Die Maske des Fudo 1: Nebel

Endlich wird’s wieder fernöstlich! Mit „Die Maske des Fudo“ schleicht sich mal wieder etwas japanische Mystik, Kirschblütenoptik und Katana-Geschwinge ins Splitter-Programm. Aber kann der Titel einem Blick hinter die Maske standhalten?

Einsteigen zur Japan Rundreise

Im mittelalterlichen Japan der Daimyos und Shinobis wächst der junge Shinnosuke als Geächteter abseits von Recht und Gesetz auf. Er gehört zur Kaste der Hinin, der „Nicht-Menschen“; Schlachter, Totengräber, Kanalreiniger, all diese „Unreinen“ genießen in der japanischen Ständegesellschaft das niedrigste Ansehen überhaupt. Freuden sind rar gesät und so ist Shinnosuke besonders erstaunt als er in einer alten Ruine eine Oni-Maske entdeckt. Das aus der Anonymität hinter der Maske resultierende Selbstvertrauen weiß er dabei sogleich einzusetzen, als sich der junge Sohn eines Adligen über seine Schwester Mimiko herzumachen versucht. Doch mit einem Hieb auf die Nase ist die Sache natürlich nicht getan. Der Adelssohn flieht und schwört herauszufinden wer hinter der Maske steckt um Rache an ihm und seiner Familie zu üben.

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Alles auf einen Blick

„Die Maske des Fudo“ ist einer dieser Comics, die schon auf der ersten Seite unverständlich klar zu machen scheinen, was der Leser zu erwarten hat. Das erste Panel ist bereits ein absoluter Augenschmaus, der die Stimmung für den weiteren Band vorwegzunehmen weiß. In Doppelfunktion als Autor und Zeichner setzt der Italiener Saverio Tenuta hier sofort die richtigen Akzente, seine Bilder schreien „Japan“ aus allen Mündern. Dabei orientiert sich die Grundoptik eher an einem gesättigten Grauton, in diesem lässt Tenuta aber farbliche Akzente hervorstechen – ob ein wohlig oranger Sonnenuntergang am Strand oder eine bluttriefende Fischschlachterei am Fluss. Auch beim Figurendesign landen die Zeichnungen den perfekten Fang, Gesichter und Trachten erinnernmaske-des-fudo-1-bild-fuer-beitrag-1 so stark sie können an die Jidai-Geki des japanischen Kinos. Atmosphärisch könnte „Die Maske des Fudo“ wohl kaum näher am feudalen Japan liegen, Fans der Buchreihe „Der Clan der Otori“ dürften hier wohlig an diese zurückdenken können.

Gute Seiten, schlechte Seiten

Dieser aussagekräftige Ersteindruck ist allerdings ein absolut zweischneidiges Schwert. Denn wo die Zeichnungen einen in die Welt zu saugen wissen, scheint Tenuta nicht daran interessiert auf Dialogseite viel dagegen zu tun, dass der Leser hier gleich wieder vertrieben wird. Die ersten Panels sind voll mit ungelenker Exposition, Figuren erklären Sachverhalte statt tatsächlich miteinander zu reden, Protagonist und Antagonist sind Abziehbilder und Klischees, fernab davon irgendwie interessant zu sein. Der gesamte Plot des ersten Bandes ist dabei äußerst belanglos, Shinnosuke ist der strahlende Auserwählte, der keine Fehler zu haben scheint, während die Bösen auf der Gegenseite natürlich nicht einfach nur gierig oder eingebildet sein können; beim Besuch in Badehäusern muss darauf hingewiesen werden, dass er seine Mädchen möglichst jung mag. Und Adelssohn Mokai kommt natürlich auf seiner Einführungsseite auch nicht ohne eine angedrohte Vergewaltigung aus. Das wäre an und für sich „nur“ mal wieder ein Beispiel dafür, wie oft (und schlecht) diese Tropes inzwischen zur Charakterisierung eingesetzt werden, machen abseits davon aber auch der Grundprämisse der Geschichte so manches Problem. „Die Maske des Fudo“ scheint sich nicht entscheiden zu können zwischen historisch angehauchtem Abenteuer-Comic und Heldenfantasie. Der niedrige Stand der Hinin und das Geschehen rund um den Shogun wird mühsam etabliert, nur um dann zu Gunsten der „Aufstiegsgeschichte“ Shinnosukes aus dem Fenster geschmissen zu werden: Wenn dieser auf einem Felsen sitzend darüber sinniert einem Dojo maske-des-fudo-1-coverbeitreten zu wollen, wie unsereins vielleicht einer Karate-Schule, hat das wenig von historischem Flair und viel von Teenie-Comic und Powerfantasy. Was an sich nicht verkehrt wäre, die Probleme sich für einen Erzählton tatsächlich zu entscheiden aber schon. Dadurch funktioniert „Die Maske des Fudo“ gerade dann am besten, wenn er weder noch sein will und nur den Alltag seiner Figuren beleuchtet. Sei es bei dem durchaus gelungenem, wenn auch naiven, Miteinander zwischen Shinnosuke und seiner Schwester oder bei einem Blick auf die Lebensumstände der Hinin.

Fazit:

Saverio Tenutas „Die Maske des Fudo“ ist mal wieder einer dieser Comics die optisch so viel zu bieten haben, wie sie erzählerisch wieder verspielen. Zeichnungen, die den Japanophilen vor Freude seufzen lassen, finden leider nie zu einer Synthese mit dem unausgegorenen Erzähl-Ton. Damit erinnert der Band an Tenutas „Scharlachrote Wolken“-Kosmos, wo mich der Ableger „Izunas“ aus ähnlichen Gründen nicht überzeugen konnte. Sicher, wer die Geschichte um „kleiner Junge will die große Welt bereisen“ nach dem x-ten Mal immer noch nicht satt hat kann bei Interesse für Epoche und Setting mal reinschauen, dem langjährigen Comic-Leser dürfte aber sicherlich die Frische fehlen. Vielleicht weiß der zweite Band hier plottechnisch ja noch Besserung zu liefern.

zur Leseprobe

„Die Maske des Fudo 1: Nebel“ erscheint bei Splitter im Hardcover, 48 Seiten, 14,80€. Autor und Zeichner Saverio Tenuta.

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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