Der Unterwasser-Schweißer

Die Werke von Jeff Lemire sind in der deutschen Verlagslandschaft weit gestreut. Neben Panini Comics, Splitter Verlag und der Edition 52 veröffentlicht nun auch der auf maritime Themen spezialisierte Hinstorff Verlag eine Geschichte des Kanadiers.

Auf Tauchstation

Jack arbeitet als Unterwasserschweißer auf einer Ölplattform. In der Tiefe des Ozeans kann er vor der Welt fliehen. Denn oberhalb der tosenden See stehen einige Veränderungen an. Seine Frau erwartet ein Kind und diese Tatsache verunsichert Jack ungemein und er flüchtet sich in die Stille des Meeres. Hier macht Jack eine mysteriöse Entdeckung, die ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit ans Licht bringt und sein Leben verändert.

Willkommen in der Twilight Zone

Jeff Lemire ist bekannt dafür, dass er Geschichten über Einsamkeit schreibt. Dabei ist es egal, ob seine Geschichten im Weltraum, im Marvel-Universum oder einem entvölkerten Amerika spielen. Lemires Figuren beschäftigen sich mit dem Alleinsein. Hier macht auch Jack keine Ausnahme, denn immer wenn er in die Tiefe abtaucht, ist er umgeben von dunkler Finsternis und einer absoluten Stille. Hier geht er seiner Beschäftigung nach und entflieht der großen Verantwortung, die das noch ungeborene Kind mit sich bringt. Dabei liegt das eigentliche Problem eher in der Vergangenheit und der Beziehung zwischen Jack und seinem Vater. Während der Unterwasser-Schweißer als realistisches Familiendrama beginnt, lässt der Autor nach und nach fantastische Elemente einfließen, die zum einen die Einsamkeit der Hauptfigur auf die Spitze treiben und zum anderen den Leser zweifeln lässt. Diese Elemente erinnern an Mysteryserien wie „Twilight Zone“ oder „Outer Limits“. Hier bietet Lemire viel Interpretationsspielraum, mit dem er sein Publikum zum Denken einlädt.

Von der schnellen Skizze bis zum detailverliebten Kunstwerk

Jeff Lemire fungiert nicht nur als Autor, er zeichnet die Geschichte auch selbst. Überwiegend sind die Bilder von seiner krakeligen Strichführung geprägt, die man bereits bei The Nobody sehen konnte. Doch in einigen wenigen Bildern überrascht Lemire mit einer großen Anzahl an Details und filigranen Linien, die zu einem Kunstwerk verschmelzen und das Auge des Betrachters zum Verweilen einladen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch einige Bilder, die nicht über eine schnelle Skizzierung hinausgehen und nicht mal stimmige Proportionen aufweisen. Vor allem Suse, die hochschwangere Frau passt selten ins Bild. Ihr Babybauch wirkt oft aufgesetzt oder nachträglich hinzugefügt. Lemires unstrukturierte Darstellungen passen jedoch hervorragend zu den Unterwassersequenzen und verwandeln selbst den tauchenden Jack in eine geradezu monströse Kreatur. Der Künstler lässt es sich auch nicht nehmen eine kleine Hommage an Gus, die Hauptfigur aus Sweet Tooth in diesem Werk zu verstecken. Eine nette augenzwinkernde Spielerei für seine Fans. Insgesamt hat der Unterwasser-Schweißer sicherlich ein unbequemes Erscheinungsbild, welches dem Leser eine gewisse Aufmerksamkeit abverlangt, ihn dafür aber auch mit einer vielschichtigen und spannenden Geschichte belohnt.

Fazit

Eine packende Geschichte über die Angst vor Verantwortung und die Flucht in die eigene Vergangenheit.

zur Leseprobe
Der Unterwasser-Schweißer von Jeff Lemire ist im Hinstorff Verlag erschienen. Preis 18,99€ Umfang 224 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*