Die Saga der Zwerge 5: Tiss vom Schild

Das Ende der Zwergensaga, aber auch das Ende der Zwerge?

„Du hast mein Schwert. Und meinen Bogen. Und meinen … Schild?“

Tiss hat es als Tochter eines ehrfürchtigen Zwergen-Hauptmanns schwerer als gedacht, denn die Ansprüche des Vaters an die eigene Familie sind hoch, die Anzahl an Schicksalsschlägen noch höher. Und so steht Tiss schon bald ohne Mutter da, dafür aber mit einem der Trunksucht verfallenem Vater und einem verkrüppelten Bruder. Es liegt also an ihr sich der Armee der Zwerge, dem „Schild“ anzuschließen, doch die Mitgliedschaft beim Militär scheint bei Zwerginnen genauso ungern gesehen wie wohl höchstens noch Bartwuchs. Damit ist es an Tiss sich ganz Besonders zu beweisen und alle Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen. Denn vor den Toren braut sich bereits ein Plünderzug des Erzfeinds zusammen, die gierigen Grünhäute …

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Auf den letzten Reisetagen, wenig Neues zu berichten

Mit dem fünften Band geht vorerst auch die ganze Zwergen-Saga zu Ende, nach Untergangs- oder Abschlussstimmung fühlt sich der Comic aber sicherlich nie an. Auch die letzte, eigenständige Geschichte „Tiss vom Schild“ ist ein in sich geschlossenes Abenteuer,saga-der-zwerge-5-rezi welches völlig für sich alleinstehend genossen werden kann. Wer bis jetzt dabei geblieben ist bekommt mehr vom Gewohnten und dürfte auch hier wieder vergnügliche 56 Seiten verbringen. Das World-Building, Figuren-Untereinander und Schlachtgetümmel hält sich erneut stimmig die Waage, die Zeichnungen, diesmal von Nicolas Demare, machen ebenfalls Spaß. Das größere Kompliment wäre an dieser Stelle sogar noch dem Umstand zu machen, dass obwohl über alle fünf Zwergenbände der Zeichenstift immer wieder weiter gereicht wurde, alle Bände einem absolut einheitlichen Stil folgen. Respekt! Die Geschichte um Tiss, die sich als Zwergin und saga-der-zwerge-5-bild-fuer-beitrag-2Kriegerin beweisen will und muss folgt dabei einer absolut graden Linie, die wenig falsch macht und auch nie langweilt, gleichzeitig aber absolut nichts Neues bietet – Wer Disneys „Mulan“ gesehen hat, bekommt hier das Gleiche, lediglich nochmal in zwergisch. Ein wirkliches Spielen mit anderen Konzepten findet sich vielleicht noch in der verlassenen Zwergenfeste und ihrem Geheimnis wieder. Nicht zu viel erwarten, der gestandene Fantasy-Konsument dürfte auch von den Schuldigen hier schon des Öfteren gehört haben, dennoch zeigt Autor Nicolas Jarry hier etwas Willen über den Tellerrand hinaus zu schauen. Auch die Ork-Plünderer bleiben bis zu einem fast schon unfreiwillig komischen Level eindimensional – was auf den letzten Seiten zu einem, nennen wir es „moralisch interessanten“, Finale führt. Ohne zu viel zu verraten: Wer mit der Geschichte durch ist, kann gerne mal eine Minute über die Guten und Bösen sinnieren – in diesem fünften Zwergenband und im Vergleich dazu bspw. James Camerons „Avatar“.

Fazit:

Auch der letzte Band aus den Zwergen-Minen hat seine Momente für Glanz und Pracht – das wären vor allem die makellose Präsentation des Reichs von Gimlis Vettern. Da sich Nicolas Jarry außerdem bewährter Erzähl-Konzepte, diesmal eben der „Frau will ihren Mann stehen“-Story, bedient, macht auch „Tiss vom Schild“ nur wenig falsch, dass man dem Band oder weiter gefasst der ganzen Serie zum Vorwurf machen könnte. Hier ist auch in fünfter Inkarnation die Verpackung der absolut perfekte Indikator dafür was drin ist – wer Lust auf High-Fantasy mit Zwergen und Burgen hat, wird nicht enttäuscht. Wer allerdings, auch nur durchs kleinste Schlüsselloch, weiter Ausschau nach Frische und Innovation beim Kosmos der Bartträger sucht, der wird auch in diesem abschließenden Band sicherlich nicht die erhoffte Überraschung erleben.

zur Leseprobe

„Die Saga der Zwerge 5: Tiss vom Schild“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 56 Seiten, 14,80€, Autor Nicolas Jarry und Zeichner Nicolas Demare

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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