Comic Book Girl #4: Weihnachten

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Weihnachten scheint hier ein großes Ding zu sein. Jeden Tag kommen mehr Leute in den Seetroll und fragen nach möglichen Geschenken für ihre Liebsten. Vertriebe legen den Sendungen Kekse bei und mein Chef hat sich vorsorglich schon mal dafür entschuldigt, dass er während der Adventszeit etwas angespannter sein wird. Was vielleicht daran liegt, dass eine unbekannte Person, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, immer seine geliebten Vanillekipferl klaut.

Ich hingegen bin vollkommen tiefen entspannt. Ich habe schulfrei, gehe nach einem etwas hektischeren Tag gerne schon mal um 20 Uhr schlafen (kein Scherz) und lasse mich auch wegen Weihnachtsgeschenken nicht stressen. Die kaufe ich pünktlich am 24. Dezember. Ich würde hier ja schreiben, was ich für meine Familie geplant habe, aber da ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass tatsächlich einmal jemand von meiner Sippe einen meiner Texte liest, lasse ich das. Außerdem weiß ich noch gar nicht, was ich ihnen schenken werde. Nur eins: Der Vater meines Freundes erhält einen Wackelkopf-Bobba Fett, den man auf den Computerbildschirm klebt. Ich hätte ihn gerne für mich gekauft, aber ich bin mir nicht sicher, wie er sich mit meinem Wackelkopf-Batman vertragen hätte.

weihnachten_01Meine Familie hat es sich dieses Jahr sehr einfach gemacht mit meinen Geschenken. Von meinem Bruder bekomme ich einen Fotokalender mit Schafen und noch ein paar spektakuläreren Tieren, der sich dann mit meinem Kalender voller nackter Rugbyspieler um den Platz streiten muss und meine Mutter und meine Schwester schenken mir Brettspiele, die sie bei mir gekauft haben. Netterweise haben sie mich davor bewahrt, meine eigenen Weihnachtsgeschenke selber einpacken zu müssen. Ich bin kein Fan vom Geschenkeverpacken im Laden. Eigentlich mache ich das gerne, aber im Laden steh ich immer unter Zeitdruck und wenn die Leute dann noch neugierig zuschauen, kann ich es ganz vergessen. Ich habe noch ein Trauma von meinem ersten Mal, als die Kundin irgendwann genervt meinte, sie mache es lieber selbst. Spätestens seit diesem Tag berate ich lieber, als einzupacken. Das ist aber an Weihnachten nicht so einfach. Viele Kunden suchen nach Geschenken, von denen sie selbst noch nie etwas gehört haben. Es ist einfach, jemandem ein Familienspiel zu empfehlen und die meisten Eltern, die für ihre Sprösslinge Warhammer-Produkte suchen, haben sich vorher genau die Namen der jeweiligen Figuren aufschreiben lassen. Die Table-Top-Spieler wissen, dass sie auf keinen Fall das Richtige bekommen, wenn sie ihrer Mutter vor dem Einkauf kurz zurufen, sie hätten gerne einen Zauberer oder „irgendwas von den Space Orks“.

Im Gegensatz zu ihnen scheinen die meisten Comicleser noch nie schlechte Erfahrungen an Weihnachten gemacht zu haben. Aber spätestens, wenn ein Green Lantern- statt eines Batman-Comics unter dem Tannenbaum liegt, weil „grün doch viel weihnachtlicher“ sei als schwarz, sollte man sich über eine Tradition Gedanken machen, die man als Kind gepflegt hat: Das Anfertigen eines Wunschzettels. Auf den Wunschzettel des Comicfans gehören folgende Angaben: Titel des Comics mit etwaigen Untertiteln (Leute, es gibt nicht „den“ Spider-Man-Comic), eventuell der Verlag (bei Batman ist das für mich relativ leicht mit ein, zwei Klicks bei Google herauszufinden, aber schon bei Stieg Larsons Millenium-Trillogie wird das kniffliger), einen Ausweichtitel (soll ja durchaus vorkommen, dass „Watchmen“ auf mehr als einem Wunschzettel steht) und für Sammler noch Angaben über Auflage und Bindung.

weihnachten_03Natürlich gibt es aber auch viele Kunden, die ihre Freunde mit einem Comic überraschen möchten. Dann ziehe ich am liebsten ein paar meiner momentanen Lieblingscomics aus dem Regal. Absolute Weihnachtsstimmung verbreitet natürlich wie immer der dunkle Ritter in „Batman Noël“. Ganz ehrlich, sucht euch ein ruhiges Plätzchen, zieht euch zurück und lest den Band in gedimmten Licht, möglichst bei nächtlichem Schneefall. „Blacksad“ für den Vater, der schon alles hat und nichts mehr erwartet. Beim zweiten Band ist sogar Schnee auf dem Cover abgebildet. Total weihnachtlich und so. Aber im Ernst. Der Comic ist grossartig.

Und natürlich „Schönheit“, erschienen bei Reprodukt. Den hat mir Neffs empfohlen und wir wissen ja alle: Neffs irrt nie! Ein hässliches Entchen wird zum bösartigen Schwan. Hat nichts mit Weihnachten zu tun, aber dafür viel mit Menschlichkeit.

Es gibt natürlich unzählige Comics, die empfehlenswert sind und natürlich müssen Comics, die an Weihnachten verschenkt werden, nicht zwangsläufig was mit diesem Thema zu tun haben. Egal, ob man jemandem helfen will, seine Sammlung zu vervollständigen, einen Freund zum Comiclesen verführen oder seine Tochter zum Lesen bringen will, einen Comic zu Weihnachten zu verschenken ist auf jeden Fall eine schöne Idee. Und wenn man ihn dann auch noch liebevoll zu Hause selber verpackt, freut sich der Beschenkte bestimmt gleich doppelt!

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Nicky

Author: Nicky

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