Doctor Strange 2: Die letzten Tage der Magie 1

Die Ausrottung aller Magie geht weiter. Die Magier des Marvel-Universums sind auf der Flucht vor den hoch entwickelten Empirikul während sich der Sorcerer Supreme ihnen entgegen zu stellen gedenkt.

Ein frühes, furioses Finale?

In seinem ersten Band „Meister der Magie“ etablierte Autor Jason Aaron bereits das vorherrschende Thema von geklonten, fanatischen Wissenschaftlern, welche Universum- und Dimensionsweit alles Magische ausrotten wollen. Und obwohl hiermit erst der zweite Band vorliegt, geht Aaron bereits in die Vollen als ob er einen langjährigen Run zu Ende führen würde. Es geht scheinbar um alles; um Dr. Stranges eigenes Refugium und seine Bibliothek, um Magier die weltweit, ob in den Tiefen des südamerikanischen Dschungels oder an Chinas Großer Mauer gegen die Feinde der Zauberei ins Feld ziehen, es geht um das Konzept der Magie selbst. All das macht die Geschehnisse des Bands bereits angenehm groß, „Die letzten Tage der Magie“ fühlt sich trotz der geringen Seitenzahl fast wie ein groß angelegtes Crossover an – und das ist hier positiv zu verstehen. Und bei all dem ist dann auch noch Platz, um die Ursprünge der Empirikul zu erläutern (Kal-El lässt von DC schön grüßen) – Wow.

Dr. Strange 2 Letzte Tage - Bild für Beitrag 1

Immer in Balance

Nach seiner Arbeit an dem nicht weniger bizarren Universum des Odinsohns hätten eigentlich kaum Zweifel bleiben dürfen, dass Aaron auch mit der nicht weniger schrillen Magier-Seite Marvels keine Probleme haben sollte. Wie gut sich der Südstaatler inzwischen aber in diesen Gefilden zu bewegen weiß ist dennoch eine freudige Überraschung, denn auch krachendste Tonwechsel sind damit kein Problem. Wenn sich die verzauberten Spielgefährten eines kleinen Mädchens aufgrund der verschwindenden Magie in ihre Stofftierform zurückverwandeln, mag man das als bittersüß verbuchen. Die Selbstaufopferung die gerade einige der alten Magier-Garde aufbringen dagegen scheint harte, bittere Realität. Einzig die Soldaten der Cyborg-Armeen und ihre hochgestochenen Aussagen fallen das ein- oder andere Mal tonal aus der Reihe – zumindest in der deutschen Übersetzung.

Der FarbsturmDr. Strange 2 Letzte Tage - Cover

Die schon im vorherigen Band von Zeichner Chris Bachalo etablierte Optik bleibt dabei ein weiterer großer Baustein für die erfolgreiche Umsetzung der Geschichte. Der hochtechnologische Feind im klinischen Weiß und iPod-Design ist immer noch der perfekte Kontrast zur wirren Welt der Trickser und Magier, ihren bunten Kostümen, Masken und vor Farbe sprühenden Fähigkeiten. Wie gut diese Designentscheidung im Grundsatz ist zeigt sich weiter daran, dass auch die eingeschobenen Zwischengeschichten, die den weltweiten Kampf aller Magier zeigen und teils von ganz anderen Zeichnern umgesetzt wurden, sich dieser Dualität ebenfalls unterordnen und dadurch für einen Zusammenhalt des Bandes sorgen. Auch „Die letzten Tage der Magie“ ist weiter schrilles Farbgewitter wie ein esoterisches Plattencover aus den 60ern aber mit einer künstlerischen Idee als Unterbau, die dieses lovecraftsche Tentakelmonster zu jedem Zeitpunkt zwischen den Buchseiten zu halten weiß.

Fazit:

Wo der erste Band bereits eine ausnahmslose Leseempfehlung war, kann ich dies für Doctor Stranges zweiten Auftritt nur nochmals unterschreiben. Alles wird größer, breiter, gefährlicher und bedeutender ohne dabei an Form und Charakter einzubüßen. „Die letzten Tage der Magie: Teil 1“ wird dabei zu einem absoluten Proto-Comic, der wunderbar zu vereinen weiß, was das Superheldengenre in diesem Medium bieten kann: wahnwitzige Einfälle, fremde Dimensionen, gestochen scharfe Charaktere und Action die man nur zu gerne bestaunen möchte. Besonders für diejenigen denen der cinematische „Dr. Strange“ etwas zu lasch und gradlinig war, sollte der Doktor von Aaron und Bachalo die perfekte Arznei sein. Band 3 kann gar nicht schnell genug kommen!

„Dr. Strange 2: Die letzten Tage der Magie Teil 1“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, Autor Jason Aaron, Zeichner Chris Bachalo, 108 Seiten, 12,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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