Comic Book Girl#6: Soziale Netze

Mein Verhältnis zu den ganzen neuen Kommunikationsmitteln ist das gleiche wie das von Superman zu magischen Erscheinungen. Tauchen sie auf, bin ich machtlos. Facebook, Twitter, WhatsApp. Sie bilden seit kurzem die vorderste Front meiner Rouges-Gallery.

Ich bin kein Fan von Facebook und Co. bis jetzt glaube ich, dass ein solch vielfältiges Netzwerk für Privatpersonen unwichtig ist. Ich kann einen gewissen Nutzen für Firmen erkennen, aber selbst da zweifle ich die Notwendigkeit an.

Niemals kostenlose Ressource dieser Firma zu werden (denn genau das sind alle Mitglieder – kostenlose, aber Geld bringende Ressourcen für das börsennotierte Unternehmen namens „Facebook“) beschloss ich übrigens, als meine Mutter mir erzählt hat, dass meine Schwester sich von ihrem Freund getrennt hätte – sie hat es von meinem Bruder erfahren, der es wiederum von Facebook wusste. Meine Schwester saß zu diesem Zeitpunkt nur ein Stockwerk über uns in ihrem Zimmer.

Batmans Computer ist nichts für Technikmuffel

Batmans Computer ist nichts für Technikmuffel

Dabei bin ich nicht einmal ein Technik- oder gar Computer-Muffel. Ich verbringe viel Zeit vor dem Computer, schreibe Texte, betreibe Recherche und lese da die mehr oder weniger interessanten Nachrichten des Tages. Ich kann mit Excel umgehen, und zwar so richtig, ich kann selber eine Formatvorlage für Word erstellen und sie auch benutzen. Ich kenne die einzelnen Hardwarekomponenten eines Computers, hab schon einmal selber eine interne Festplatte angeschlossen und war anwesend, als eine Wasserkühlung ausgelaufen ist. Ich glaube, das ist mehr, als der durchschnittliche Computernutzer von sich behaupten kann.
Aber ich antworte nicht auf WhatsApp-Nachrichten wie „Und, was machst du heute noch so?“ oder „Mir ist langweilig. Sollen wir ein bisschen schreiben?“. Wenn mir jemand etwas sagen will, dann soll er mich anrufen, und wenn ich nicht zu einer Party eingeladen werde, weil man vergessen hat, „dass du ja gar nicht bei Facebook bist und deshalb auch die Einladung nicht mitbekommen hast“, dann war es anscheinend auch nicht so wichtig, dass ich da auftauche.

Aber ich will hier nicht die sozialen Medien verteufeln, die ja immerhin dafür sorgen, dass es im Klassenzimmer schön leise ist, weil alle auf ihren Handybildschirmen rumscrollen statt sich mit ihren Banknachbarn zu unterhalten.

Als ich zum ersten Mal vor die Aufgabe gestellt wurde, einen kurzen Post für Facebook zu verfassen, saß ich vor dem Bildschirm wie ein Igel auf einer Straße: Zusammengerollt und darauf wartend, dass einfach alles vorbei geht. Ich hatte keine Ahnung, wo ich das hineintippen soll. Ein Bild einfügen? Keine Chance. Und wusstet Ihr, dass eine Nachricht an einen anderen Nutzer automatisch gesendet wird, wenn man die Umbruchtaste drückt? Verrückt, dieses Facebook. Und dann werden Fotos geliked. Das wusste ich, aber ich wusste nicht, dass man dann jedes Mal, wenn gerade kein Kunde im Laden ist, die Seite aktualisiert und sich über jedes neue Like freuen muss. Es ist ein bisschen wie ein Deckbuilding-Game. Ich stelle aus Text, Bild und Video eine möglichst wirksame Truppe zusammen und schaue, wie viele Punkte ich damit mache. Einen Bonus erhält man für jeden Kommentar, der unter den Post gesetzt wird. Jeder neue Freund bedeutet einen Level-Aufstieg. Looten und Leveln, das ganze Leben besteht daraus.
Inzwischen geht das alles natürlich viel, viel besser. Privat würde ich mich immer noch nicht mit diesem Moloch beschäftigen wollen, aber ihr wisst ja: Alles für den Troll.

Aus Superior Spider-Man 6

Aus Superior Spider-Man 6

Mit WhatsApp komme ich besser klar. Damit habe ich nur wegen der Seetroll-Gruppe angefangen. Wir benutzen sie, um wichtige Infos und nicht ganz so ernste Infos zwischen allen Seetroll-Mitgliedern auszutauschen. Wichtige Info: Welche Comics wir demnächst neu im Sortiment haben werden. Nicht ganz so wichtige Info: Hier ein Bild, wie ich zum ersten Mal meine neue Trittleiter benutze, um damit auch an die Comics ganz oben ins Regal zu kommen…

So lustig, wie WhatsApp inzwischen für mich ist, so nervtötend war der Einstieg für mich. Ich habe noch nie gerne auf SMS geantwortet. Meine Freundin hat irgendwann angefangen, an wichtige Kurznachrichten die Zeile „Diese SMS muss beantwortet werden“ dranzuhängen. Internet auf dem Handy habe ich nie vermisst, bisher bin ich bei jeder Zugfahrt da angekommen, wo ich hin wollte, Games kommen mir nur auf einen Bildschirm mit mindestens 17 Zoll-Diagonale und wenn ich Mails zu spät beantworte liegt das ganz bestimmt nicht daran, dass ich zu selten Internet-Zugang hätte.

spiderman_pants

Und jetzt musste ich auf einmal auf Nachrichten im Minuten-Takt reagieren. Die ersten drei Leute, die mich angeschrieben haben, haben übrigens alle das gleiche geschrieben: „Willkommen im 21. Jahrhundert!“. Smile. KaJo war so nett und hat behauptet, ich hätte falsche Einstellungen gewählt und er könnte auf alle meine Fotos zugreifen, was bei mir für Entsetzen und einen mittleren Panikausbruch geführt hat und den Seetroll Friedrichshafen, wo ich mich zu diesem Zeitpunkt befand, für einen kurzen Moment lahmgelegt hat. Sehr lustig, haha, lol, :-D.

Inzwischen mag ich WhatsApp, es hat meine monatliche Handyrechnung von nur ca. 20€ noch weiter gesenkt.
Hosentaschen-Internet habe ich mir immer noch keins zugelegt. Meine Freundin hat mir ihr W-LAN-fähiges Handy gegeben und so bin ich per WhatsApp immerhin zu Hause, in beiden Seetrollen und in meiner Lieblingsbar erreichbar. Das muss reichen.
Mein Handy ist übrigens immer lautlos eingestellt. Ich weiß nicht einmal, was für einen Klingelton ich habe. So lässt sich der ganze Nachrichtenstress nämlich auch ganz lässig vermeiden.

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Nicky

Author: Nicky

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