Die Saga der Zwerge 1: Redwin von der Schmiede

Neues Jahr, neue Serien aus dem Hause Splitter – Mit „Redwin von der Schmiede“ startet der Verlag eine neue Zwergen-Saga, anknüpfend an den Erfolg der schon 10-Bändigen „Elfen“-Reihe. Doch wie macht sich der noch junge Schmiedelehrling im Vergleich zum langohrigen, großen Bruder?

Wie der Vater, so nicht der Sohn

Redwin hat sein beschauliches Leben satt und das mit gerade einmal vierzehn Jahren auf dem Zwergenbuckel! Sein Vater Ulrog, ehemals groß angesehener Schmiedemeister, lebt ein gemütliches Leben als Huf- und Dorfschmied und weigert sich, allem Betteln seines Sohnes zum Trotz, diesen in die Geheimnisse des Runenschmiedens einzuweihen. Das ist für den ungestümen Hitzkopf Redwin wie ein Schlag ins Gesicht, hat er es sich doch zur Aufgabe gemacht nicht in seines Vaters Schmiede zu versauern sondern eines Tages ein Herr der Runen zu werden, ein hochangesehener Krieger für die Zwergenkönige selbst, um endlich jenen Ruhm einfordern zu können, der ihm seiner Aussage nach zustehen sollte. So verschlägt es Redwin in die Weiten des Zwergenreiches um einen anderen Lehrmeister zu finden, der ihn zu seinem Ziel führen kann, sollte es den jungen Zwerg auch Familie, Freunde und seinen letzten Funken Verstand kosten.

Ferne Cousins?

Zwerge 1 - Bild 1Auch wenn man es bei dem Namen vermuten könnte, hat Redwins Geschichte absolut nichts mit dem deutschen Fantasy-Bestseller „Die Zwerge“ von Markus Heitz gemeinsam. Stattdessen soll dieser erste Band eine Einführung in einen neuen Zyklus von Alben im Hause Splitter werden, wie auch schon „Die Elfen“ in verschiedenen Bänden, verschiedene Schicksale beleuchtete. Daher müssen Autor Nicolas Jarry („Der tönerne Thron“) und „Mjöllnir“-Zeichner Pierre –Denis Goux nicht nur ihre eigene Geschichte rund um Redwins Reise erzählen, sondern auch fleißig Weltenbau betreiben. Klar, jeder Leser geht mit einer gewissen Grunderwartung an eine Serie wie diese heran und größtenteils machen sich die Beiden den Fantasy-Fundus des Zwergen-Topos bestens zu Nutze, aber nichtsdestotrotz gibt es eigene Konzepte, Schauplätze und Ideen einzuführen. Dabei bewegen sie sich nie zu weit von alt-bekanntem, Zwerge sind kriegerisch und gierig, aber auch Meister im Umgang mit dem Schmiedehammer oder eben auf Ehre und Respekt aus. Gepaart mit der eher bekannten Geschichte um einen Protagonisten der seinen Zielen so sehr verfällt, dass nichts mehr in der Lage scheint ihn aus seiner Misere zu befreien, wirkt „Redwin von der Schmiede“ fast schon wie ein Zwergen-Best-Of. Dabei profitiert das Album besonders von Goux Liebe zum Detail wenn es daran geht die Schwerter, Äxte und Rüstungen der Zwerge aufs Papier zu bringen. Goux scheint fast so viel Spaß beim Zeichnen von runenverzierten Utensilien zu haben, wie der Protagonist versessen darauf ist, das perfekte Schwert zu schmieden. Dazu gesellt sich eine ausdrucksstarke Mimik sowie eine gelungene Farbgebung, wie bspw. die in Rot gehaltene „Hitze des Gefechts“ – optisch darf der Einstieg in die Zwergensaga also als sehr gelungen gesehen werden.

Ein Zwerg vieler Worte, aber weniger Gespräche

Protagonist Redwin gibt sich den Band über seinen drei Lieblingsbeschäftigungen kämpfen, schmieden und brüten mit größter Zuneigung Die Zwerge 1 - Coverhin, daher ist es keine Überraschung, dass der erste Band sehr monologlastig ausfällt. Ähnlich wie in einem „Conan“-Band bekommen wir Kampfszenen häufig mit Textboxen garniert, aber auch die eigene Entwicklung Redwins, die eigentlich gar nicht so uninteressant wäre, wird zu dicken Stücken über seitenweise Monologe an den Leser gebracht. Wie sooft bei dieser Erzählweise raubt das der Geschichte gelegentlich ordentlich Tempo. Die großen Charaktermomente sind dadurch weniger der große Gefühlsausbruch der sie sein sollten sondern mehr selbstbemitleidendes Jammern – aber als geradlinige Reise des Protagonisten funktioniert „Redwin von der Schmiede“ dennoch. Es wäre lediglich lobenswert gewesen, wenn mehr Stationen und Entwicklungen dieser Reise in pfiffige Worte verpackt worden wären. Das Autor Nicolas Jarry dazu in er Lage ist lässt er ab und an selbst durchscheinen. Denn wenn Redwins Vater ihm erklärt warum er keine Waffen mehr schmieden möchte, da Kunst sich über das Leben ausdrücke und Waffen diese Kunst nur „ersticken“, ist das äußert gelungen. Nur eben etwas zu selten im Laufe des Bandes anzutreffen.

Fazit:

„Redwin von der Schmiede“ erfindet den Kriegshammer nicht neu, liefert aber treuen Splitter-Jüngern einen gelungenen Start ins neue Comic-Jahr und (hoffentlich) einen Ausgangspunkt für spannende Ausflüge ins Zwergenland. Genretypisch ist der Comic mehr straighte Fantasy-Geschichte als innovative Bildererzählung. Allerdings können Pierre-Denis Goux atmosphärische Zeichnungen die Defizite in Sachen Tempo und Spannung gut ausgleichen. Wer die „Elfen“ mochte, sollte auch an den Stumpelbeinen Gefallen finden!

zur Leseprobe

„Die Saga der Zwerge 1 – Redwin von der Schmiede“ erschienen bei Splitter im Hardcover, 56 Seiten, 14,80€, Autor Nicolas Jarry, Zeichner Pierre-Denis Goux
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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