Die Saga von Atlas & Axis: Buch 1

Der spanische Autor und Zeichner Pau hat mit „Die Saga von Atlas und Axis“ nach langem Kampf mit Verlegern und der ewigen Geldnot sein Leidenschaftsprojekt realisiert. Herausgekommen ist ein kompromisslos unkonventioneller und überraschend bizarrer Comic über zwei Hunde, die, motiviert durch ihren unstillbaren Rachedurst, auf eine gefährliche Odyssee aufbrechen.

Die Gefahr aus dem kalten Norden oder: Wie man sich nicht davon abhalten lässt, seinen Erzfeinden den Pelz abzuziehen

Als das Dorf der Hunde Atlas und Axis von Nordmännern überfallen wird, töten diese jeden, der ihnen im Weg steht. Nur einige Hündinnen atlasaxis-1-bild-fuer-beitrag-1und Welpen lassen sie am Leben und verschleppen sie. Atlas und Axis schwören Rache und hoffen, Atlas‘ Schwester Erika noch retten zu können. Doch die weißen Hunde und Wölfe aus dem Norden sind ein Mysterium. Zwar sind sie bekannt für ihre schnellen und gnadenlosen Attacken, aber es weiß kaum jemand, wo sie zu finden sind. Die beiden verzweifelten Heimatlosen müssen sich also auf gut Glück gen Norden schlagen. Auf ihrem Weg machen sie sich neue Feinde, schließen Freundschaften, verlieren einander und erleben viele Abenteuer. Doch wie sollen sie die grausamen Kämpfer besiegen, wenn sie die verhassten Nordmänner endlich gefunden haben? Wen werden sie noch retten können?

Das mit der kindlichen Unschuld hat sich also auch erledigt…

atlasaxis-1-cover„Die Saga von Atlas und Axis“ spielt erzählerisch mit einem originellen Wechsel zwischen kindlichem Humor und ernsten, oft gewaltsamen Elementen. So erleiden die Helden herbe Verluste, wie zu Anfang die Auslöschung ihres Heimatdorf und des Großteils seiner Einwohner – dennoch verbindet Autor Pau dieses tragische Ereignis mit Witzen über einen großen, fremden Kothaufen. Auch die Zeichnungen erinnern vom Stil her an ein Kinderbuch. So sind die Helden Hunde, die ihre Welt mit Füchsen, Bären und Wölfen teilen. Wenn Atlas und Axis rennen, verschwinden die Beine in einem schnellen Wirbel, wie man ihn aus dem familienfreundlichen Klassiker Asterix und Obelix kennt. Werden sie überrascht, erscheint ein großes „?!“ in der Sprechblase, verlieben sie sich, schwirren Herzen um ihren Kopf – und wenn sie jeden, der ihnen teuer war an eine raubende Mörderbande verlieren, weinen sie im großen Bogen eine Fontäne aus Tränen. An diesen makaberen, aber cleveren Wechsel der Erzählmodi muss man sich zwar erst gewöhnen, doch Mut und Können beweist der Autor damit allemal. Wer sich auf den einzigartigen Stil des Comics einlässt, wird mit einem ungewöhnlichen Comicerlebnis belohnt, wie es selten geboten wird.

Mit Vorsicht zu genießen, aber originell in Form und Inhalt

Dagegen macht sich die erzählte Geschichte auf den ersten Blick sehr klassisch aus. Die Helden müssen eine Rettungsaktion starten, die Heimat verlassen und auf ihrem Weg viele Abenteuer bestehen. Da jedoch die Grausamkeit bereits frühzeitig Einzug nimmt in die Handlung, werden viele Gewissheiten, auf die man sich beim Lesen von Abenteuergeschichten verlassen kann, ausgehebelt und in Frage gestellt. Anders als bei vielen anderen Werken ist es eben nicht selbstredend, dass alle „Guten“ überleben, die Rettung von Erfolg gekrönt sein wird und vielleicht doch eine Chance besteht, dass Totgeglaubte noch am Leben sind und im geeigneten Moment wieder zurückkehren. So bleibt die Geschichte durchgehend spannend und bietet immer wieder Neues. Denn es ist nie sicher, ob sich ein Problem auf lustige, leichtfüßige Art löst oder ob die Situation ins Extrem eskaliert.

Fazit:

„Die Saga von Atlas und Axis“ riskiert mutig, Fans des harmlosen Abenteuerspaßes zu verprellen – und Eltern, die gutgläubig zur Geschichte mit den süßen, menschenähnlichen Hunden für ihre Kinder greifen, in arge Erklärungsnot zu bringen. Dieser ungewöhnliche Comic wird nicht jedermanns Sache sein, ist aber besonders für Freunde des schwarzen Humors zu empfehlen.

zur Leseprobe

„Die Saga von Atlas & Axis – Buch 1“ erscheint bei Toonfish im Hardcover, 80 Seiten, 15,95€, Autor und Zeichner: Pau

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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