Devolution

In dieser pulpigen Dystopie kehren Rick Remender und Jonathan Wayshak die Evolution um und entführen den Leser in eine Zukunft, in der nur die Starken überleben und die Urinstinkte das Handeln bestimmen.

Eine Impfung gegen Religion

Weil die Menschheit zusehends vor die Hunde geht, haben Wissenschaftler den Wirkstoff DVO-8 entwickelt. Der Wirkstoff soll den Teil des Gehirns schrumpfen lassen, der für den Glauben an Gott zuständig ist. Denn in einem sind sich die Wissenschaftler einig: die Religionen sind für die unzähligen Kriege verantwortlich und treiben die Menschheit an, sich gegenseitig zu vernichten. Doch der Wirkstoff hat eine fatale Nebenwirkung. Die Evolution wird umgekehrt und ein Großteil der Menschheit wird in die Steinzeit zurückversetzt. Eine der letzten Menschen ist Raja. Sie durchstreift das Land auf der Suche nach einem Gegenmittel. Dabei ist sie auf die Hilfe einer Gruppe weiterer Überlebender angewiesen. Doch der widerliche Anführer dieser Gruppe hat wenig Interesse daran, die Menschheit zu retten.

Sex, Gewalt und Endzeitstimmung

Diesmal siedelt Rick Remender seine Geschichte im knallbunten, überzogen brutalen und überaus rasantem Pulp-Genre an. Anhänger dieser Spielart der Trivialliteratur kommen bei Devolution voll auf ihre Kosten. Remender schöpft aus den Vollen und präsentiert neben riesigen Urzeitbestien viel nackte Haut und blutige Splatterszenen. Dass Remender ein Faible für den drohenden Weltuntergang besitzt, hat er bereits mit Low gezeigt. Doch während Low vor allem den unerschöpflichen Optimismus der Hauptfigur in den Fokus rückt, will der Autor diesmal vor allem Spaß haben. Dabei zieht er alle Register, die Genrefans erfreuen dürften. Ähnlich wie bei The Walking Dead ist auch bei Devolution nicht die lebensbedrohliche Umwelt die größte Gefahr sondern die skrupellosen Menschen. Mit Gil hat Remender einen wirklich verabscheuungswürdigen Antagonisten entworfen. Sein Charakter und sein Handeln fordern dem Leser einiges ab. Angefangen vom Hakenkreuz-Tattoo über Sex-Sklavinnen bis hin zu Kastration ist Gil unausstehlich. Hier braucht man als Leser ein ähnlich dickes Fell wie der Neandertaler, um das Scheusal zu ertragen.

Prachtvolle Szenen im Breitbildformat

Die urzeitliche Welt, die Jonathan Wayshak auf dem Papier entstehen lässt, überzeugt durch zahlreiche Details. Dem Künstler ist jederzeit bewusst, dass die Darstellung der riesigen Viecher Platz benötigt und die nimmt sich der Zeichner, wann immer sie von Nöten ist. So gibt es viele Doppelseiten-Panels, in denen die Action stattfindet und einige kleinere, die während der Dialoge zum Einsatz kommen. Bei der Darstellung der Gewalt setzt Wayshak auf detailreiche Gore-Einlagen. Jeder Treffer wird mit üppigen Blutfontänen angezeigt. Abgetrennte Körperteile sind keine Seltenheit. Doch damit bedient der Künstler genau die Zielgruppe, denn wer seine Freude an B-Movies wie Sharktopus oder Piranha von Alexandre Aja hat, bekommt mit Devolution eine unterhaltsame Comiclektüre, ganz nach seinem Gusto. Ein umfangreiches Making-Of verdeutlicht, welche Arbeitsschritte nötig sind, um von einer Skript-Seite zu einer kompletten Comicseite zu kommen.

Fazit

Devolution ist sicherlich kein massentauglicher Comic, aber Liebhaber des Genres bekommen mit Remenders Endzeit-Szenario ein derbes Kleinod auf dem ansonsten so glatt polierten politisch korrekten Comicmarkt.

zur Leseprobe
Devolution von Rick Remender und Jonathan Wayshak ist im Splitter Verlag als Hardcover erschienen. Preis: 24,80€ Umfang: 160 Seiten

 

Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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