Dr. Strange 4: Blut im Äther

Marvels Hausmagier versucht auch im vierten Band die Zauberwelt zurück ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei verschlägt es ihn nicht nur in eine Hölle der Völlerei, sondern er sieht sich mit Graf Mordo und dessen Meister Dormammu sogar zwei seiner ältesten Gegenspieler gegenüber.

Ziemlich Wicked. Bisschen Weird. Aber Niiiiiicee.

Mit einer langen Inhaltsangabe will man sich hier gar nicht aufhalten, denn wer die ersten Bände verpasst haben sollte wird spätestens hier Schwierigkeiten haben, dem ganzen magischen Gewusel noch folgen zu können. Stephens Kampf gegen die magiehassenden Empirukul aus den Vorgängerbänden hat weiterhin schwere Folgen, die Magie ist fast verschwunden und der Sorcerer Supreme daher ziemlich machtlos. Die drohenden Gefahren, von Jason Aarons Skript her schon ziemlicher Wahnsinn, dürften hierbei die bis jetzt schrägsten Ausmaße annehmen – und werden von Chris Bachalo auch in die bisher wohl abgedrehtesten Bilder gepresst. Ein dem Doktor verschriebenes „Festmahl“ von einer dämonischen Köchin vorgesetzt, verkommt so zu einem zwar weiter cartoonigen, aber auch wenig appetitanregenden Gelage. Und auch andere Kapitel sind, wenn auch sicher weniger auf das Erregen von Übelkeit aus, abgedreht hoch zehn. Was Aaron und Bachalo ihren Lesern hier in einem Mainstream-Comic zumuten wollen, zaubert nicht die schönsten Bilder aufs Papier, brennt sich aber ins Gedächtnis und trifft weiterhin voll den angestrebten Ton der Serie. Stephen Strange ist immer noch überforderter Improvisateur statt gestandener Magier, von einem ausgeglichenen, ruhenden Ich und dem dritten Auge ist der Zauberer Dimensionen weit entfernt.


Roter Faden im rohen Chaos

Allerdings soll auch soweit entwarnt werden, dass sich die Storyline weiter klar durch den Band windet und ihn davor bewahrt in zwar eventuell spaßige, aber auch zusammenhanglose, Einzelgeschichten zu verfallen. Der Ton macht die Musik oder besser die Balance, denn wie gut Autor Jason Aaron diesen mal wieder im Griff hat, ist eine Pracht. Auch „Blut im Äther“ hat zwischen all den (Weiter)erzählungen noch Zeit in den richtigen Momenten spaßig und in anderen Momenten verrückt abgespaced zu sein. Es bleibt der Eindruck, dass Aaron und Bachalo nie die verrückten Geschichten ausgehen werden, welche sie dem Leser noch präsentieren möchten.

Fazit:

Auch in der vierten Ausgabe gibt es an „Dr. Strange“ nichts Konkretes zu meckern, wem das alles zu bunt und zu abgedreht gewesen sein sollte, der dürfte bereits vor ein bis zwei Bänden ausgestiegen sein. Aaron und Bachhalo halten es weiterhin verrückt und unterhaltsam, eine Kursänderung ist nicht in Sicht und das ist auch gut so. Denn gerade der Marvel-Doktor darf so herrlich abgedreht sein und bleiben wie es viele andere Serien der großen Zwei wohl niemals wagen könnten ohne der Furcht erliegen  zu müssen, einen Großteil der geneigten Leserschaft zu vergraulen.

„Dr. Strange 4: Blut im Äther“ von Jason Aaron und Chris Bachalo erscheint bei Paninicomics im Sofctover, 116 Seiten, 12,99€.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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