Comic Book Girl #5: Kleiderordnung

Ich glaube, bei uns im Seetroll herrschen andere Regeln zum Erscheinungsbild als in anderen Einzelhandelsbetrieben. Moment, das ist gelogen. Ich weiß, dass es bei uns anders ist.

Bei Kaufland zum Beispiel gibt es eine Kleiderordnung, die sicherstellt, dass Kunden die Angestellten sofort von anderen Kunden unterscheiden können. Außerdem gilt natürlich überall dort, wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird: Haare zusammenbinden. In vielen Geschäften sind Verkäufer gut zu erkennen, selbst wenn keine gleichen Oberteile mit Logo getragen werden müssen. Zum Beispiel an Namensschildern oder Schlüsselbünden, die locker-lässig um den Hals getragen werden. Oder auch nur daran, dass sie sich im Nebenzimmer vor der Xbox vergnügen, während potentielle Käufer erst verwirrt im Laden stehen und ihn dann genervt wieder verlassen, um nie wieder zurück zu kehren.

Bei uns ist das ein bisschen anders. Einer der zahlreichen Gründe, warum ich meine Ausbildung im Seetroll mache, ist, dass ich mich dort anziehen kann, wie ich will. Ich meine damit nicht, dass ich da nach einer durchgefeierten Nacht mit Kater im nach kalten Rauch stinkenden Trainingsanzug aufschlagen könnte und mich mein Chef immer noch auf die Kunden losließe. Es geht darum, dass ich mich morgens so anziehen kann, wie ich mich wohl fühle. Ich habe in meinem Kleiderschrank kein Regal für Klamotten, die ich zum Arbeiten anziehe und eins für solche, die ich in meiner Freizeit anziehe. Ich stehe auch nicht bei H&M in der Umkleidekabine und frage mich, wann ich diese Leggins mit den Bananen drauf wohl tragen könnte. Die schwierigsten Fragen, die ich mir morgens stelle lauten: Ziehe ich die schwarze oder die gelbe Hose zu meinem Deadpool-Shirt an? Und kann ich die Superman-Tasche zum Captain America T-Shirt tragen oder ist das schon Ketzerei? Ich muss natürlich nichts comic-mässiges anziehen. Ich kann morgens auch in Jeans, Sneakers und einer weißen Bluse auftauchen. Aber mal ehrlich. Ich würde mich verkleidet fühlen.

Green Lantern ChefIch weiß nicht, wie mein Chef seine Klamotten wählt. Vielleicht steht er morgens vor dem Schrank und beschließt, dass er ein Green Lantern-Shirt anziehen wird, um den ganzen Tag von Kunden für seinen tollen Kleidergeschmack gelobt zu werden (für ein normales Green Lantern Shirt! Grün, Symbol, fertig! Warum hat keiner was zu meiner Batman-Leggins und extra dafür gekauften Schuhe gesagt?) oder seine Frau legt ihm seine Kleidung raus. Wer von beiden dann für die doch sehr seriös anmutenden Gymnasiallehrer-Outfits verantwortlich ist, kann ich nicht sagen.

Natürlich gibt’s auch bei uns eine Kleiderordnung. Ordentlich soll es sein. Und nicht abschreckend wirken. Ähnliches gilt auch bei der Frisur. Die zwei Regeln: Sie soll gepflegt aussehen und die Haare dürfen nicht länger sein als die des Chefs. Ich glaube, die erste Regel ist weniger eine Regel und mehr eine gesellschaftliche Konvention. Die zweite Regel ist zwar existent, aber nicht wirklich nötig. KaJo hat keine langen Haare und macht auf mich auch nicht den Eindruck, als würde er sich in nächster Zeit eine Elfen-Mähne wachsen lassen, und für Frauen gilt die Regel eh nicht. Und selbst wenn, die gesamte weibliche Belegschaft hat kürzere Haare als Michel. Als ich ihn vor Ewigkeiten einmal gefragt habe, ob es ihn stören würde, wenn ich mir die Haare färbte, meinte er nur, es solle halt aussehen wie eine Frisur und nicht wie ein Protest.

Nicky vor dem Seetroll in KonstanzDie Regeln, wenn man sie so nennen kann, sind einerseits natürlich ein purer Luxus und ich muss zugeben, dass ich es gerade ein bisschen ausnutze. Nachdem ich ein Jahr im Kino gearbeitet habe und die Kleidung dort schwarz zu sein hatte, habe ich einfach keine Lust mehr auf eintönige, dunkle Klamotten. Aber natürlich appelliert Michel wie bei allem auch hier an unser Verantwortungsbewusstsein. Er gibt uns die Freiheit, in seinem Laden so rumzulaufen, wie wir möchten, aber er zählt darauf, dass wir uns zu benehmen wissen. Und das tun wir. Ihr wisst ja: Mit großer Klamottenwahlfreiheit kommt große Verantwortung. Oder so ähnlich.

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Nicky

Author: Nicky

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