Die Expedition 2: Der Aufstand Niangaras

Historisches Abenteuer bei Panini? Mit der Serie „Die Expedition“ rund um römische Legionäre und fremde Länder wildert der Superheldenverlag fleißig im Splitter-Territorium. Ob diese Expedition ein Erfolg wird?

Einstieg in der Mitte vom Kanu

Den ersten Band simpel übersprungen, wollte ich mir dennoch einen Eindruck der Serie machen und mein Vertrauensvorschuss wurde tatsächlich belohnt: Mit dem zweiten Band „Der Aufstand Niangaras“ lässt sich das Legionärs-Abenteuer in den tiefen Afrikas problemlos beginnen, dafür sorgen ausreichend einleitende Panels, die noch einmal einen groben Überblick verleihen. Generell traben Story und Figuren trotz Dschungelgestrüpps im steten Tempo voran und so ändert sich die Situation für Anführer Marcus Livius und seine Mannen auch schnell zum Schlechteren. Dazu trägt ebenfalls bei, dass sich die Legionäre in dem fremden Land auch untereinander immer mehr misstrauen; die einen finden, dass ihr Oberster dem Fremdenführer Dubaku zu viel Vertrauen schenkt, gleichzeitig scheint ihr Kamerad Tiberius immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen. Dadurch wirkt „Die Expedition“ nicht von ungefähr wie eine comicsche Mischung aus „Apocalypto“, „Das Herz der Finsternis“ und einer Prise Voodoo, verdaubar gemacht durch das fixe Erzähltempo und ausreichend eingestreuter Action.

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Für wen, für wen nicht?

Der Comic sollte daher genau die Leser abzuholen wissen, die sich für die Prämisse interessieren: Eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Fremdenlegion, verirrt in einem völlig unbekannten Land. Dieser Widerspruch macht oftmals den größten Reiz aus, seien es die für sowohl Leser wie Legionärs Augen fremden Rituale, Schauplätze und der stetige Drive tiefer in den schwarzen Kontinent hinein. Allerdings soll an gleicher Stelle allzu große Euphorie gebremst werden – ich versprach mir von Klappentext, Aufmachung und Idee sehr viel, wahrscheinlich sogar zu viel. Aber selbst wenn ich mein hohes Interesse solcher Schauplätze, abseits vom bekannten alten Rom und europäischen Mittelalter, etwas zügele, bleibt die römische Expedition „nur“ guter Durchschnitt. Die Geschichte ist beispielsweise von einem sich ähnlich verkaufenden „Manifest Destiny“ viel zu weit entfernt, dafür fehlt es an Charakter, Ton und auch etwas Biss. Autor Richard Marazano („Absolute Zero“) nimmt sich dafür einfach zu wenig Zeit. Wenn Marcus und Co. später in der Versklavung fest sitzen bekommt man bspw. nur wenig das Gefühl für Raum, Qualen und Härte, welche die Soldaten in diesen Wochen befällt. Und auch die tolle Idee des von dem Exotischen verführten Kameraden Tiberius hat auf diese Weise nur Luft fürs halbe Abtauchen – eben noch zwar gestresster, aber funktionstüchtiger Soldat, ein Ereignis später aber schon schamanischer Priester, der jede „Römerlichkeit“ verloren zu haben scheint. Hier hätten ein paar mehr Panels dazwischen sicher gut getan.

Wenig bunt aber rund
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Der allerdings insgesamt gut funktionierende Spannungsbogen der Geschichte wird von Marcelo Frusins Zeichnungen super gestützt, wo Figuren und Erzählung manchmal nicht ausreichen. Zwar ist das Afrika Frusins meist eher düster drückend und sandig gelb statt wild und exotisch, dafür aber immer stimmig – und voll mit zeichnerischer Spitzen, die dem Band einigen Charme verleihen. Sei es eine aus dem Dschungel hervorschleichende Bande von eingeborenen Sklavenjägern oder der Einzug eines Trupps geisterhafter Kultanhänger: In diesen Momenten macht Frusin das Fremde und Unterlegenheitsgefühl der römischen Invasoren absolut greifbar. Generell scheint der Zeichner immer dann am besten, wenn er sich an Kostümen und Outfits des Kontinents zu schaffen machen kann. Besonders schade also, wenn der Band nur wenig Raum dafür bietet, sitzen die Legionäre doch lange Zeit in einer leblos, langweiligen Staubwüste fest.

Fazit:

Mit „Die Expedition“ hat sich Panini nicht die schlechteste Reihe gesucht, um auch den Historien-Fans unter den Lesern, neben Superman und Co., etwas zu bieten. Dafür sorgen zum großen Teil die gut gesetzten Höhepunkte bei den Zeichnungen und das interessante Grundsetting. Allerdings sollte man hier bei der Vorfreude auch deutliche Abstriche machen, dunkler und interessanter bleibt sicher „Manifest Destiny“. Und wer „nur“ ein pfiffiges Römer-Abenteuer erleben will, kann auch mal im Weissblech Verlag vorbeischauen, wo es mit „Die Geister der toten Legion!“ im Horrorschocker#30 eine tolle Antik-Achterbahn mit den Asterix Lieblingsfeinden gibt. Wer sich von der Tagline „Römer in Afrika“ aber weiter angefixt fühlt und schon das historische Sortiment Splitters rauf und runter gelesen hat, kann der Expedition eine Chance geben.

zur Leseprobe

Die Expedition 2: Der Aufstand Niangaras“ erscheint bei Panini Comics im Hardcover, 60 Seiten, 14,99€ von Richard Marazano und Marcelo Frusin
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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