Elya 1: Die Nebel von Asceltis

Mit seiner „Zwergen“-Saga hat Nicolas Jarry bereits beweisen können, dass er sich im Fantastischen zu bewegen weiß. Mit „Elya“ bleibt er den Mythen des Nordens treu, diesmal dreht es sich aber weniger um zwergische Höhlenbewohner und mehr um naturverbundene Nordmänner.

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Das Königreich Scent ist bedeckt mit üppigen Wäldern, der Mensch ist lediglich Besucher und Reisender, Schamanen sind die Hüter des Gleichgewichts zwischen Mutter Natur und dem menschlichen Expansionsdrang. Und dennoch scheinen sich die Götter immer mehr aus den Wäldern zu entfernen, die Bäume sterben einen langsamen aber sicheren Tod. Diesem langwierigen Wandel gegenüber wirkte jede menschliche Fehde eigentlich kurz und unscheinbar und ist dennoch für die Bewohner Scents von größter Bedeutung. Denn der verstoßene Königssohn Erwal ist aus dem Exil zurückgekehrt, um seinem Vater die letzte Ehre zu erweisen. Sein Bruder und amtierender Herrscher, Yslain, beäugt ihn zunächst misstrauisch, gewährt ihm allerdings über die Trauertage zu bleiben. Mit der Rückkehr des Exilanten kommen die Konflikte der Vergangenheit wieder ans Tageslicht. Und inmitten dieser wieder aufgerissenen Wunden gebären die Bäume nach Jahrhunderten nun erneut eine Elya, ihren Avatar, eine mythische Waldnymphe. Doch im Spiel um die Macht ist die Nymphe eine wenig willkommene Schachfigur und so findet sie sich bald darauf von Häschern gejagt auf der Flucht durch die Wälder Scents wieder.


Zuerst Viel, dann viel Gutes.

Der Einstieg in die Welt „Elyas“ gestaltet sich überraschend komplex, auf wenigen Seiten will nicht nur das Szenario der naturverbundenen Nordmänner eingeführt werden, sondern auch die Konfliktparteien rund um die Brüder Yslain, Erwal, ihre Schwester Lyenn und die Druiden und Götter des Waldes. Und all das in Form einer natürlichen Erzählung ohne großen Exposition-Dump in Form von ausufernden Textboxen oder auktorialen Beschreibungen. Zu Beginn mag sich der Leser dabei etwas abgehängt vorkommen, die Geduld wird allerdings schnell belohnt und wenn auch nicht jeder Charaktername sofort hundertprozentig sitzt. Denn das Figurendesign hält die perfekte Balance zwischen dem Look eines einheitlichen Stammes und unterschiedlichen Akzenten, um die streitenden Akteure unterscheidbar zu machen. So entwickelt sich „Elya“ mit dem Einsetzen des Konflikts schnell zu einer spaßigen Hetzjagd gepaart mit einigen höfischen Intrigen und das Geschehen wird angenehm komplex aufgefächert ohne unübersichtlich zu werden. Das Sahnehäubchen bilden dabei diesmal die Figuren – seit der „Zwergen“-Saga hat Autor Nicolas Jarry hier noch einmal ordentlich draufgelegt und schafft es mit wenigen, zugespitzten Dialogen lebhafte Figuren zu erwecken.

Mehr als nur matschbrauner Sumpf

Eine, zu großen Teilen im morastigen Wald angesiedelte Story, läuft schnell Gefahr optisch abwechslungsarm daherzukommen – mit häufigen Schauplatzwechseln wird hier oftmals Abhilfe geschafft. In „Die Nebel von Asceltis“ verbleibt das Geschehen allerdings erst einmal in den dichten Wäldern Scents; und wenn man sieht was Gianluca Maconi Seite um Seite aus dem Setting herausholt, verweilt man als Leser allzu gerne etwas länger in diesem Dickicht. Umso mehr Natur zu sehen ist, umso mehr Feinheiten stopft Maconi in das Panel und in die Hintergründe. Und all das ohne die Charaktere ihres Platzes im Rampenlicht zu berauben. Bäume, Höhlen, räkelnden Ranken, wenn Mutter Natur abgebildet wird ist dies stets ein atmosphärisches Highlight, selbst wenn es nur als Nebendarsteller zum Charakter-Drama im Vordergrund des Panels fungieren soll. Dazu kommt eine Farbgebung die gerade mit Blick auf die ganze Seite überzeugt und eine deutliche Zäsur setzt. Alleine durch die unterschiedlichen Farbstimmungen, bekommt die Geschichte eine deutliche Struktur und Unterteilung, die den Lesefluss weiter stützt und ehe man sich versieht von Seite zu Seite durch den Band getragen hat.

Fazit:

Mit „Elya 1“ setzen Gianluca Maconi und Nicolas Jarry dem Publikum ein leicht zu übersehendes, aber absolut lesenswertes Kleinod vor die Nase. Das ausgerufene Arbeitsmotto ist hier Perfektion statt Innovation, was sich auf dem Buchrücken wie eine Mischung bekannter Versatzstücke liest ist in der letztendlichen, comicschen Umsetzung, nicht nur eine locker, spaßige Erzählung, sondern auch wunderschön anzusehen. Sowohl Autor als auch Zeichner liefern hier ihr absolutes A-Game und machen „Elya“ damit zu einem Muss für Fans von Jarrys „Zwergen“-Saga, aber auch gestandenen Conan-Jüngern oder dem abenteuerhungrigen Freund der Phantastik im Generellen – Band 2, Ja Bitte!

zur Leseprobe
„Elya 1: Die Nebel von Asceltis“ erscheint bei Bunte Dimensionen im Hardcover. 48 Seiten, 14,00€. Von Nicolas Jarry und Gianluca Maconi.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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