Dr. Strange 3: Die letzten Tage der Magie 2

Das Ende ist erst der Anfang – denn Strange und seinen magischen Mitstreiter steht das finale Zusammentreffen mit den Empirikul bevor. Und obwohl das Gute natürlich letztendlich irgendwie den Sieg davon tragen wird sind die Konsequenzen für die magische Gemeinschaft … „folgenreich“.

Fließender Übergang

Nach den beiden bereits vorzüglichen Vorgängerbänden knickt Jason Aarons Dr. Strange Abenteuer natürlich auch jetzt nicht ein. Stattdessen erzählt der Thor- und Wolverine-Autor das erste Kapitel seiner Saga sauber zu Ende. Dabei macht es wieder einen Heidenspaß Aarons Ideenreichtum zu folgen. Ich kann mich nur aus den Rezis zu den letzten zwei Bänden wiederholen: Der Mann beherrscht das mystisch-seltsame, ob im Donnergott-Kosmos oder in der vermischten Surrealismus/Cthulhu-Welt des Dr. Seltsam. Wie kaum ein anderer Comic aus dem aktuellen Mainstream-Lineup weckt „Dr. Strange“ alleine schon beim reinen Blättern eine Vorfreude auf die nächste Seite. Wir wissen natürlich, dass, egal wie düster die Vorzeichen auch stehen mögen, der Doc und seine Mitkämpfer am Ende triumphieren dürften. Der tatsächliche Weg dorthin ist aber so wahnwitzig erfrischend, gepaart mit treffenden Dialogen und One-Linern die auch in der Übersetzung sitzen. Weiter noch ist es schön zu sehen wie das Ende der Empirikul-Saga dazu verwendet wird nicht nur galant das direkt darauffolgende Kapitel einzuführen, sondern auch bereits Widrigkeiten und Antagonisten für die Zukunft zu etablieren. So ist es diese perfekte Mischung aus fokussierter Story und breitem Worldbuilding welche einen nicht mehr loslässt.

Zu viel des Guten?

Zeichnerisch zeigt sich weiterhin Chris Bachalo verantwortlich, unterstützt unter anderem von Kevin Nowlan und Leonardo Romero. Die Zeichnungen konnten das Erzählte bisher nahezu perfekt bebildern, die Welt wirkte wie eine verrückte magische Mischung aus Cthulhu und Dr. Seuss. Das ist auch weiterhin der Fall, selbst wenn mit dem ebenfalls enthaltenen Annual von Autorin Kathryn Immonen auch mal ein etwas gesetzterer Stil vorzuzeigen ist, die Highlights bleiben die wirren Linien und hohen Farbkontraste. Beste Zusammenkunft von Handlung und Präsentation ist dabei wieder das durchdachte Grunddesign der Empirikul – technologisch, klinisch weiß im konturlosen Zukunftsdesign reinigen sie nicht nur die Welt von der Magie, sondern das Panelinnere auch von allem Bunten. Ein perfektes Gegenbild also zu der farbenfrohen Einsatztruppe um Strange und Co. Dieses Bunt gegen Grau kann über die gesamte Strecke überzeugen, lediglich in den finalen Seiten wird all das fast etwas zu eng. Wenn hier noch eine dritte, pechschwarz gehaltene Partei eingreift und jeder in alle Richtungen austeilt, wird es platztechnisch in einigen Panels doch recht eng und unübersichtlich, umso bedauerlicher, dass es sich dabei um den Höhepunkt des Arcs handelt. Wirkliche Schäden richtet auch dies letztendlich nicht an, erzählerisch bedingt mit Magie und Übermenschlichem, sind einige Unklarheiten leicht zu verkraften. Zukünftig wäre es dennoch schön zu sehen, wenn einige Bilder den Platz im Panel erhalten würden, den sie durchaus verdient haben.

Fazit:

Was soll man noch sagen, „Dr. Strange“ ist und bleibt unter Jason Aaron einfach eine fantastische Serie. Die erzählerische Ausgewogenheit, das richtige Gespür für komödiantische und ernste Momente sowie der grundsätzliche Ideenreichtum sorgen weiterhin dafür, dass der Comic noch weit fernab davon ist aus der Puste zu kommen. Und ähnlich wie zuletzt Greg Capullos Stil perfekt zu Scott Snyders „Batman“ zu passen schien, so dürften auch Bachalos Zeichnungen für Aarons Erzählweise wie geschaffen sein. Selbst wenn das Ganze an der ein oder anderen Stelle fast mal aus dem Ruder zu laufen droht, wenn zu viele krachende Momente in zu wenig Panel untergebracht werden wollen. „Dr. Strange“ bleibt stark und die Vorfreude auf die kommenden Magietrips hoch.

„Dr. Strange 3: Die letzten Tage der Magie 2“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 14,99€, 124 Seiten. Von Jason Aaron und Chris Bachalo.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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