Die Welt von The Witcher

Während das Spiel „The Witcher 3: The Wild Hunt“ Höchstwertung um Höchstwertung einfährt, beschert uns Dark Horse mit „Die Welt von The Witcher“ einen dicken Wälzer voller Artworks, Hintergrundinfos und Story-Details. Ob der Einband dabei seinem Namen „Kompendium“ gerecht wird?

Mehr als nur polnische Herr der Ringe

Das die eher kleine Serie rund um den Monsterjäger Geralt von Riva aus der Feder des polnischen Autors Andrzej Sapkowski mal so durchstarten würde, damit hatte der Autor wohl als allerletztes gerechnet. Gleichzeitig eröffnete die Vorlage dem kleinen, ebenfalls polnischen, Entwickler CD Projekt Tür und Tor zum großen Weltmarkt der Videospiele, denn mit der anderen Welt ergab sich auch ein anderes Spielerlebnis fernab klassischer West-Rollenspiele oder Asia-Erzählungen. Das größte Alleinstellungsmerkmals von Sapkowski mehrteiligem Universum ist wohl die fehlende Schwarz/Weiß-Zeichnung, wie sie in der High-Fantasy eines „Herr der Ringe“ oder „Rad der Zeit“ an der Tagesordnung sind – ja, auch in Geralts Universum gibt es Elfen, Zauberer, Zwerge und Drachen, aber da endet es wohl auch schon mit den gemeinsamen Wurzeln. Denn im „Hexer“-Zyklus sind Elfen nicht edel, Zauberer selten weise, Zwerge düstere Zeitgenossen und Drachen die noch harmlosesten Monster. In den Ballungszentren stellen politische Intrigen und räudige Halsabschneider die wohl größte Gefahr fürs Volk dar, auf dem Land dagegen hat es die Bestien der Wildnis zwar in die Vergessenheit gedrängt, sie aber dadurch mitunter noch gefährlicher werden lassen. Sapkowski ist es dabei gelungen mit pointierten Dialogen, realistisch-handelnden Figuren und dem Plündern der slawischen Folklore, eine Idee von Fantasy zu erschaffen, die sich trotz des dicht besiedelten Marktes, doch genug Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten konnte.

Um den Hunger zu stillen

Mit diesem vorliegenden Kompendium bekommen nun Spieler und Leser gleichermaßen die Möglichkeit noch tiefer in die Welt Geralts, Rittersporns und Yennefers abzutauchen. Dabei handelt es sich nicht um ein simples Artbook mit „nur“ zahlreichen und gelungenen Zeichnungen, sondern tatsächlich um eine Art kleines Handbuch zur Welt des Hexers – komplett mit Texten zur Vorgeschichte des Witcher Welt - Cover Kontinents, Abrisse zu Figuren und Monstern und sogar einer Zusammenfassung der Buchhandlung. Damit erreicht das Kompendium seine größte Leserschaft sicherlich bei begeisterten PC-Spielern, welche die virtuelle Welt geplündert haben, aber noch lange nicht genug vom Hexer-Universum haben. Wo man im Spiel sicher mal eine Cutscene verpasst oder einem ein Zusammenhang entgeht, bilden hier einige Erklärungen, angefangen zu „Beginn“ der Geschichte des Kontinentes mit der Landung der ersten Elfen, eine packende Art und Weise sich näher mit dieser Welt zu beschäftigen. Dabei kommen die verschiedenen Kapitel als nette Info-Häppchen daher, die keinen Geduldsfaden sprengen sollten und stattdessen immer genau die richtige Länge haben. Dabei holen die PC-Spieler sicher mehr aus dem Kompendium als Fans der Bücher – für Erste gibt es einen Blick über die gesamte Welt (nicht nur das Games-Universum), angefangen bei dem großen Schöpfermythos über Schauplätze und Monster bis hin zu Geralts Geschichte selbst. Leser der Reihe bekommen dagegen eher eine Zusammenfassung von dem was sie schon kennen, dafür aber eben im hochwertigen Format und mit tollen Artworks angereichert.

Fazit:

„Die Welt von The Witcher“ ist Dark Horse Antwort auf ungelöste Fan-Fragen – wer nach dem Abspann von „The Wild Hunt“ in Gedanken immer noch der Welt nachhängt, bekommt hier einen fast 200-seitigen Brocken, der nochmal Lesestoff für ein paar weitere Stunden bieten sollten. Und dank seiner qualitativen Aufmachung und mehr als ordentlichem Inhalt auch seine fast vierzig Euro Kaufpreis rechtfertigen kann. Allerdings bringt man sich mit dem Kompendium, dass auch die Handlung der Buch-Reihe ausführlich umreißt, möglicherweise selbst um ein Fantasy-Epos, dass sich kein Freund der Phantastik entgehen lassen sollte. Klar, eine Reihe mit um die sieben Bänden erfordert einiges an Zeit, aber ich will von einer Striege gefressen werden, wenn sich dieses Investment für den Fantasy-Leser von heute nicht lohnen sollte! Wer sich aber partout nicht das Sitzfleisch für die Reihe nehmen möchte, bekommt mit dem Kompendium sicherlich den idealen Mittelweg!

Und hier noch ein kleiner Vorstellungstrailer des Bandes (Panini Youtube-Kanal):

„Die Welt von The Witcher“ erscheint bei Panini Books im Hardcover, 192 Seiten, 39,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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