Comic Book Girl #3: Schaufenster

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Schaufenster. Ich könnte jetzt schreiben, Schaufenster seien, ähnlich wie die Augen bei Menschen, die „Fenster zur Seele des Ladens“. Aber wir sind hier nicht bei „Deutschland sucht den Super-Poeten“, sondern bei „Schreib über deinen total coolen Job in einem Comicladen“, deshalb starte ich diesen Artikel anders.

Wir haben kein Bat-Signal, das nachts den Himmel über Constance City hell erleuchtet (Notiz an mich selbst: Chef „Troll-Signal“ vorschlagen), wir haben auch keinen Mutanten, der die Fußgänger per Gedankenkontrolle zu uns in den Laden lockt. Wir haben bunte Windrädchen, Kartenständer und unser Seetroll-Aushängeschild. Und die wohl verplanteste Schaufensterdekorateurin der ganzen Comic-Welt: Mich. Soll ich ein Herbst-Schaufenster gestalten, tippe ich „Herbst“ bei Google ein und erhoffe mir ein paar Tipps. Dieses Jahr wieder groß in Mode gewesen: Blätter.

Nach dem Motto „War Weihnachten nicht erst gerade?“ irre ich auf der Suche nach festlichem Krams durch den Laden bis mein Chef mich darauf aufmerksam macht, dass die Weihnachtsbaumkugeln, die wir im Lager haben, vielleicht nützlich sein könnten.

Das alles ist aber kein Problem, schließlich trage ich zu solchen Anlässen immer meinen Flash-Pulli, der mir unglaubliche Geschwindigkeiten ermöglicht. Wäre da nicht die arme kleine Spinne, die ich, um sie vor dem Staubsauger-Tod zu retten, vorsichtig einfange und irgendwo im Keller wieder aussetze. Mein Chef glaubt, ich würde sie rauswerfen, aber draußen würde sie doch erfrieren. Und ganz ehrlich, wenn wir mal eine radioaktiv verseuchte Spinne im Laden haben sollten, will ich nicht die Chance vertun, von ihr gebissen zu werden.

Wo war ich?

Schaufenster_03Schaufenster. Außenwirkung ist wichtig. Kennt ihr vielleicht von Comics. Falls ihr welche lest. Natürlich haben viele einen Lieblingshelden, Lieblingsautor oder auch gleich einen ganzen Lieblingsverlag, von dem sie alles verschlingen, was sie in die Hände kriegen können, aber wer hat nicht schon einmal vor dem Regal gestanden und einen Comic nur deshalb in die Hand genommen, weil er ein absolut umwerfendes Cover hatte. Wie viele großartige Comics wären niemals geöffnet worden, wenn sie schlechte Cover gehabt hätten? Das soll auch ein Schaufenster bewirken. Es soll Lust auf mehr machen. Wir hoffen, die Neugierde der Leute zu wecken. Wir möchten sie einladen, unser Geschäft zu betreten und sich umzusehen, vielleicht etwas Neues zu entdecken.

Dies kann auf verschiedene Arten geschehen.

Am einfachsten finde ich ist es, etwas gratis anzubieten. Zum Beispiel am Gratiscomic-Tag.

Oder wir erinnern sie daran, dass bald wieder Weihnachten ist und dass sie noch Geschenke brauchen. Mit einem Weihnachtsschaufenster. Schlau, oder?

Wenn aber gerade nichts los ist, dann ist es nicht ganz so einfach. Es müssen Produkte ins Schaufenster gestellt werden, welche die Leute erkennen und die trotzdem Lust auf mehr machen. Außerdem soll das Schaufenster immer auch über unser Sortiment Auskunft geben.

Dazu zwei Ideen.

Schaufenster_05Gute Idee: Alles in einer Farbe halten, zum Beispiel Rottöne. Ich stelle also „Blacksad“ Band 3 ins Schaufenster, das Brettspiel „Die Zwerge“, eine rote, intelligente Knete, ein Produkt von Warhammer Fantasy und das neue Shadowrun-Regelwerk. Damit informiere ich die Leute, dass wir, obwohl „Comics und Spiele“ auf dem Schaufenster steht, ein „Comics und Spiele und Tabletop und Rollenspiel“-Laden sind. Außerdem wirkt das Schaufenster durch die einheitliche Farbgebung schnell harmonisch.

Schlechte Idee: Ein erotischer Comic, eine Minierweiterung zu „Carcassonne“ und dazwischen auffüllen mit massenhaft Sekundenkleber-Flaschen. Ja, wir haben erotische Comics, und das Busenmemo ist ein Klassiker, und selbstverständlich haben wir auch Sekundenkleber. Aber unser Schaufenster ist auf Kinderaugenhöhe, eine Minierweiterung geht von der Größe her einfach unter und Sekundenkleber ist nicht unbedingt das, was Familien bei einem Samstagsausflug gemeinsam in einen Laden lockt.

In den letzten Monaten und besonders Wochen wurde mir die Schaufenstergestaltung durch äußere Umstände leicht gemacht. Comicverfilmungen schreien geradezu nach einem passenden Schaufenster, die Wahl des „Spiel des Jahres“, und vor Kurzem der neueste „Asterix“-Band, da ist immer klar, was einen prominenten Platz im Schaufenster erhält.

Ein bisschen Bammel habe ich vor der Nachweihnachtszeit. Die nächste große Comicverfilmung kommt erst im April, Feiertage sind dann erst mal durch, Comics über Skifahrer gibt’s nicht gerade viele. Vielleicht muss dann doch noch der Kunstschnee herhalten. Und ich melde mich an dem Tag, an dem das Fenster gereinigt werden muss, einfach krank.

 

Nicky

Author: Nicky

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