Filmreview: The First Avenger: Civil War

Worum geht es?

In den letzten Filmen haben die Avengers im Kampf gegen Aliens und sonstige Bösewichte mit Superkräften nicht nur ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Es sind auch viele Menschen nebenbei gestorben. Die Vereinten Nationen stellen nun die Helden unter ihrer Kontrolle. Iron Man ist dafür und Captain America dagegen. Na dann, auf in den Krieg.

Was erwartet euch bei dieser Filmreview?

Sie ist spoilerfrei und absolut subjektiv!

Was erwartet der Zuschauer von der Schlacht der Superhelden?

Ist es die Story um Selbstjustiz und Grenzen für Helden? Sind es die Effekte? Die Action oder doch allein Royal Rumble of Superheroes? Nein. Die Marketingabteilung will zu allererst, dass der Zuschauer eine Entscheidung treffen muss. „Auf welcher Seite stehst du?“ Mit diesem Slogan bewirbt Marvel den dritten Teil um Captain America, der in Deutschland mit dem nicht ganz so patriotischen Titel „The First Avenger“ in den Kinos durchstartet. Kann man sich denn wirklich für eine Seite entscheiden? Sollte Civil War darauf reduziert werden?

Welche Voraussetzungen muss der Zuschauer mitbringen?

Marvel setzte in der Vergangenheit alle Filme so in Szene, dass jegliches Vorwissen aus den vorherigen Teilen nicht von Nöten war. Avengers: Age of Ultron führte bereits viele Figuren und Themen aus dem Cineverse von Marvel (MCU) zusammen. Der dritte Teil um Captain America geht einen Schritt weiter.

Deutliche Empfehlung der Redaktion: The Return of the First Avenger (Captain America: Winter Soldier) sowie Avengers: Age of Ultron sollte man vor dem Gang ins Kino gesehen zu haben und für euch ist dann diese Review auch weiterhin spoilerfrei. Diejenigen unter euch, die bisher alles von Marvel im Kino sowie im TV nur so verschlungen haben: viel Spaß, ihr werdet belohnt. Man kann diesen Satz nahezu als Fazit stehen lassen, denn ihr bekommt alles was ihr wollt. Na gut, fast alles!

Warum ist es ein Captain America Film?

Chris Evans steht in seiner Rolle des Captain America trotz der vielen Protagonisten im Vordergrund und dies ist sogar vorteilhaft für die szenische Gestaltung der Russo Brüder. Erneut übernehmen Joe und Anthony Russo die Regie und setzen in ihren Actionszenen auf Nahkampf in schnellen Schnitten. Es wird mit den Fäusten aufeinander eingedroschen, um es mal auf den Punkt zu bringen. Alles wirkt dadurch irgendwie bodenständig, nahezu realistisch. Nicht zu abgedreht. Nicht zu comichaft. Das europäische Setting trägt selbstverständlich dazu bei und wer sich nicht nur unterhalten lassen will, der entdeckt auch die offensichtliche Kritik am Denkmantel imperialistischen Bestrebungen einiger Staaten der letzten Jahrzehnte. Der Captain besitzt zwar eine ungeheure Kraft und Widerstandsfähigkeit, aber seinen enormen Willen setzt er mit den Fäusten um. Was bleibt ihm auch übrig, wenn seine einfachen klaren Worte beim ersten Mal nicht verstanden werden?

Marvel's Captain America: Civil War L to R: Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) and Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Marvel’s Captain America: Civil War
L to R: Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) and Steve Rogers/Captain America (Chris Evans)
Photo Credit: Film Frame
© Marvel 2016

Ist dies ein Bürgerkrieg?

Hollywood liebt Materialschlachten. Kein Superheldenheft kommt ohne Splashpage aus, welche einen halb zerstörten Straßenzug einer x-beliebigen Metropole inmitten eines Kampfgewirres zeigt. Doch was ist, wenn gerade diese bombastischen Bilder mal hinterfragt werden? Wie viele Kollateralschäden sind vertretbar? Sind sie es überhaupt? Was darf ein Superheld? Unter welcher Kontrolle stehen Superhelden? Können diese Wesen mit unglaublichen Kräften überhaupt in Zaum gehalten werden? Fragen über Fragen, welche in den Superheldenuniversen jeglicher Verlage bereits thematisiert wurden. Selbstjustiz, Kontrolle und Überwachung war und ist immer wieder eine Geschichte wert und jeder Autor findet seinen eigenen Weg. X- und Watchmen sind in beiden Medien mit diesem Fokus viel diskutierte Kultklassiker. Im Kino wurde neben dem Hype um den Joker auch die Grenze von Überwachung in Nolans The Dark Knight aufzeigt. Der aktuelle DC-Versuch im Kino Erfolge wie die von Marvel zu feiern, Batman vs. Superman: Dawn of Justice, thematisiert ebenfalls Selbstjustiz, Superkräfte und ihre Folgen. Spannend ist also nicht der Kampf an sich, sondern die Lösung und hier wird der Zuschauer leider auf später vertröstet.

Iron Man gut – Captain America böse – oder doch umgedreht?

Der Captain will sich nicht der UN oder irgendwelchen Gremien, Parlamenten oder gar Generälen unterordnen. Dies ist einfach zu verstehen, denn bereits S.H.I.E.L.D. wurde unterwandert und die hehren Ideale und Ziele korrumpiert. Wem kann man auf dieser Welt noch trauen? Cap vertraut keiner Organisation mehr. Er ist sozusagen freischaffend, doch Hauptsponsor der Avengers ist nun mal Tony Stark und der steht felsenfest hinter der Einrichtung eines Kontrollgremiums. Ob Civil War eine Lösung für dieses Dilemma findet muss ich ebenfalls offen lassen und ob eine pompöse, ausufernde Schlacht am Leipziger Flughafen zielführend ist, sei dahin gestellt. „Fanservice“ ist doppeldeutig belegt, trifft aber voll ins Auge. So mancher Marvel-Fan wird bei den Kampfszenen abgehen.

Marvel's Captain America: Civil War L to R: Captain America/Steve Rogers (Chris Evans) and Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Marvel’s Captain America: Civil War
L to R: Captain America/Steve Rogers (Chris Evans) and Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.)
Photo Credit: Film Frame
© Marvel 2016

Der heutige Stand der Technik macht es möglich. Der Vorteil der Comics wird aufgehoben. Was früher nicht mal ansatzweise auf der Leinwand umsetzbar war, konnte der Künstler hingegen zu Papier bringen. Die Kombination aus Film und Animation verschwimmt für den Zuschauer zusehends  und so werden die Superkräfte der Helden bis ins unermessliche auf die Spitze getrieben und wenn man dann nach jedem Marvel Film denkt: „Jetzt habe ich aber wirklich alles gesehen!“, dann gilt dies nur bis zum nächsten Kinoabenteuer aus dem Hause Disney und schon sind wir wieder beim Thema Fanservice. Schon im Buddelkasten traten meine Helden gegeneinander an. Da hatte ich noch nicht mal einen Superheldencomic gelesen. Wer ist stärker? Eine essentielle Frage für jeden Fanboy. Solche Diskussionen sind nicht nur Abend-, sondern auch Forenfüllend und wird im Civil War mit einer Läuflänge von 147 Minuten mehr als ausgiebig bedient. Held gegen Held! Na dann stellen wir mal die Teams zusammen.

Genau hier bekommen gerade Ant-Man, erneut gespielt von Paul Rudd und der noch sehr junge Peter Parker, Tom Holland zum ersten Mal in der Rolle des Spider-Man, nicht genug Platz im Film. Die beiden treten den jeweiligen Teams ohne tatsächlicher Einstellung zum „Kriegsthema“, sondern aus reinem Zufall und Sympathie zum Anfragenden bei. Durch die Anzahl der Helden wird nicht jedem die Möglichkeit gegeben, sich mit den Hintergründen der Auseinandersetzung zu beschäftigen. Sie werden nahezu unfreiwillig in einen Kampf hineingezogen und das macht es auch wieder spannend. Es sind Freunde, Weggefährten oder auch zugespitzt: Leidensgenossen, die da aufeinander einschlagen. Wie weit gehen die Helden im Gefecht? Kann man auf jemanden Schießen, mit dem man „nur“ nicht einer Meinung ist? Vielfältig gehen die Filmemacher an das Thema heran und so erreicht auch Marvel mit Civil War eine einzigartige, auch wenn nicht neue Wendung.

Wer bisher Ant-Man verpasst hat, wird ihn nachholen wollen und die Vorfreude auf Black Panther sowie Spider-Man potenziert sich enorm. 2017 kann man sich auf einen Black Panther Solofilm freuen. Wie aus dem Nichts wird der afrikanische Superheld eingeführt und überzeugte mich ab der ersten rasanten Verfolgungsjagd. Besonders gespannt kann man den erneuten Reboot von Spider-Man erwarten. Die Kooperation von Sony/Fox und Marvel/Disney offenbart sich als ein richtiger Coup, denn erst vor wenigen Tagen wurde ein Auftritt von Robert Downey jr. in seiner Paraderolle Tony Stark alias Iron Man im kommenden Spider-Man Film angekündigt. Nicht verwunderlich, denn spielt doch er eine zentrale Rolle für die Aufnahme der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft im Team Iron Man. Einen Teil der Origin bekommt der Kinogänger in Civil War und es macht enorm Spaß Spidey mit samt den Avengers im Kampf zu erleben. Kurz: er ist jung, witzig, spritzig! Es war einfach nur herrlich. Kritik am Kostüm hin oder her. Es passt wie die Faust aufs Auge und da kam mir während der Vorführung ein Gedanke. Ist es nicht verantwortungslos von Tony Stark einen ungefestigten Jugendlichen, der zufällig Superkräfte hat, einfach so in den Krieg zu schicken? Hätte nie gedacht, dass ich mal im Team Cap bin.

Marvel's Captain America: Civil War L to R: Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.), War Machine/James Rhodey (Don Cheadle), Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), Steve Rogers/Captain America (Chris Evans), Sam Wilson/Falcon (Anthony Mackie), Vision (Paul Bettany), Wanda Maximoff/Scarlet Witch (Elizabeth Olsen). Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Marvel’s Captain America: Civil War
L to R: Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.), War Machine/James Rhodey (Don Cheadle), Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), Steve Rogers/Captain America (Chris Evans), Sam Wilson/Falcon (Anthony Mackie), Vision (Paul Bettany), Wanda Maximoff/Scarlet Witch (Elizabeth Olsen).
Photo Credit: Film Frame
© Marvel 2016

Wer ist denn noch dabei?

Vision (Paul Bettany) und Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) werden zur Randnotiz und passen einfach auch in diesem Film nicht rein. Hulk und Thor hingegen sind spurlos verschwunden und auch das ist gut so. Sie würden die Stimmung stören und alles kaputt machen. Alle vier bekommen sicher im dritten Avengers Film ihre Chance gegen einen allmächtigen Gegner zu Glänzen. War Machine (Don Cheadle) und Falcon (Anthony Mackie)  sind unverzichtbare, treuen Begleiter des Iron Man bzw. Captains und Black Widow ist generell auf ihrer eigenen Seite. Die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely schaffen es wieder Scarlett Johansson einen Charakter auf den Leib zu schreiben, der selbst mit nur wenig Screentime eindrucksvoll vielschichtig im Gedächtnis bleibt.

War da nicht noch Daniel Brühl?

Es würde nicht mal auffallen, wenn seine Rolle Zemo komplett aus dem Film herausgeschnitten würde. Daniel Brühl liefert eine solide, Hollywood würdige Leistung ab, doch Vergleiche mit Christoph Waltz oder Armin-Müller Stahl sind hier nicht angebracht. Der junge Deutsche legt einen weiteren Grundstein für eine internationale Karriere und schafft sich mit der Rolle des Gegenspielers ein sicheres Fundament. Das Drehbuch selbst liefert nicht genug Verkettung mit dem Konflikt der Helden und trotzdem ist Brühl der Hauptantagonist. Die Motivation des Winter Soldiers (Sebastian Stan) bleibt für viele der Helden lange im Dunkeln und stiehlt Brühl damit die Show. Zemo wirkt im Hintergrund, zieht an den Fäden, doch ist es am Ende wie bei Indiana Jones. Die Nazis hätten am Ende sowie so die Bundeslade ans Ziel gebracht und hätten verloren. So ist es mit der Geschichte um Zemo ähnlich. Er sorgt für erklärende Rückblicke, sodass die Story halbwegs Sinn ergibt und ein paar Handlungsstränge des MCU aufgreift und neue schafft. Der Film bleibt auch ohne Kenntnisse vom Comic über weite Strecken vorhersehbar und wenn dann doch eine Wendung kommt, so fehlt im Einzelfall die Verankerung im Gesamtkonzept. Alle Charaktere brauchen etwas Platz und so kommt der Film ins Strudeln. Rückblickend hätte man hieraus problemlos einen Mehrteiler machen können. An Figuren mangelte es jedenfalls nicht.

Marvel's Captain America: Civil War Winter Soldier/Bucky Barnes (Sebastian Stan) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Marvel’s Captain America: Civil War
Winter Soldier/Bucky Barnes (Sebastian Stan)
Photo Credit: Film Frame
© Marvel 2016

…und die Special Effects?

Sie sind handwerklich gut gemacht und passen hervorragend in das realistische Setting. Die Helden und ihre speziellen Fähigkeiten würdig gegeneinander eingesetzt, nur lag der Film der Presse nur in 2D vor, wofür die Dame von Disney vor der Aufführung Applaus erhielt.

Aber im Comic war das alles ganz anders!

Genau und deswegen hat Panini den Band auch nochmal im limitierten Hardcover neu aufgelegt. Wer den Comic haben möchte, geht in den Comicshop und wer den Film sehen will, geht ins Kino. Wieder muss man sich entscheiden! Man kommt nicht drum herum. So ist das mit dem Multiversen eben.

Fazit

Das gleiche Konzept wie in den Comics wird nun auf das MCU angewendet und es funktioniert. Es gibt eine Hauptserie mit einer Heldenvereinigung. Die Solofilme und TV-Serien sind dann wie Tie-Ins zu den Events. Ein wichtiges Thema wird effektvoll mit ausgedehnten, aber enorm abwechslungsreichen Kampfszenen nicht konsequent zu Ende gedacht und es bleibt ein Film für Comicfans übrig, aber seien wir ehrlich: mehr wollten wir auch nicht!

Fazit (Simon):

Das Gegeneinander der marvelschen Heldenriege fährt auf was das Haus mit dem roten M im Blockbusterkino perfektioniert hat – eine filme-übergreifende Handlung, state-of-the-art special-effects, geerdete Charaktere zum Mögen und eine gelungene Wahl bei der Regie. Das Gebrüdergespann Russo sollte mit ihrem feinsten Gespür in jedweder Action-Szene alle Zweifel ausgeräumt haben, dass sie würdige Joss Whedon Erben abgeben werden und in der Lage sind das zweiteilige Avengers „Infinity War“ 3 Monster zu stemmen. Denn die Beiden dürfen sich immer noch als die Macher des bisher besten MCU-Films schimpfen – auch wenn das nicht „Civil War“ wurde sondern weiterhin „Winter Soldier“ bleiben wird. Denn seine großen Pluspunkte erkauft sich „Captain America 3“ mit kleinen Längen, einem unterhaltsamen aber zu großem Cast und einem Verlust an Fokus durch fleißiges Verweisen und Word-Building für die kommenden MCU-Filme. „Civil War“ ist mehr „Avengers 2.5“ als „Captain America 3“ und wenn es auch wirklich schlechtere Prädikate als dieses gibt, fühlt sich dieses Cap-Abenteuer doch etwas verwässerter an, was seine Hauptfigur betrifft. Wir bekommen große Helden, gutes Drama und die wohl mit beste Action-Szene des bisherigen MCUs und „Civil War“ dürfte damit sicher das bessere Spektakel sein. Der bessere Film als rundes Gesamtpaket allerdings bleibt der erste Auftritt des Winter Soldiers.

Verlosung

Als viel Spaß im Kino und vergesst unser Gewinnspiel nicht. Noch bis zum 08.05.2016 könnt ihr hier teilnehmen.

Tarante

Author: Tarante

Tiberius Tarante ist der Berliner mit der abgöttischen Liebe zum Medium Comic. Vom Mainstream bis zum Independent Comic verschlingt er alles und als Nerd 2.0 ist er sich bewusst, dass es noch einige Stufen bis zur Allwissenheit zu erklimmen gilt.

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