Der Krieg der Welten 1

Dobbs Comicadaption von Der Krieg der Welten besticht durch Dramatik und ein atemloses Erzähltempo. Der Sci-Fi Klassiker von H.G. Wells wird als fulminantes Actionspektakel mitreißend neu erzählt.

Das Ende des Empires

Frieden herrscht in der britischen Stadt Ottershaw. Das Empire ist auf dem Zenit seiner Macht, die Armee schlagkräftig, der wissenschaftliche Fortschritt sichert die Zukunft. Doch eine Katastrophe bricht über die ahnungslosen Bürger herein. Meteoriten vom Mars schlagen auf die Erde, einer von ihnen direkt bei Ottershaw. Mit sich bringen die Himmelskörper außerirdisches Leben: Marsianer, deren einziges Ziel es ist, die Erde mit all ihren Lebewesen zu vernichten. Durch ihre überlegene Waffentechnologie ist es ihnen ein leichtes, die Armee unfähig zu machen und große Teile der Bevölkerung auszulöschen. Mit dem Mut der Verzweiflung versucht ein junger Astronom dem Chaos Herr zu werden. Zu retten, wen er kann, Widerstand zu leisten, wo möglich und, nicht zuletzt, seine schwangere Ehefrau in Sicherheit zu bringen. Doch ist die Vernichtung der Erde noch abzuwenden?

Bombast, Zerstörungswut und ein Held ohne Namen

Die Neuadaption von Der Krieg der Welten setzt auf Bombast. Hier geht es um das große Ganze, das Schicksal einer Nation, ja eines ganzen Planeten. Dies verdeutlicht Autor Dobbs schon dadurch, dass er dem Helden keinen Namen verleiht. Auf eine Psychologisierung der Charaktere wird ohnehin verzichtet. Stellvertretend stehen sie für das kollektive Leid, das die Erdenbewohner erfahren. Für die Hilflosigkeit und die Einsicht, dass alle Errungenschaften des Fortschritts und der Überlegenheit nur Schall und Rauch, nichtige Illusionen sind im Angesicht der fremden Mächte. Fallen mangelnde Charakterisierung der Hauptfiguren sonst unangenehm auf, sind sie hier Teil einer Strategie, die aufgeht. Denn so wird dem Leser das volle Ausmaß der Zerstörung näher gebracht und die große Dimension des Grauens verdeutlicht. Dadurch wird der Comic zu einem emotional mitreißenden Erlebnis, fühlt sich an wie ein Höllenritt in die eigene Vernichtung, auf die mit atemlosem Tempo zugesteuert wird. Die subversive Kritik, die im Original noch an den Allmachtsfantasien des britischen Empires geübt wurden, geht so völlig unter. Das passt jedoch zu Dobbs Interpretation des Klassikers, der bar jeglicher satirischer Ambitionen zum emotionalen Spektakel wird. Als solches kann Der Krieg der Welten voll überzeugen.

Eindrucksvolle Endzeitästhetik, die das Rad nicht neu erfindet – und dies auch nicht muss

Auch zeichnerisch wird nicht auf leise Töne gesetzt. Der Leser schwelgt in dramatischen Bildern, denn der gut aussehende Held kämpft sich durch Flammen und Inferno. Die Strichführung von Zeichner Vicente Cifuentes ist stark und dynamisch. Gerade die Darstellung von Rauch und Feuer gelingen ihm hervorragend. Plastisch entstehen dicke Rauchsäulen, die in den Himmel ragen als Boten des Untergangs. Auch ominöse, tentakelhafte Schwaden, die sich schlangenhaft um Mensch und Maschine winden, schinden Eindruck. Zudem werden Mimik und Gestik ausdrucksstark in Szene gesetzt. Die wachsende Verzweiflung und der Verlust der Orientierung im allgegenwärtigen Chaos sind dem Helden zunehmend ins Gesicht geschrieben. Beim Design der Vernichtungswaffen der Aliens mangelt es dagegen an eigenen Ideen. Der Turm der Marsianer, der sich aus dem Einschlagkrater erhebt, könnte genauso gut in Isengard oder Mordor stehen und das Design der dreibeinigen Zerstörungsmaschinen hat man so auch schon in der Matrix-Reihe gesehen. Immerhin, die Vorbilder sind gut gewählt. Bedrohlich wirkt die Alien-Technologie allemal.

Fazit

Krieg der Welten reißt mit, unterhält und ist beeindruckend kurzweilig. Wer beim Schlagwort „Aliens“ die Lauscher aufsperrt und auf Action bis zum Balken-Biegen hofft, wird hier voll und ganz bedient. Nach einem solchen Auftakt darf Band 2 gerne kommen.   

zur Leseprobe
„Krieg der Welten 1“ erscheint im Splitter Verlag im Hardcover, 56 Seiten, 15,80€. Von Vicente Cifuentes und Dobbs.

 

M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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