Comic Book Girl #7: Kid Flash

Ich als Azubi bin im Seetroll quasi ganz unten in der Hackordnung. Wenn Michel Barry Allen wäre und KaJo Wally West, dann wäre ich Bart. Während Barry und Wally beide schon als reguläre Flashs gedient haben und Wally sogar schon als Kid Flash angefangen hat, wäre ich der Speedster, den man eingeführt hat um wieder ein Kiddie-Flash zu haben. Streng genommen genauso schnell und nützlich wie die beiden anderen, aber eben… kleiner. Niedlicher. Keine Hauptfigur.

Das bringt einige Vorteile mit sich. Zum Beispiel wenn ich einen Fehler mache. „Ach ja, unsere Nicky“ höre ich dann oder benutze Sätze wie „Ups, ich bin halt noch nicht so lange hier“ auch gerne mal selbst. Andererseits möchte ich nicht ewig bei den Teen Titans bleiben, sondern gerne auch einmal in die Justice League aufsteigen. Also spiele ich mich gerne mal ein bisschen auf und bestelle selbstbewusst Panini Comics, wenn keiner hinschaut („Es gibt eine neue Batman/Superman-Serie? Wir nehmen zehn!“), um dann betroffen mein Azubi-Grinsen aufzusetzen, wenn Michel sich wundert, wer denn schon wieder so über die Stränge geschlagen haben könnte („Du, keine Ahnung, vielleicht hat da irgendjemand eine Null zu viel dran gehängt. Wer das war, das lässt sich jetzt auch nicht mehr zurück verfolgen“).

Damit war vor kurzem Schluss. Zumindest für eine Woche. Denn als ich den Seetroll an jenem Tag betrat, stand er da: Mein eigener Kid Flash, in Form einer Praktikantin. Damit war ich über Nacht von Bart Allen zu Wally West, KaJo zu Barry Allen und Michel zu den Fünfzigern aus der Mode gekommenen Jay Garrick aufgestiegen. Ich schaltete also sofort um auf „erwachsen“ und  „verantwortungsvoll“ und begann, Eileen, wie sie heißt, den Laden zu erklären. Sie ist für uns keine Unbekannte, ist sie doch eine Stammkundin. Dabei fiel mir mal wieder auf, wie sehr sich mir alles eingeprägt hat in den paar Monaten, die ich jetzt im Seetroll arbeite. Ich meine damit nicht nur den Ablauf an der Kasse mit eintippen, Geld lächelnd entgegen nehmen, etc., sondern vor allem auch der Blick fürs Detail. Steht da ein Manga nicht am richtigen Platz? Fehlt da ein „Camel up“, das wieder aus dem Keller geholt werden sollte? Hat da ernsthaft gerade ein Kunde eine Schachtel Ork Boyz auf den Waldelfen-Stapel gelegt? Die gehören nicht einmal ins selbe Universum!

Dinge wie Kassenabläufe lassen sich ganz leicht innerhalb eines Tages lernen, für den Rest muss man schon mehr Zeit mitbringen. Bedeutet: Comicregal ausräumen, sortieren, wieder einräumen. Das gehört nicht zu meinen Lieblingsaktivitäten, es gibt aber keine bessere Art und Weise, sich einen Überblick über das Sortiment zu verschaffen. Im Gegensatz zu mir erledigte Neu-Kid Flash diese Arbeit etwas langsamer, aber dafür ohne Murren.

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Dafür spielten wir danach ein Spiel, und sie sollte mir zeigen, wie sie es einem potentiellen Kunden erklären würde. Außerdem musste sie traditionell drei Serien aus dem Splitter-Katalog wählen, die sie für den Laden bestellen würde und begründen, warum. Aber am härtesten ist immer, wenn man zu einem Kunden gehen und ihn ansprechen muss. Als ich das zum ersten Mal tun musste, hat mich das jede Menge Überwindung gekostet und ich war unglaublich erleichtert, als der Kunde abgewinkt hat. Und ich konnte an Eileens Gesicht erkennen, dass es ihr genau so ging. Die ganze Sache mit der Praktikantin gefiel mir so gut, weil ich mich in Eileen wiedererkannt habe. Oder besser gesagt ich, vor fast einem Jahr. Ich glaube, die Praktikanten lernen bei uns innerhalb dieser Woche einiges. Aber ich habe auch einiges gelernt. Ich habe mich daran erinnert, wie sehr ich mich in dieser relativ kurzen Zeit zum Besseren verändert habe und wie sehr ich vor allem an Selbstbewusstsein zugelegt habe. Und ich habe gelernt, dass ich vielleicht doch ein bisschen öfters vernünftig sein könnte.
Aber vor allem hat mir die Zusammenarbeit mit Eileen sehr viel Spaß gemacht.

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Nicky

Author: Nicky

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