Das Rad der Zeit

Mit „Das Rad der Zeit“ erschuf Robert Jordan eine der meistverkauften Fantasyserien aller Zeiten. Comic Urgestein Chuck Dixon und Chase Conley haben nun mit „Die Suche nach dem Auge der Welt“ den Beginn der Saga ins Comicsche übersetzt und man darf gespannt sein, ob dieser Versuch gelungen ist.

Auch die längste Saga beginnt mit einem ersten Schritt

Die drei Freunde Rand, Perrin und Mat, aufgewachsen in dem Landstrich zwei Flüsse, leben das harte, aber ereignislose Leben unschuldiger Bauernjungen. Bis auf die Neuigkeiten fahrender Händler und Gaukler, sowie das jährliche Bel Tine Fest passiert in ihrer Heimat nur selten etwas aufregendes. Die letzten Tage stehen allerdings unter keinem guten Stern, begegnen die Jungs auf ihren Streifzügen doch einer dunklen Gestalt zu Pferde, die außer den Dreien niemand anders zu bemerken scheint und auch die Raben, im Volksglauben Späher des Bösen, zeigen ein auffälliges Verhalten. Und dann sind da noch die beiden Neuankömmlinge im Dorf, eine in teure Gewänder gehüllte Frau namens Moiraine und ihr grimmiger Beschützer Lan, der niemals von ihrer Seite weicht. Und wie soll es anders sein, kurz darauf scheinen sich all die üblen Vorzeichen zu bestätigen, als Rand und sein Vater auf dem heimischen Hof unerwarteten Besuch bekommen …

Souveräne Zeichnungen mit toller Beleuchtung

Wie bewegt man sich als Zeichner in einem Gebiet, dass durch etliche Vorlagen aus Film und TV aber auch Artworks von Kollegen bereits fest abgesteckt scheint? Chase Conley wählt einen ziemlich direkten Ansatz und versucht seine Zeichnungen von Bauerndörfern und einfachem Landvolk in einer mittelalterlichen Welt, gar nicht erst aus der Masse herauszuheben. So dauert es auch seine Zeit, bis man die Charakteristika jeder Figur begriffen hat und muss bis dahin vielleicht das ein oder andere Mal zurückblättern, um sich zu versichern, um welche Figur es sich doch gleich handelt. So sehen sich sowohl Rands Schwarm Egwene, als auch die Seherin des Dorfes und die fremde Moiraine alle drei sehr ähnlich, was mehr Aufmerksamkeit als nötig verlangt. Dafür bestechen Conleys Zeichnungen durch herrlich dreckige Bauernhöfe und schiefe Gesichter. Das Dorfvolk und die fahrenden Rumtreiber sehen eben genau so aus, wie man es von einer Geschichte angesiedelt im Mittelalter erwarten würde und sind weit von auf Hochglanz polierte Perfektion entfernt. Beim Design der Trollocs, den Handlangern des Bösen, verhebt sich Conley allerdings, diese sehen mit ihren Tierköpfen eher mitleid- als furchterregend aus und können die Gefahr, die in ihren Überfällen steckt, nicht zum Leser transportieren. Ein Lob geht an dieser Stelle noch an die Kolorierung von Nicolas Chapuis, der Freiburger überzeugt mit einer treffsicheren Farbgebung. Panels die starke Lichtquellen wie zum Beispiel ein Feuer beinhalten, können sich dabei ganz besonders gut sehen lassen.

Ein Ring … ähh Rad sie zu knechten

Die erste Ausgabe der „Rad der Zeit“-Comicumsetzung lässt sich mit der kurzen Inhaltsangabe zu Beginn ziemlich gut zusammenfassen und genau daran werden sich auch die Geister bzw. Leser scheiden. „Das Rad der Zeit“ ist High-Fantasy mit ganzem Herzen, das heißt: Das Böse ist immer schwarz, das Gute naiv und unschuldig, es wimmelt von Legenden über fehlerlose Helden und es ist wohl an einem Bauernsohn, die Reinkarnation irgendeiner alten Kraft, das nahende Unheil abzuwenden. Diese Stereotypen sind längst bekannt und müssen vom Leser auch so akzeptiert werden, mit all den Nachteilen die das mit sich führt. Gespräche zwischen den Charakteren sind langweilig und Überraschungsarm, Neues wird nicht geboten. Auch an den dramaturgischen Aufbau darf man hier keine hohen Erwartungen stellen, wer „Der Herr der Ringe“ oder ein x-beliebiges Rollenspiel auf dem Super Nintendo gespielt hat, weiß genau was den Protagonisten und dem Leser ins Haus steht. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich absolut kein Fan der High-Fantasy bin und deshalb auch Robert Jordans Vorlage nach einigen hundert Seiten abgebrochen habe. Vielleicht habe ich dem Buch damit sogar Unrecht getan und das Durchhalten der ersten Seiten wird mit frischen Ideen und tollen Konzepten belohnt, falls dem so ist wurden von Jordan aber einfach zu wenig Hinweise darauf gestreut. Aber ich weiß eben auch, dass genug Leute sich an all diesen Makeln nicht stören und deshalb mit der dramaturgischen Umsetzung des „Rad der Zeit“ bestimmt ihre Freude haben könnten. Wer also mit der Comic-Umsetzung des Hobbits bereits viel Spaß hatte und sich zum Fan des Genres zählt, der einfach nicht genug bekommt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer dagegen keine Lust auf eine weitere Kopie von bekannten Fantasy-Konzepten hat, kann es mit „Demon Knights“ der New52 aus dem Hause DC versuchen, auch wenn diese dämonischen Anti-Helden leider nur in englischer Sprache vorliegen.

Das Rad der Zeit von Robert Jordan, Chuck Dixon mit 228 Seiten erscheint bei Panini Comics. Preis: 19,95 Euro

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*