Flash 1: Die Flash-Akademie

Der schnellste Mann der Welt spielte schon beim letzten Neustart „Flashpoint“ eine tragende Rolle, Grund genug also dem Speedster auch bei DC Rebirth ganz besonders auf die Finger, pardon, Füße zu schauen.

„FLASHS – FLASHS EVERYWHERE!“

Barry Allen staunt nicht schlecht als er plötzlich nicht mehr der einzige Speedster zu sein scheint. Das ein junger Wallace West aus einem Alternativ-Universum mit seinen Kräften zu knabbern hat ist keine große Überraschung, kritischer wird’s als auch der verloren geglaubte Ursprungs Wally West wiederauftaucht, den alle in der Speedforce verloren glaubten. Dazu kommt auch noch der mysteriöse Serienkiller Godspeed, der andere Speedster um ihre Geschwindigkeit scheinbar berauben kann, sowie natürlich die Erinnerung an Erzfeind Dr. Zoom. Und als dann noch ein unerklärliches Speedforce-Gewitter wahllose Passanten in weitere Speedster verwandelt, scheint selbst Barry Allen mal Durchschnaufen zu müssen.


Rot-gelber Knallfrosch auf Speed!

Was dem Leser aber zuerst ins Auge stechen dürfte, bevor er versucht sich einen Weg durch dieses spaßige Chaos zu bahnen, dürfte die klare Kante sein, die der Italiener Carmine Di Giandomenico bei Flashs Abenteuer aufs Papier bringt. Zusammen mit dem Koloristen Ivan Plascencia sorgt Giandomenico für einen unverwechselbaren Look, der diese Inkarnation des Speedsters fürs Erste prägen dürfte. Und das ist absolut willkommen, den die harten Linien und der kantige Strich sind immer dann am Stärksten, wenn es darum geht Flashs rasende Welt begreifbar und darstellbar zu machen. Superman gehörte schon immer das Rot/Blau, Batman das Schwarz/Grau und Flash das Rot/Gelb; so wie hier durfte man das frohe Farbenspiel aber schon länger nicht mehr bestaunen. Gerade wenn mehrere Speedster auf den Plan treten und die Speedforce mit knalligen Blitztentakeln in alle Richtungen zu greifen scheint, ist „Flash“ ein absoluter Augenschmaus. Da stört es auch gar nicht, dass die sehr CSIigen Kriminal– und Forensik-Momente in ihrem unterkühlten Blau schon fast untergehen. Und auch in den emotionalen Momenten bleibt genug Ausdrucksstärke vorhanden: was in harter Mimik vielleicht schwerer vermittelbar sein mag wird durch expressive Gesten und aussagekräftige Körperhaltungen absolut wieder wettgemacht. Kann also der optische Spaß auf der erzählerischen Ebene von Autor Joshua Williamson gehalten werden?

Eine (zu?) rasante Reise durch den Figuren-Kosmos

Williamson halst sich hier bereits zu Beginn seiner Serie ganz schön was auf, wer kein Flash-Veteran ist wird bei all den Wally Wests und Nebencharakteren vielleicht kurzzeitig in die Röhre schauen. Und das Chaos wird erst einmal nicht übersichtlicher, wenn dann ratzfatz auch noch eine Menge neuer und alter Speedster, Freunde und Feinde dazu kommen. Williamson, der seinen Flash nicht wieder bei null beginnen möchte, lässt sich dabei von diesen Gewichtsmanschetten aber kaum ausbremsen und stemmt sich lieber mit seinem lockeren Humor entgegen, den er selbst schon in eher düsteren Werken wie „Ghosted“ nie aus den Augen ließ. Trotz all dieser rasenden Entwicklungen ist Williamsons Barry Allen, wohl mehr als alle anderen Rebirth-Recken, tatsächlich zuerst einmal Held und dann Privatperson. Zwar wird diese Idee auch thematisch behandelt, dass Allen nicht mit dem Gedanken leben kann, irgendwo vielleicht mal zu spät zu sein, vordergründig sorgt dies aber erst einmal für einen positiven Grundton des Comics, gespickt mit vielen netten Momenten nach denen sich jeder „Warum sind Comics heute so deprimierend“-Kritiker die Finger schlecken dürften. Williamson scheint sich jederzeit bewusst, dass wo man mit einem Batman oder Superman komplexere Geschichten fast schon erzählen MUSS, ein Barry Allen erst einmal auch nur Katzenretter und Feuerlöscher sein darf. Diese Idee geht auch super damit zusammen, als es plötzlich vor anderen Schnellläufern nur so wimmelt – und sich Allen kurzerhand zum Lehrmeister aufschwingt, um die ehemaligen Normalbürger mit diesem neuen Wahnsinn vertraut zu machen.

Fazit:

„Flash“ macht Spaß. Und wie! Denn Autor Joshua Williamson weiß mit seiner absoluten Lockerheit den von so manchem vermissten puren Superheldenton zurück zu bringen ohne dabei viele Opfer bringen zu müssen. Er will aus Barry Allen, trotz seiner (natürlich!) tragischen Vergangenheit, nicht mehr machen als er ist und innoviert stattdessen lieber an anderen Stellschrauben statt hier den nächsten Shakespeare erzählen zu wollen. Allen darf einfach mal Held und Lehrer sein und das im vielfachen Sinne, schließlich gibt ihm die rasende Handlung genug zu tun. Das geht wunderbar einher mit den fantastischen Zeichnungen Giandomenicos, welche die Speedforce und ihre Helden krakelig-kräftig bunt einzufangen wissen. Da dürften sich dann auch die wenigsten Neuleser an der anfänglichen Überforderung bei all den vielen Flashs wirklich lange stören.

zur Leseprobe
„Flash 1“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 116 Seiten, 12,99€ von Joshua Williamson und Carmine Di Giandomenico.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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