Die Saga von Atlas und Axis 2

Die Reisen der umtriebigen Hunde Atlas und Axis gehen weiter. Im neuen Band spricht Autor und Zeichner Pau die ganz großen Themen an, spielt mit einer historischen Referenz nach der anderen und jongliert mit zahlreichen Handlungssträngen. Was in weniger fähigen Händen ein unübersichtliches Kuddelmuddel hätte werden können, wird bei ihm zu einer stimmigen und leichtfüßig erzählten Abenteuergeschichte.

Von endlosen Reisen und mythischen Knochen

Kaum vom Kampf gegen die mörderischen Wikinger zurückgekehrt müssen Atlas und Axis schon wieder ausziehen in die große weite Welt. Auf der To-Do Liste steht dieses Mal die Suche nach dem geheimnisvollen Volk der Tarsen, die weit entfernt in der Tundra Sabikistans leben sollen. Sie seien das fehlende Bindeglied zwischen Wolf und Hund, das den Streit zwischen Evolutionstheoretikern und religiösen Gläubigen entscheiden soll. Zudem ist Atlas‘ große Liebe Mika verschwunden. Als die beiden Freunde herausfinden wollen, was aus der schönen Hündin geworden ist, stoßen sie auf einen Hinweis zur Existenz des mythischen Knochens von Khimera. Wer ihn findet, so die Legende, muss nie wieder Hunger leiden. Sie vermuten dass sie, wenn sie sich auf die Suche nach Khimera machen, auch Mika finden werden. Doch als sie der Spur folgen merken sie bald, dass dieses Abenteuer ihr letztes sein könnte.

The Fast and Curious, Weird and Furious

Der zweite Band ist sogar noch rasanter als sein bereits temporeicher Vorgänger, doch Autor Pau schafft es die vielen Handlungsstränge unter einen Hut zu bringen. Anstelle eines großen Abenteuers werden hier in der Hauptsache viele kleinere Geschichten erzählt. Diese werden abgeschlossen bevor zum nächsten Handlungselement fortgeschritten wird, so dass der Handlungsverlauf immer klar nachvollziehbar bleibt. Dies hat zudem den schönen Effekt, dass Band 2 fast wie eine kleine Sammlung interessanter, recht lose zusammenhängender Kurzgeschichten wirkt. Durch diesen Abwechslungsreichtum ist immer für Kurzweil gesorgt. Doch es gibt auch größere Handlungsbögen, die Zusammenhalt schaffen und verhindern, dass die Story allzu sehr in ihre Einzelteile zerfasert. Diese durchgehenden Storylines treten zwar gelegentlich in den Hintergrund, werden aber immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. So bleibt das Interesse am Fortlauf der Geschichte durchgehend erhalten. Das Finale schließlich kitzelt mit einem fiesen Cliffhanger die Nerven und macht Lust auf mehr. Pau erweist sich, mehr noch als im Vorgängerband, als Meister des Spannungsbogens und hat sich zum raffinierten Erzähler entwickelt, dem man gerne bis ans Ende der Reise folgt. Wo diese hinführt ist absolut niemals vorhersehbar. Dafür ist die Geschichte einfach viel zu schräg mit ihren eigenwilligen Referenzen zur Geschichte (Dschingis Khan, Darwinismus, religiöser Fundamentalismus und Kreuzritterzüge in einer kruden, humorvollen Mischung mit explodierenden Schafen und schwitzenden Mammuts – einfach fantastisch). Immer werden eigene Wege gegangen und Erwartungen aufs schönste enttäuscht. Chapeau!

Bonbonbunt und bitterböse

Auch visuell muss sich der spanische Comic nicht verstecken. Atemberaubende Landschaftspanoramen machen die Reisen der hündischen Helden zum Schwelgen in immer wechselnden Bilderwelten. Auch der Humor wird souverän über die Bildebene vermittelt. Pau legt eine entspannte Professionalität an den Tag in seiner Doppelrolle als Autor und Zeichner. Die Bilder sind sehr bunt, wirken jedoch nie überladen. Pau erweist sich als Wanderer auf dem schmalen Grat zwischen Leichtigkeit und Überfrachtung von Eindrücken. Es imponiert, dass dieser Balanceakt, ebenso wie es bei der vielseitigen Handlung der Fall war, durchgehend gelingt. Denn die Farben, die er verwendet können zwar knallig bis zur bonbonhaftigkeit sein, doch sie werden harmonisch eingesetzt im Wechsel mit Bildern in denen zartere, pastellige Lichtstimmungen dominieren. Durch die Farbgebung wird eine spielerische, harmlose und sichere Atmosphäre erzeugt die im schockierenden Kontrast zu der oft grausamen Welt steht, in der Atlas und Axis leben. Unbedarft stolpert man so über existenzielle Fragen, die zum Nachdenken anregen ohne gewollt pädagogisch zu wirken.

Fazit:

Die Saga von Atlas & Axis – Buch 2 ist unkonventionell, spannend und auch visuell ein voller Genuss. Kompromisslos folgt Autor Pau seinem Näschen für’s Schräge und überzeugt durch seine ungewöhnliche Mischung aus kindlicher Begeisterung für temporeiche Abenteuer und heftigster Gewalt, die moralische Fragen aufwirft. Wer mit dem ersten Teil etwas anfangen konnte wird vom Nachfolger begeistert sein – und jeder mit Vorliebe für Schrulligkeiten wird sich glatt wie zu Hause fühlen.

zur Leseprobe
„Die Saga von Atlas und Axis: Band 2“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 80 Seiten, 15,95€, geschrieben und gezeichnet von Pau.

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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