Conan – der Barbar 3: Der Fluch der Teufelsbänke

Nach den Ereignissen im zweiten Band gönnen sich Conan und seine große Liebe Belit in „Der Fluch der Teufelsbänke“ etwas Zeit zum durchatmen – unser liebster Barbar lässt die Schwerthand tatsächlich mal größtenteils ruhen und macht stattdessen einen träumerischen Ausflug in seine ferne Zukunft.

Von hohen Mauern bis zu größten Untiefen

Conan_der_Barbar_3_coverDer dritte Band von Brian Woods Conan Run umfasst die beiden Handlungsbögen „The Woman on the Wall“ und „The Nightmare of the Shallows“. Conan verschlägt es auf der Suche nach der Königin der schwarzen Meere, seiner Königin, in die Wüste vor der Festung Ramah En Ram. Ehe er sich versieht steht er als Soldat des Belagerungsheeres vor den Mauern der Wüstenburg, bereit so lange der Wüstenhitze und dem Pfeilhagel zu trotzen, bis er Belit wieder in seine Arme schließen kann. Als auf den Festungsmauern dann auch noch eine unbekannte Schönheit auftaucht und umher spaziert ist dem Cimmerer klar, dass die Burg fallen muss, will er herausfinden ob es sich bei der Frau auf den Zinnen um seine Belit handelt. Auf dieses Kapitel folgend nimmt sich die Geschichte um Conan und Belit eine kleine Auszeit um stattdessen einen Blick in die Zukunft der Beiden zu werfen. Denn beiden winkt ein mögliches, völlig friedliches Schicksal. Ein Lebensabend in dem Beide eine Familie fernab von Kriegen und Chaos großziehen könnten – bleibt nur die Frage, ob dies für die Beiden Fluch, Segen oder Beides zugleich darstellt.

Ruhig Brauner, ganz ruhig

Mit „Der Fluch der Teufelsbänke“ schaltet Brian Wood einige Gänge runter und lässt das Liebespaar nicht nur durchatmen sondern für drei Kapitel komplett in Phantastereien versinken. Nett zu lesen, dass dieser Tempowechsel sogar für Zeichner Davide Gianfelice nicht einfach war, der in einem Interview hinten im Band darauf eingeht, dass er gerne mehr Blut und Gewalt Conan_der_barbar_3_szenegezeichnet hätte. So muss man sich auch als Leser erst auf den transzendenten Conan einlassen, der von einer (besseren?) Zukunft träumt, in der er Schwert und Schild gegen Abgeschiedenheit und Familienglück eingetauscht hat. Der Geschichte tut dies allerdings sehr gut, denn dadurch vertieft sich das Verhältnis zwischen Conan und Belit weiter und geht über das übliche Einerlei hinaus. Denn wenn uns das Schicksal der Beiden weiter interessieren soll, dann reicht es nicht mehr hin und wieder per Caption zu erklären, dass der Barbar und die Seefahrerin sich über alles lieben, wenn diese Zweisamkeit nie ausführlich gezeigt werden kann. Somit gelingt Wood der Fortschritt durch Langsamkeit, denn was auch öde im Sand hätte verlaufen können, hat sich jetzt zu einer Ruhe vor dem Sturm entwickelt, die einen gespannt auf die Geschehnisse des nächsten Band blicken lässt. Zwei Nachteile bringt dieses seichte Barbaren-Abenteuer allerdings mit sich. Erstleser werden der Geschichte nur schwer folgen können, denn es gibt unzählige Verweise auf das erste Treffen der Beiden. Und auch die verzehrten Erlebnisse der Träumenden hinterlassen so schon genug Fragezeichen, die es zu entschlüsseln gilt, da ist es Fatal fürs Verständnis wenn man kein Vorwissen aus den zwei vorherigen Bänden mitbringt. Das zweite Manko dessen man sich bewusst sein muss ist das eine niedrigere Drehzahl natürlich auch weniger Action zur Folge hat. Wood und seine Zeichner Colak, Mutti und Gianfelice werden natürlich nicht weich. „Conan – der Barbar“ ist und bleibt eine Serie mit expliziter Gewalt, sei es in ruhigen Momenten wie bei der Jagd nach einem Reh oder einem Erstürmungsversuch auf die Festungsmauern. Nur fallen diese Momente hier eben dosierter, kürzer und seltener aus. Das sollte niemanden vor der guten Geschichte des Bandes verschrecken, wer Conan allerdings hauptsächlich wegen der Action liest muss sich hier auf eine kleine Durststrecke einstellen.

Sorgen gleich drei Zeichner nicht für stilistisches Chaos?

Der dritte Conan-Band stellt mit den zwei beinhaltenden Story-arcs gleich drei Zeichner vor die Aufgabe die Welt Hyborias in Szene zu setzen. Mirko Colak tobt sich dabei in den ersten zwei Ausgaben in den Wüsten rund um die konkurrierenden Stadtstaaten aus und kann auf ganzer Linie überzeugen. Der Serbe konnte als Zeichner für „Turok – Dinosaur Hunter“ bereits Erfahrung für das Wilde sammeln und legt mit seinen sauberen Zeichnungen ein gutes Zeugnis für kommende Aufträge vor. Spielerisch gelingt ihm der Wechsel zwischen trockenem Wüstensand, einem blühenden Wald bei Nacht und einer Schiffsüberfahrt bei schlimmstem Sturm. Conan_der_barbar_3_TeufelsbankDer zu Beginn erwähnte Davide Gianfelice stellt mit seinen kantigen, skizzenhaften Darstellungen im Folgenden zwar ein genaues Gegenteil dar, spielt der Handlung damit aber genau in die Hände. Denn der riesige Stilbruch innerhalb des Bandes fällt überhaupt nicht auf, wenn Gianfelice in Conan und Belits Träumen von Ort zu Ort springt, versunkene Wracks präsentiert oder Conan gegen einen mysteriösen Bären in einer wunderschönen Schneelandschaft antreten lässt. Die Zeichnungen des Italieners Andrea Nutti dürften in dem Zeichner-Trio wohl am Wenigsten im Gedächnis bleiben. Die Zeichnungen sind sauber ausgeführt, die Mimik, besonders der weiblichen Figuren, lässt allerdings noch Wünsche offen und auch sonst kann Nutti kaum Höhepunkte setzen. Man muss ihm an dieser Stelle aber auch zugstehen, dass er mit dem Übergangskapitel zwischen den beiden Abenteuern den undankbarsten Job bekommen hat, denn Autor Wood bietet seinem Zeichner hier keine Möglichkeit spektakulärere Bilder zu liefern.

Fazit:

Für Conan-Fans heißt es dran bleiben, denn nach diesem Urlaub für Belit und Conan wird das Leben bestimmt wieder holpriger und die Köpfe ihrer Feinde abgeschlagener. Das kurze Intermezzo muss dabei wie Wood zeigt nicht langweilig ausfallen, sondern vertieft die Beziehung zwischen den tödlichen Turteltäubchen weiter was der Geschichte sicherlich gut tut. Fans vom Haudrauf-Conan müssen hier allerdings etwas kürzer treten und sich mit ihren Action-Wünschen bis zum nächsten Band gedulden, sollten dieses Kapitel aber trotzdem keinesfalls auslassen.

Conan der Barbar 3 von Brian Wood, Mirko Colak, Andrea Mutti und Davide Gianfelice erscheint bei Paninicomics. Ein Softcover mit 148 Seiten für 16,99€
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

Share This Post On

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*