Star Wars – Das Erwachen der Macht

Was sagt man über den wohl meist erwarteten Film aller Zeiten, den fast jeder sehen wird, unabhängig von Kritiken, Vorberichterstattung oder bösen Erinnerungen an die letzten Inkarnationen? „Star Wars Episode 7 – Das Erwachen der Macht“ ist da und wird das Kinojahr 2015 mit einem medialen Knall beenden, der seinesgleichen sucht und wir versuchen, einen möglichst spoilerfreien, Ausblick darauf zu geben, was euch mit Episode 7 erwartet.

Der Anfang eines neuen Endes

Nachdem Sieg der Rebellen am Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ scheint der Kampf trotz einer universumsumpsannenden Party mit Ewoks und Co. noch nicht vorbei zu sein. Etwa zwei Jahrzehnte nach der Schlacht bei Endor ist das Imperium weit entfernt von alter Größe aber dennoch nur auf den Knien und noch nicht am Boden. Die Nachfolger Vaders und Palpatines nennen sich „Die erste Ordnung“ und bedrohen, angeführt von Kylo Ren (Adam Driver) erneut ganze Planetensysteme und die noch junge Republik. Von all dem unwissend lebt die junge Rey (Daisy Ridley) als Schrottsammlerin auf dem Planeten Jakku. Als sich der Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) der neuen Rebellion, des „Widerstands“, auf Droidensuche nach Jakku verirrt, bringt er nicht nur den ehemaligen Sturmtruppler Finn (John Boyega) sondern auch die ganze Gewalt der ersten Ordnung mit nach Jakku. Nur zu schnell finden sich Rey und Finn in einem neuen Kampf Gut gegen Böse, Widerstand gegen erste Ordnung wieder während alle Hoffenden sich nur eins fragen: Wohin ist Luke Skywalker (Mark Hamill) verschwunden und ist er der Einzige, der den überambitionierten dunklen Jedi Kylo Ren aufhalten kann?

Star Wars: The Force Awakens L to R: Rey (Daisy Ridley) & BB-8 Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Star Wars: The Force Awakens
L to R: Rey (Daisy Ridley) & BB-8
Ph: David James
© 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Hype high up in the sky!

Als George Lucas Ende 2012 bekannt gab die Kultmarke Star Wars, mit allem Drum und Dran, an Disney zu verkaufen, war das ein Ereignis, dass die mediale Welt erschütterte wie das Aufschreien und verstummen eines zerstörten Planeten. Disney wurde nach seinem Kauf Marvels nun endgültig zum Entertainment-Powerhouse, die Merchandise-Sparte konnte sich auf ein neues hoch freuen und das Internet diskutierte hitzig über die Handlung, Charaktere und Besetzung der sofort angekündigten neuen Trilogie. Ob für Beteiligte oder Außenstehende war klar, dass ein Mitwirken an Star Wars einen Karrieresechser im Lotto darstellt. Disney hatte gleichzeitig aber sicher zu stellen, die zumindest filmisch angeschlagene Marke nach der umstrittenen Sequel-Trilogie wieder in Richtung alte Größe zu führen. Mit der Wahl ihres Regisseurs J.J. Abrams (Mission Impossible 3, Super 8) gelang den Verantwortlichen im Vorfeld eine sichere Bank, schließlich hatte Abrams zuvor das Reboot von „Star Trek“ verwaltet und mit einer Verjüngungskur wieder kassentauglich gemacht. Ob Abrams und der neue Cast mit alten Hasen aber auch vielen neuen, eher unbekannten Gesichtern aber auch zu einem würdigen Star Wars-Nachfolger führen würden, stand bis zum Kinostart, auch dank knallharter Geheimhaltungspolitik Disneys, in den Sternen. Bis jetzt.

Star Wars: The Force Awakens L to R: General Hux (Domnall Gleeson) and Kylo Ren (Adam Driver), in b/g Captain Phasma (Gwendoline Christie) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Star Wars: The Force Awakens
L to R: General Hux (Domnall Gleeson) and Kylo Ren (Adam Driver), in b/g Captain Phasma (Gwendoline Christie)
Ph: David James
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Neues Sternenschiff, alte Teile

In Zeiten von Remakes, Softreboots, Sequels und Prequels hat „Das Erwachen der Macht“ gleich dutzende Kinder zu hüten, als einerseits traditionsreiche Filmreihe, der andererseits auch ambitionierter Neustart einer frischen Trilogoie mit neuen Gesichtern sein will und muss. Gemessen daran gelingt Regisseur Abrams und den neuen Gesichtern ein absolutes Meisterstück, denn die neuste Episode atmet Star Wars aus jeder Pore ohne unter dem Druck des Franchise zusammenzubrechen oder durch Verbeugungen ans Original zu ersticken. Das ist auch gar nicht nötig, denn wenn die alte Heldenriege um Han Solo, Leia und Co. Auf die Bildfläche tritt, sollte das bei jedem Star Wars-Fan für genug Gänsehaut sorgen. Dank dekadenalter Ikonographie langen Lichtschwertgriffe in Truhen oder Darth Vaders verbrannter Helm um ohne  große Worte den Geist „Krieg der Sterne“ zu beschwören – und Abrams nutzt jeden Moment als Gelegenheit den Staffelstab an die neue Cast-Riege weiter zu reichen. Damit gelingt ihm problemlos die Eingliederung der beiden neuen Protagonisten Finn und Rey. Daisy Ridleys junge Einzelgängerin Rey mit dem Herz am richtigen Fleck, die „zu klein“ für den armen Wüstenplaneten Jakku scheint, erinnert nicht von ungefähr an Hamills Luke Skywalker und hat es ähnlich leicht wie damals Hamil, das Publikum für sich zu gewinnen. Der Brite John Boyega, den Einige vielleicht aus der britischen Sci-Fi Komödie „Attack the Block“ wiedererkennen könnten, liefert dagegen mehr humoristische Einschläge, um für die nötigen Lacher zu sorgen, kommt aber gleichzeitig mit einem interessanten Hintergrund ausgestattet daher, der in den kommenden Teilen für spannende Neuerungen sorgen sollte. Beiden Beteiligten kommt zu Gute, dass die Star Wars-Filme in all ihren sechs Teilen, nie auf schauspielerische Höchstleistungen angewiesen waren, sondern auf gutes Timing, pfiffige One-Liner und große Bildwelten. Daher hat es Adam Driver als neuer Schwinger des roten Lichtschwerts noch am schwierigsten, schließlich muss er die Nachfolge eines der größten Filmbösewichte aller Zeiten antreten. Vernünftigerweise versuchen weder Script noch Kylo Rens Charakter selbst Darth Vader zu übertrumpfen, stattdessen wird das heraustreten aus dem Schatten des großen Übels zum Teil der Figur und Geschichte selbst. Dieser Kniff darf als gelungen angesehen werden, auch wenn Ren in den kommenden Teilen ruhig noch etwas mehr Bösewichtambitionen zeigen darf; dabei darf man sich aber sicher sein, dass Driver die nötigen Fähigkeiten mitbringt um alle noch kommenden Konflikte mit anderen Figuren aber auch in Kylo Ren selbst, gebührend darzustellen.

Star Wars: The Force Awakens L to R: Leia (Carrie Fisher) & Han Solo (Harrison Ford) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Star Wars: The Force Awakens
L to R: Leia (Carrie Fisher) & Han Solo (Harrison Ford)
Ph: David James
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„Die Leute wollen was sie schon kennen. Nur in anders!“

Wenn ich hier also schon von dem spreche, was die Leute von einem Star Wars erwarten; markige Sprüche, fremde Planeten, exotische Figuren und aufregende Raumschlachten, kann „Das Erwachen der Macht“ diese Muss auch liefern? Die Antwort ist ein klares „Ja!“ – Abrams liefert, natürlich mit Special-Effects die über alle Zweifel erhaben sind, aufregende Action-Unterhatlung, die, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist, nie überfordert oder ermüdet. Dank einer sehr soliden Kamera von Daniel Mindel (der mit den beiden neuen Star Treks, John Carter und Mission Impossible 3 genug Blockbuster-Erfahrung mitbringt) und eines treffsicheren Schnitts, sitzen alle Lichtschwertduelle und Verfolgungsjagden genau da wo sie sein sollen und sollten kein Fan-Herz unbefriedigt lassen. Auch in den ruhigen Momenten werden mehr als genug Heimatgefühle beschworen, ob es jetzt eine Kantine mit Alien-Band wie in Episode 4 ist oder die Droidensuche auf einem Wüstenplaneten zum Beginn der Geschichte. Wenn man Episode 7 etwas zum Vorwurf machen wollte, dann wäre es wahrscheinlich auch genau diese Nähe zum eigenen Franchise – Abrams beschwört so viele Bilder der Vorgänger, so viele Motive und sogar große Teile der Handlung der Ur-Trilogie, dass man „Erwachen der Macht“ als „Eine neue Hoffnung“ in schönerer Verpackung sehen könnte. Doch selbst die böseste Zunge wird sich diesem Ausruf wahrscheinlich nie ganz hingeben wollen, denn dafür ist die neuste Episode zu rund, zu nostalgisch und zu unterhaltsam, um von diesen Fehlern tatsächlich am Funktionieren gehindert zu werden. Star Wars 7 mag an mancher Stelle FAST zum schönen, aber simplen Remake verkommen, bringt aber genug frisches Blut mit um dieses Manko zumindest damit begründen zu können, dass auf diesem Fundament aus Altbekannten in kommmenden Filmen zumindest was Neues und Frisches gebaut werden könnte und sicher wird. Und das ist wohl auch schon eine der größten Hoffnungen, die besonders alte Fans mit in den Kinosaal gebracht haben.

Fazit:

75338_sw7_Hauptplakat_A1_02_rz.inddMit „Das Erwachen den Macht“ geht Disney den sicheren Weg in seine neue Trilogie, eines Franchises da so riesig und beliebt ist, dass jeder Schritt ein Fehler sein kann. So bekommen wir Evolution statt Revolution, dafür aber mit so viel Ikonen und Nostalgie, die das Herz aufgehen lässt und für Gänsehaut sorgt, wenn darunter auch Überraschungen und Innovation etwas zurückstecken müssen. Diese allerdings werden immerhin für die kommenden Filme nicht nur angedeutet und bis dahin bleibt „Das Erwachen der Macht“ wohl einer der besten Filme aller sieben Teile, der es oft genug schafft, die Magie und den Zauber zu erzeugen, der wohl schon die ersten drei Teile damals zum weltweiten Kult werden ließ. Und gemessen an dieser herkulesken Aufgabe und der enormen Erwartungshalter aller ist „Das Erwachen der Macht“ damit als absoluter Erfolg zu werten, der jeden Fan beruhigt in die Zukunft blicken lassen sollte!

 

 

 

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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