Die Einladung
Wenn nachts das Telefon klingelt und ein Freund um Hilfe bittet wird die Freundschaft auf die Probe gestellt. Nachdenklich stimmender Comic über Freundschaft und Verantwortung.
Ungewöhnlicher Weckruf
Mitten in der Nacht wird Rafael von einem Anruf geweckt. Sein Freund Leo hat eine Autopanne und benötigt Hilfe. Widerwillig bricht Rafael auf. An dem Ort, an dem Leo feststeckt erwartet ihn eine Überraschung. Die Nacht tritt eine Lawine von Ereignissen los, die die Freundschaft der Beiden auf eine harte Probe stellt.
Theaterstück als Comic
Die Idee zu dieser Geschichte kam Thierry Terrasson, besser bekannt unter seinem Pseudonym Jim, bei einer realen Autopanne. Seine Suche nach Hilfe erwies sich als schwierig, pflanzte aber eine interessante Idee im Hirn des französischen Autors. Bis zur Umsetzung als Comic sollte noch einige Zeit vergehen. In einem Internetforum der Comicreihe Yiu diskutierte er mit den Nutzern über seine Idee und so nahm die Erzählung immer mehr Gestalt an. Zu dieser Zeit plante Jim seine Erzählung als Theaterstück. Trotzdem gab er den Entwurf seinem Comicverleger. Dieser leitete den Text an Mermoux weiter. Der Zeichner fertigte einige Entwürfe an. Davon war Jim so begeistert, dass er sich entschied Die Einladung als Graphic Novel zu realisieren.
Ruhige Charakterstudie
Dass Die Einladung als Theaterstück konzipiert wurde merkt man nicht nur daran, dass die einzelnen Kapitel als Akt bezeichnet werden. Auch vom narrativen Aufbau her wird schnell klar, dass Jim für die Bühne geschrieben hat. So kommt die Handlung mit relativ wenigen Schauplätzen aus. Die Handlung ist dialoggetrieben und verzichtet auf jegliche Action. Einzig die Figuren tragen die Geschichte und der interessante Ansatz wird mit einem hohen Identifikationspotenzial vermittelt. Durch die Natürlichkeit der Personen wird man unweigerlich in den Bann gezogen und reflektiert die Handlung auf den eigenen Freundeskreis. “Wer würde mir helfen und wen würde ich überhaupt anrufen?” sind dabei nur die Anfangsfragen. Schnell wird der Begriff der Freundschaft im Zeitalter des Social Media, in dem neue Freunde oft nur einen Klick weit entfernt sind, neu definiert. Doch nicht nur den Freunden wird ein Spiegel vorgehalten, auch vor einer kritischen Selbstanalyse kann sich der Leser nicht verstecken. Gehört man eher ins Lager des gemütlichen Rafael, der sesshaft geworden ist oder ähnelt man eher Leo, der jeder Party nachzujagen scheint?
Sympathische Knubbelnasen
Das Artwork von Dominique Mermoux ist etwas gewöhnungsbedürftig. Seine kantigen Figuren haben ein recht einfach strukturiertes Gesicht, sodass ihre Mimik wenig über das Gefühlsleben aussagt. Dies ist bei einem solch gefühlsbetonten Werk etwas schwierig. Aber Mermoux gelingt es die notwendigen Emotionen durch Körpersprache zu vermitteln und es scheint als würde sich auch der Künstler beim Theater orientieren. Denn so manche Geste wirkt etwas überzogen. Trotzdem trägt auch das Artwork zur Geschichte bei und macht aus dieser Graphic Novel ein gelungenes Werk. Dies liegt vor allem an den stimmigen Farben und den einfach gehaltenen Hintergründen, die den Fokus unweigerlich auf den Dialog lenken. Die Figuren sind realistisch gestaltet und repräsentieren mit ihrer Kleidung eine ganze Generation. Jeder Charakter, der in Die Einladung auftaucht, könnte einem auch in der Straßenbahn begegnen. Dies erhöht das Identifikationspotenzial ungemein.
Fazit
Eine ruhige Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Wenn man sich auf die Konsequenzen einlässt und das Experiment im Kopf für den eigenen Freundeskreis durchspielt, kann es erschreckend ernüchtern. Somit ist dieses Buch eine Charakterstudie, die den Leser im besten Fall zum Handeln anregt und im schlechtesten Fall einfach unterhält.
Die Einladung von Jim (alias Téhy) und Dominique Mermoux mit 160 Seiten im Hardcover erscheint im Splitter-Verlag. Preis: 22,80 Euro.



