Deathstroke 2: Mit stählernen Fäusen

Deathstroke scheint seine Grenzen austesten zu wollen: Denn nach skrupellosen Diktatoren und alten Erzfeinden im Erstlingsband legt er sich nun mit den wohl zwei größten Helden aus dem Hause DC an.

Deathstroke vs Batman und Superman?

Nicht wirklich, nein. Das wäre wohl sogar DCs liebstem Anti-Helden zu viel es mit beiden Schwergewichten auf einmal aufzunehmen. Stattdessen trägt sich sein Konflikt mit dem Mann aus Stahl und der Fledermaus über mehrere Kapitel. Denn erst setzt Slade Damian „Robin“ Wayne fest, um Batmans Hilfe zu erpressen und erst in einem weiteren Abenteuer findet sich der Söldner an Bord eines riesigen Frachtschiffes der rotblauen Heldenikone gegenüber. Autor Christopher Priest hat das Geschehen hier nochmal deutlich besser in der Hand, er weiß beiden Seiten in diesen Konflikten ihre Momente zu geben. Denn natürlich kann ein Deathstroke einen Superman nicht besiegen, genauso wenig hat er leichtes Spiel gegen den weltbesten Detektiv. Ein simpler Werbe-Aufhänger für Cover und Klappentext sind diese Begegnungen aber nicht, stattdessen geht Priest voll in die entstehenden Zwischenräume – so muss er z.B. nicht mal Robin zum hilflosen Opfer degradieren, der von der großen Fledermaus heldenhaft gegen die runtertickende Uhr gerettet werden muss. Bei all dem ist außerdem noch genug Raum, um die Geschichten der anderen Figuren wie Rose „Ravager“ Wilson oder Dr. Ikon weiterzuerzählen. Für einen Comic um einen waffen- und schwertschwingenden Söldner bleibt Priests Comic also weiter sehr Charakterfokussiert, „Deathstroke 2“ ist dadurch aber auch weiter einer der wohl einsteigerunfreundlichsten Comics auf dem Markt. Wer den ersten Band verpasst hat, dürfte hier nur Bahnhof verstehen und auch bereits im besagten Vorgängerband war Hintergrundwissen zur Figur mehr als hilfreich. Immerhin etabliert Priest aber weiter fleißig auch neue, ambivalente Charaktere wie den „Red Lion“, die für zukünftige Geschichten interessant sein sollten.

Frischer, aufgeweckter

Wo es Band 1 noch etwas an zeichnerischen Höhepunkten mangelte, kann auch die Optik von den zwei großen Gastauftritten profitieren, denn natürlich bringt ein Superman die Möglichkeit zu ganz anderen Setpieces mit als ein Gegeneinander zwischen Slade und anderem Söldnereinerlei, so interessant dieses auch geschrieben sein möge. Bei der farblichen Gestaltung ist auch noch mehr Abwechslung drin, der Konflikt mit Batman gerät natürlich düsterer, gleichzeitig bringt das Auserzählen der Kapitel rund um den alten Kameraden und nun „Superhelden“ Dr. Ikon ein aufpeppendes Grün in die Bilder, dass auch aus einem Green Lantern-Comic stammen könnte. Die beiden Zeichner Joe Bennett und Carlo Pagulayan halten dabei einen so einheitlichen Stil, eine so einheitliche Stimmung, dass man den Wechsel am Zeichentisch als Leser fast nicht bemerkt. In dieser Form darf es also sehr gerne weitergehen, gerade wenn es Deathstroke im dritten Band einmal zu (noch) größeren Schauplätzen verschlagen sollte.

Fazit:

„Mit stählernen Fäusten“ fühlt sich an wie eine kleine Rast, die trotz einem Tritt auf der Stelle keine Langeweile aufkommen lassen möchte. Obwohl sich die große Storyline für den weiterhin absolut nicht schwarz-weiß gepolten „Helden“ Slade Wilson mehr in Tippelschritten bewegt, sollen die geladenen Gäste Bats und Supes trotzdem für ein unterhaltsames Lesevergnügen sorgen. Das funktioniert dank Priests Händchen für gelungene Zwischentöne und die dazu gewonnene, optische Vielfalt auch ziemlich gut. Das finale Urteil aber, wie gut sich der gnadenlose Söldner in seiner Solo-Serie letztendlich macht ist damit aber noch einmal kurz aufgeschoben.

„Deathstroke 2: Mit stählernen Fäusten“ erscheint bei Panini Comics im Softcover. Von Christopher Priest, Joe Bennett, Larry Hama und Carlo Pagulayan. 12,99€, 100 Seiten.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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