Der Zauberer von Oz

In den USA kennt wohl jedes Kind (und jeder, der mal Kind war) die Geschichte der kleinen Dorothy, die es durch einen Wirbelsturm ins magische Land Oz verschlägt. Zitate und Bilder der Geschichte haben sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben und schafften es sogar in die größten Blockbuster, wie etwa die Avengers (mit einem Spruch, den sogar Captain America verstand). Dabei stammt vieles, was man mit Oz verbindet, wie zum Beispiel die rubinroten Schuhe, gar nicht aus dem Buch, sondern aus den zahlreichen Verfilmungen. Zeit also, das Original kennen zu lernen. Marvel biete nun die Gelegenheit, Dorothys Geschichte auf eine sehr charmante Art zu verfolgen – mit einer Graphic Novel, adaptiert von Eric Shanower, mit Zeichnungen von Skottie Young, die bei uns im Panini Verlag erschienen ist.

Nicht mehr in Kansas

„Der Zauberer von Oz“ ist natürlich die Geschichte der kleinen Dorothy, die es ins magische Land Oz verschlägt und die gleich bei ihrer Landung eine böse Hexe tötet. Gut, eigentlich übernimmt ihr Haus diese Aufgabe, aber für die Munchkins hat sie damit den Ruf als Heldin weg. Dabei will das kleine Mädchen nur zusammen mit ihrem Hund Toto nach Hause. Helfen soll ihr der Zauberer von Oz, der in der Smaragdstadt residiert. Also macht sich Dorothy über eine Straße aus gelben Ziegeln auf den Weg. Unterwegs sammelt sie eine lebende Vogelscheuche, einen holzfällenden Blechmann und einen ängstlichen Löwen ein und freundet sich mit ihnen an. Am Ende wird sie Oz auch noch von der zweiten bösen Hexe befreien, ihren Freunden zur Herrschaft in ihren eigenen Reichen verhelfen und den Weg zurück nach Hause finden.

Ein Abenteuer für Jung und Alt?

„Der Zauberer von Oz“ ist eines jener Kinderbücher, das von seiner fantasievollen Welt und seiner wilden Energie lebt. Eine Geschichte, die im Original durchaus ihre grausamen, etwas gruseligen Stellen hat – ähnlich wie Alice im Wunderland oder moderner Neil Gaimans „Coraline“. Dies alles in einem Comic einzufangen ist keine leichte Aufgabe. Aber Skottie Young meistert sie mit Bravour. Der Zeichner, der in letzter Zeit vor allem durch seine „Marvel Babies“ bekannt ist, schafft es, eine niedliche, phantastische Welt zu schaffen – und doch sind seine Zeichnungen auch frech und zeigen die etwas dunkel, unheimliche Seite des zauberhaften Oz.

Gerade damit dürfte er sowohl das Bedürfnis von Kindern befriedigen, ihrer Geschichte auch eine visuelle Komponente zu verleihen, als auch älteren Lesern ein amüsantes Schmökern zu gestatten.

Ähnliches gilt für die Sprache. Sie ist einfach und kann so auch von Kindern verstanden werden, wirkt aber gleichzeitig an einigen Stellen wie aus einer anderen Zeit (was die Geschichte ja auch ist). Das mag man komisch, drollig oder nur etwas skurril finden – aber es passt zur Atmosphäre der Handlung und besonders zu Dorothy.

So schaffen es Shanower und Young über das Medium Comic einen Klassiker so zu präsentieren, dass man ihn immer wieder gerne in die Hand nimmt und vielleicht sogar mal zum Roman greift, um einige Szenen zu vergleichen.

Fazit

Die Geschichte hat einige Jahre auf dem Buckel, heute würde man sie wohl anders erzählen (wie viele moderne Adaptionen beweisen) – angestaubt ist „Der Zauberer von Oz“ deswegen nicht. Zumal wenn man die Geschichte so gut umsetzen kann, wie Eric Shanower und Skottie Young. Da wundert es nicht, dass bei Marvel bereits das nächste Buch aus dem Lande Oz adaptiert wird. Wenn es ähnlich gut gelingt, dürfte es nicht das letzte Werk bleiben, schließlich war L. Frank Baum ein umtriebiger Schriftsteller, der viele Geschichten aus Oz erzählte. Höchste Zeit also, zumindest sein Hauptwerk kennen zu lernen.

Zur Leseprobe

Der Zauberer von Oz von Eric Shanower und Skottie Young mit 2012 Seiten im Hardcover erscheint bei Panini Comics. Preis: 24,95 Euro.

Jean Fischer

Author: Jean Fischer

nachtaktive Berliner Comicleserin

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