Deathstroke 1: Der Profi

Slade Wilson alias „Deathstroke“ war sicher nie die liebenswerteste Figur des DC-Universums – mal Söldner, mal Anti-Held, aber nie auf der richtigen Seite des Gesetzes. In seinem Rebirth-Auftritt präsentiert sich Slade Wilson nun wirklich als „the greatest mercenary alive“.

Jenseits von Afrika

Das Zusammenfassen der Handlung gestaltet sich dabei eher schwierig, „Deathstroke – Der Profi“ springt eher von Auftrag zu Auftrag, re-etabliert alte Nebencharaktere für neue Leser und beleuchtet gleichzeitig die Vergangenheit des Titelhelden, pardon, Titelschurken. Dazu ist das Ganze auch noch nicht-linear erzählt, Autor Christopher Priest („Black Panther“) schachtelt dagegen ordentlich. Grob zusammengefasst aber: Slade Wilson findet seinen entführten Freund und Mentor Bill Wintergreen in einer Höhle im Herzen Afrikas wieder. Zu Gunsten dieser Information musste er nicht nur mit einem lokalen Barbaren und Warlord geschäftlich ins Bett steigen, sondern sich auch anderweitig verschulden und neue Feinde machen. Frisch in Freiheit versucht Wintergreen zusammen mit Slade seinen Entführer ausfindig zu machen, die Spur führt dabei zu ehemaligen Verbündeten der Beiden. Nach und nach klappern die Zwei die Liste ihrer Vergangenheit ab und dann kommt auch noch Slades Tochter „Ravager“ ins Spiel – gefolgt von einer Auseinandersetzung mit dem dunklen Rächer und seinem eigenen Sidekick.

Leon, der Profi – Von hinten nach vorne

Wie erwähnt, Priest hat viel zu erzählen, sehr viel und sein Vorhaben ist absolut beachtlich. „Deathstroke“ ist überraschend wenig an moralischen Grauzonen interessiert und feiert seine Hauptfigur lieber als den berechnenden Killer der sie ist, ein paar nette Hinweise auf Gnade gegenüber einfachem Soldaten-Fußvolk ändern daran auch wenig. Das ist erfrischend und actionreich genug um das Interesse über den Band zu tragen. Priest bombardiert dabei seine Story aber selbst mit der äußerst verschachtelten Erzählweise. Denn als neue Nummer 1 und Teil des Rebirth-Neustarts sollen ja auch neue Leser abgeholt werden. Priest sieht Deathstrokes interessante Vergangenheit und bspw. das Verhältnis zu seiner eigenen Familie nicht als zu schleppenden Ballast, was aber nicht verhindert, dass dieser Anker bei Verständnisfragen durchaus auszubremsen weiß. Zwischen Rückblenden und Seitwärts-Einschüben kann da schnell mal die Übersicht flöten gehen, was denn nun genau auf was folgt, die einzelnen Episoden für sich stehend funktionieren aber problemlos. Dennoch, der Neueinsteiger der blind zugreifen will, wegen der „1“ auf dem Cover sollte vorgewarnt sein.

Nicht das schlechteste Vorbild

Bei seiner Präsentation reißt „Der Profi“ insgesamt vielleicht keine Bäume aus, dafür wissen die beiden Philippinen Carlo Pagulayan und Jason Paz ihre Fähigkeiten aber genre-gerecht anzuwenden. Layout- und Panelgestaltung erinnern in den besten Momenten an das „Captain America“ eines Steve Epting ohne aber dessen Detailfülle und Atmosphäre erreichen zu können. Nichts desto trotz fühlt sich der Band dadurch stets sehr Jason Bournig an – die Lesegeschwindigkeit bleibt dank der vielen Tempo- und Schauplatzwechsel hoch, ohne unübersichtlich zu werden, Verständnisschwierigkeiten entwickeln sich wie oben erwähnt, wenn aus Priests prallend vollen Skript und nie durch unübersichtliche Panels. Insgesamt aber fehlt Deathstrokes Erstauftritt aber ein paar Knallmomente, obwohl die Entwicklungen zum Ende immerhin auf diese im kommenden Band zu vertrösten scheinen. Bis dahin bleiben aber wohl wenige Momente und Einstellungen wirklich in des Lesers Bewusstsein als DER Moment, wo sie sich vielleicht in diese neue Nummer 1 verlieben konnten.

Fazit:

„Deathstroke – Der Profi“ ist eine effektive, wenn auch nicht perfekte Nummer 1. Dafür möchte Priest in zu wenigen Seiten etwas zu viel erzählen und dem Artwork mangelt es an den großen Schauwerten. Was wir aber bekommen ist toll verschachtelte, ambivalente Söldner-Action, die sich wenig um gut und böse schert und dank netter Aussichten für die Zukunft auch bei einem zweiten Band noch interessant genug sein dürfte. Da dürfte sich dann auch endgültig zeigen, wie weit sich Slade Wilson als Serie zu tragen und seine eigene Nische auszuhöhlen weiß.

zur Leseprobe
„Deathstroke 1: Der Profi“ erscheint bei Panini im Softcover, 116 Seiten, 12,99€. Von Christopher Priest, Carlo Pagulayan, Jason Paz und Joe Bennett

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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