Descender 1

Jeff Lemire entführt den Leser in eine faszinierende Zukunft, in der die Menschen gnadenlose Jagd auf alle Roboter machen.

Nach dem Robocaust

Die Menschheit hat das Weltall erobert. Das Leben ist sorglos und alle unangenehmen Arbeiten werden von Robotern erledigt. Die künstlichen Intelligenzen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Kindliche Roboter der Tim-Serie ersetzen sogar menschliche Spielgefährten für den Nachwuchs.Descender_1_Robocaust Doch plötzlich tauchen riesige Maschinen an allen neun bewohnten Planeten auf. Als sie gemeinsam angreifen, stürzen sie die Welt ins Chaos. Fortan haben die Überlebenden Angst vor allen Maschinen. Die Roboter wurden zusammengetrieben und verschrottet. Jahre später machen Wissenschaftler eine verblüffende Entdeckung. Der Code der Killermaschinen passt zu dem Code, der den künstlichen Intelligenzen das Leben einhauchte. Als die Wissenschaftler das Signal einer alten Tim-Einheit entdecken, von der man sich neue Erkenntnisse über die brutalen Angreifer erhofft, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Einsam im Weltraum

Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch viele Comics von Jeff Lemire. Egal, ob man sich Gus aus Sweet Tooth, John Griffen aus The Nobody oder die Lebeuf Brüder aus dem zweiten Teil der Essex County Trilogie anschaut, eins haben die Figuren trotz der offensichtlichen Unterschiede, gemeinsam: sie kämpfen mit irgendeiner Form der Einsamkeit. Die Einsamkeit ist auch in Lemires neuer Science-Fiction-Serie Descender ein zentraler Bestandteil. Der Roboter-Junge Tim-21 ist der letzte seiner Art und leidet darunter. Um ihn herum platziert der kanadische Autor ein großes Ensemble an Figuren, die die durchaus vielversprechende Welt lebendig werden lassen. Lemires Weltraumoper geizt dabei nicht mit überraschenden Wendungen und interessanten Ideen, die zum Nachdenken anregen. Am Ende des Bandes wird deutlich, dass der Leser mit diesen sechs US-Heften erst sehr wenig aus der Descenderwelt entdeckt hat. Eine kurze Übersicht über die neun Planeten und Descender_Coverihre Bewohner macht wirklich Lust auf mehr. Es scheint als hätte Lemire einen unendlichen Fundus an faszinierenden Ideen. Es bleibt abzuwarten, ob der Autor das Versprochene hält, aber dieser Auftakt stimmt wohlgemut.

Aus Gotham City direkt ins Weltall

Der Zeichner dieser interstellaren Odyssee sollte den Lesern, die hin und wieder in einem Comic aus dem Batman-Kosmos schmökern, nicht unbekannt sein. Dustin Nguyen hat schon an einigen DC Comics mitgewirkt. Sein unverwechselbarer Stil erzeugt von der ersten Seite an eine stimmige Atmosphäre. Der Künstler blendet zwar die unendliche Weite des Weltalls fast komplett aus. Dadurch kommen die filigranen Figuren jedoch viel besser zur Geltung. Dank der aquarellartigen Kolorierung entsteht eine warme, geradezu heimelige Atmosphäre, die der Künstler immer wieder durch drastische Bilder aufreißt. Dieser stetige Wechsel passt gut zum Spannungsbogen des Autors. Insgesamt entwickelt die Geschichte eine regelrechte Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.

Fazit

Lemires Lieblingsthema macht auch im Weltraum eine gute Figur. Der Comic lebt von seinen Figuren und überzeugt durch die raffinierte Handlung. Eine echte Perle, die so manche Science-Fiction-Sammlung veredeln könnte.

zur Leseprobe
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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