlägt sich Barry Allen immer noch mit allerlei neuen, unerfahrenen Speedstern rum. Während Allen aber versucht zu helfen wo er kann, hat es der mörderische Godspeed weiterhin auf alle Beteiligten abgesehen.

Eine Geschichte in zwei Bänden

Mit dem zweiten Band schließt „Ghosted“ und „Birthright“-Autor Joshua Williamson das erste Kapitel seines Flash-Rebirths vorerst ab, bevor zukünftig neue Töne angeschlagen werden. Wer also nach den Ereignissen aus dem ersten Band, die doch fleißig am Status quo zu rütteln schienen, erwartet (oder befürchtet?) hatte, dass uns hier eine ganz andere Welt zukünftig gegenübersteht, kann aufatmen. Anstatt das Central City nun also tatsächlich von zig Speedstern im wahrsten Sinne „überrannt“ wird, zieht sich das erzählerische Korsett wieder auf unsere Protagonisten zusammen. Barry Allen, seine neue Flamme und Speedster-Trainerin Dr. Meena Dhawan sowie den neuen Wally West. Was letzteren betrifft dürfte diejenigen, die sich nicht zu den Dauerlesern des rot-goldenen Schnellläufern zählen, nun wahrscheinlich final klein beigeben, denn: Die Herkunft der beiden Wally Wests ist dermaßen verworren von Jahren der Kontinuität, dass hier auch einige Zeilen erklärender Text nicht mehr ausreichen dürften. Das ist für den Fortgang der Geschichte nicht weiter tragisch, da weder der alte noch neue Wally aktuell im Mittelpunkt stehen, aber fällt dennoch ins Auge. Im Fokus des zweiten Bandes steht natürlich die finale Auseinandersetzung zwischen Barry Allen und Widersacher Godspeed – und natürlich die Enthüllung seiner wahren Identität. Das letztendliche Ausspielen des Konflikts ist mit einem „superheldentypisch“ tatsächlich am Besten umschrieben; weder bei der Enthüllung noch dem Schlagabtausch wird Williamsons Plot für runterfallende Kinnladen sorgen, das Ganze ist eher der übliche Abschluss solcher Handlungsstränge in einer On-Going-Serie. Was, und das sei betont, für sich absolut nichts Schlechtes sein muss und ist. Und wo der Ausgang der Geschichte vielleicht eher funktional sein mag, kann sich „Flash 2“ in diesen Momenten weiterhin voll auf Zeichner Di Giandomenico verlassen.
Der Duracell-Hase unter den Comics – „Er läuft! Und läuft! Und läuft! Und …“

Denn dessen Zeichnungen, weiterhin mit den Farben von Ivan Plascencia, sind immer noch der Knaller, gerade dann wenn es speedforcig bitzelt und brummt. Die Speedforce-Momente verströmen eine fantastische Energie, die einer aufgeweckten Figur wie Allen perfekt auf den Leib geschneidert scheint. Das Grundthema der blitzenden Tentakel, die in alle Richtungen zu greifen scheinen, ist dabei die beste Konstante und sorgt für tolle Optik ob in kleinen Charakterpanels, wo sich nur einige Blitzer ihren Weg entlang der Figur suchen oder in den großen Splashpages, welche aus der Seite zu knallen scheinen. Wenn das Künstlerteam der Serie vorerst erhalten bleibt, darf man gespannt darauf sein, wie sie andere Auseinandersetzungen von Flash umsetzen dürfte. Diesmal ist alles auf Geschwindigkeit und auf die vielen Speedster getrimmt und somit bereits ein Augenschmauß, aber wie würde hier eine Auseinandersetzung mit dem Weather Wizard oder Captain Cold aussehen? Man darf gespannt bleiben.

Fazit:

„Flash 2: Godspeed“ ist ein gekonnter, wenn auch vielleicht nicht großartiger Abschluss, der ersten Storyline. Die Präsentation bleibt weiter fantastisch und energiegeladen, beim Storytelling bringt Williamson den Staffelstab sicher über die Ziellinie, ohne allerdings noch einmal wirklich besondere Momente fürs Foto-Finish zu liefern. Da hat ein „Dr. Strange“ in seinem Einstieg vielleicht schon bombastischeres liefern können, wirklich meckern möchte man hier aber auch nicht. Jetzt bleibt allerdings abzuwarten, ob die Kreativen das Tempo halten und auch mal variieren können. Denn eine weitere Geschichte, die rein auf Speedster und Geschwindigkeit setzt, dürfte dann doch schnell Gefahr laufen schal zu werden. Um auf Schwarzmalerei aber erst einmal zu verzichten, sind Flash-Fans vorerst weiterhin sehr gut mit „Flash 2“ bedient.

zur Leseprobe
„Flash 2: Godspeed“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 100 Seiten, 12,99€. Von Joshua Williamson und Carmine Di Giandomenico.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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