Doctor Strange 1: Meister der Magie

Erst Donnergott, dann Magier Alltagstrott – nach „Thor“ nimmt sich Autor Jason Aaron nun den „Sorcerer Surpreme“ des Marvel-Universums zur Brust. Und der ist mehr Hausarzt für magische Wehwehchen als dimensionsreisender Weltenretter. Vorerst zumindest.

Tagsüber Hausbesuche, nachts … Kammerjäger?

dr-strange-1-bild-fuer-beitragDenn über die ersten zwei Drittel des Bandes nehmen Aaron und Zeichner Chris Bachalo den Leser „lediglich“ mit auf eine Reise durch die magische Welt hinter dem sichtbaren Universum. Das Lediglich hierbei in fetten Anführungszeichen, weil das schon so verdammt spaßig und unverbraucht ist, dass man wohl das schon über mehrere Bände genießen könnte. Stephen Strange spielt, mit viel Selbstironie bewaffnet, dann beispielsweise Kammerjäger für dimensionsreisende Zauberschnecken oder exorziert dämonische Parasiten aus Kinderträumen. Aaron hatte schon in seinen Thor-Geschichten gezeigt, dass ihm das Absurde und Sphärische liegt, zum gelungen Ton trägt hier allerdings noch der spielerische Humor bei – man könnte den interdimensionalen Horror im lovecraftschen Ausmaße schwer und beängstigend machen oder in Manier eines Grant Morrison zumindest höchst-verwirrend und interessant, aber „Dr. Strange“ geht hier mehr die Wege eines „Ghostbusters“ oder „Supernatural“ – ja, der Terror von hinter dem Horizont kann überall lauern, aber solange ausgesperrt bleiben, wie man nicht auf die Idee kommt die Kühlschranktür zu öffnen. Nebenbei betreiben diese Abenteuer spannendes World-Building, wir bekommen nicht nur die magische Welt und die Grenzen des Machbaren aufgezeigt, sondern mit „Der Bar ohne Türen“ beispielsweise auch die Kaschemme der Marvel-Magier näher gebracht.

dr_strange_coverBunt gegen Weiß

Chris Bachalos kantiger Strich passt schon zu Beginn der Geschichte sehr gut zu den absolut abstrakten Monstern, deren genaue Ausmaße oftmals gar nicht zu erahnen sein sollen. Das Fremde bleibt also angenehm unvertraut. Dazu kommt ein gelungen, drahtiges Design bei den Figuren, dass gerade den Doktor in vielen komischen Momenten die richtigen Möglichkeiten zum Ausdruck verleiht. Noch einmal einen Gang höher zu schalten weiß Bachalo allerdings mit der auftretenden Bedrohung gegen Ende des ersten Bandes. Die Gegner der Magie präsentieren sich in einem hoch artifiziellen und klinisch weißen Gewand, was nicht nur im Kontrast zur bunten Welt des Zauberdoktors für Abwechslung beim Sehvergnügen sorgt, sondern auch den thematischen Konflikt, Maschine gegen Magie, weiter betonen und damit greifbarer machen kann. Zwar ist durch die vielen Schattierungen und wenigen Linien bei den Gesichtern aus der Mimik der Charaktere oftmals nicht viel zu lesen, dies stört aber nie wirklich und fügt sich immer organisch in den restlichen Band ein.

Fazit:

„Dr. Strange – Der Preis der Magie“ ist die Essenz eines Superheldencomics, der Spaß vor alles Andere setzt, ohne dabei ins Dümmliche abzudriften oder sich selbst unter Klischees zu vergraben. Stattdessen entwerfen Aaron und Bachalo ein irre-buntes Marvel-Äquivalent zu „Alice im Wunderland“ um den Leser an der Hand durch ihre Welt zu führen, bevor sie eine klassische Bedrohung comicscher Ausmaße willkommen heißen. Trotz der Tempowechsel bleibt der stimmige Ton jederzeit erhalten – egal ob es nun um den Untergang aller magischer Wesen oder Stephen Stranges unaufgeräumte Küche geht. Ausnahmslose Empfehlung!

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„Doctor Srange 1“ erscheint bei Panini Comics im Softcover, 124 Seiten, 14,99€. Autor Jason Aaron, Zeichner Chris Bachalo und Kevin Nowlan
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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