Deadpool Pulp
Wie der Titel bereits suggeriert erwartet uns in Deadpool Pulp eine gänzlich andere und außerhalb des regulären Marvel Universum angesiedelte Geschichte. Aber nicht nur die Story ist anders, auch die Zeichnungen heben sich vom Alltagsbrei ab. Aber rutscht der Titel dafür in die klassischen Pulp Klischees und verirrt sich darin?
Pulp was?
Wie auch in der Einleitung zum Comic, sollte man zumindest in groben Zügen wissen, was es mit der Pulp-Sache auf sich hat. In der ersten Hälfte des vergangen Jahrhunderst waren die so genannten Pulp-Magazine sehr beliebt und enthielten Geschichten aus allen Literaturbereichen. Die Magazine halfen Schriftstellern wie zum Beispiel H.P.Lovecraft Fuß zu fassen. Trotz ihrer Beliebtheit wurden die Pulp-Titel als Schund oder billige bzw. minderwertige Literatur abgetan – oft berechtigterweise, aber nicht immer. Was den Pulp-Look angeht, so waren meisten leichtbekleidete Damen in Not auf dem Cover zu sehen, so wie ein Held der zu Hilfe eilt. Klassische Agententhriller waren ebenfalls ein gern gewähltes Szenario für die Pulp-Magazine und genau diese greift auch der Deadpool Band von Adam Glass auf.
Der CIA ist eine atomare Kofferbombe abhanden gekommen und es gibt nur einen Agenten, der gut und verrückt genug ist, um diesen Auftrag anzunehmen. Leider muss Wade Wilson, Codename Deadpool, zuerst einen psychologischen Test über sich ergehen lassen, worüber die Stimmen in seinem Kopf nicht gerade erfreut sind. Dennoch qualifiziert sich Wade für den Auftrag und schlittert in eine Verschwörung, die alles zu bieten hat, was man von einem Thriller erwarten kann. Dabei wird auch Wades Herkunft und die Wahl seines Kostüms neu definiert. Außerdem trifft er auf eine alte Bekannte, die nicht auf der selben Seite wie Wade kämpft. Ist Deadpool fähig “Nein” zu einer Frau zu sagen und seinen Auftrag zu erfüllen? Und was hat es mit Cable auf sich?
Wie in der Einleitung erwähnt ist diese Deadpool Story gänzlich anders. Wade hat keine Selbstheilungskräfte und ist (leider) nicht ganz so durchgeknallt wie in seinen anderen Comics. Vielmehr versucht Adam Glass einen spannenden Agententhriller zu kreieren, was ihm über weite Strecken auch gelingt. Zusätzlich gibt es viele Rückblenden in Wades Vergangheit die zeigen, wie aus einem normalen Soldaten ein schizophrener Killer wurde. Leider gelingt es nicht den Origin-Part und die Hauptstory ordentlich zusammenspielen zu lassen. Zu viele Zeitsrpünge unterbrechen die einzelnen Storybögen, wodurch die Spannung auf der Strecke bleibt. Hier wäre es von Vorteil gewesen, das Ganze in zwei separate Geschichten zu verpacken. Natürlich ist es üblich, die Entstehung eines Charakters in Form von Rückblenden aus der Hauptstory heraus zu erzählen, doch leider schadet es in diesem Fall der Atmosphäre und dem Spannungsbogen. Trotzdem sind die Geschichten über Wades Vergangeheit, die in der Entstehung Deadpools enden sehr gelungen und interessant. Vor allem heben sie sich von den bekannten Ausführungen ab.
Keine Witze von Wade
Deadpool Pulp ist um Welten realistischer angelegt als die bekannten Abenteuer unseres Söldners mit der großen Klappe. Allein schon die Tatsache, dass die Heilungskräfte fehlen, lassen die Geschichte plausibler erscheinen. Leider wurde aber auch Wades Humor massiv reduziert und all das worüber Fans bisher lachen konnten, sucht man vergeblich in Deadpool Pulp. Was die Zeichnungen, ebenso wie die Kolorierung, angeht, so bewegt sich der Band im Gewand klassischer Pulp-Magazine. Die Kolorierung beschränkt sich auf vier Farben und lassen den Band im Look längst vergangener Tage erscheinen. Auch die Zeichnungen, welche zum Teil sehr dreckig wirken passen perfekt in das Gesamtkonzept des Bandes.
Fazit
Wer eine klassische Deadpool Story erwartet ist hier deifinitiv falsch. Der Band hebt sich, wie schon erwähnt, deutlich von den anderen Storys um Wade Wilson ab. Leider graben sich die Origin Storyline und die Hauptgeschichte gegenseitig die Spannung ab. Dennoch ist Deadpool Pulp ein interessanter Band, der auch Fans von Wade Wilson gut unterhalten wird. Wer auf den Stil des Pulp-Genres steht, aber noch keine Berührungspunkte mit dem Söldner mit der großen Klappe hatte, kann, dank der guten Erklärungen getrost zugreifen.
Deadpool Pulp von M. Benson und A. Glass mit 100 Seiten im Softcover erscheint bei Panini Comics. Preis: 14,95 Euro





[...] Heftserie erscheinen in regelmäßigen Abständen auch diverse Sonderbände. Experimente wie Deadpool Pulp und Deadpool Max sind bereits bei Panini Comics erschienen, welche mich persönlich eher entäuscht [...]