Chatlog: König der Panther

Wir nehmen das neueste Kinoabenteuer aus dem Hause Marvel unter die Lupe. Black Panther geht solo während wir drei Redakteure auf ihn hetzen.

Tarante
Hi Simon und Marcus,
die Film Review steht an. Am 14. Februar läuft Black Panther in den deutschen Kinos an und wir beginnen mit einem kurzen Faktencheck und wer kann das besser als Marcus!

Marcus

Anders als die meisten Marvel-Figuren ist Black Panther kein „Hero with problems“ sondern ein König eines afro-futuristischen Reichs.

  • Name: Black Panther (T`Challa)
  • Comics Erstauftritt Fantastic Four #52 (Juli 1966)
  • Film Erstauftritt: Captain America Civil War (April 2016)
  • Darsteller: Chadwick Boseman

Tarante
Das hast du aber ganz schön nüchtern gesagt. Es darf ruhig etwas mehr sein.

 

 

Marcus

Seine Comics waren häufig auch politische Statements. Dadurch konnte Black Panther nie vollständig in die Comicwelt eintauchen. Kurzzeitig nannte man T`Challa sogar Black Leopard (Fantastic Four vol1 119) um sich von der Black Panther Bewegung zu distanzieren. Außerdem wurde bereits die zweite längere Black Panther Geschichte (Black Panther vs. The Klan) abgebrochen, aus Sorge darum die Politisierung des Comics zu weit getrieben zu haben. Sieben Jahre nach seinem Debüt bekam Black Panther seine erste Solo-Serie. In Jungle Action (vol. 2) #6 begann die Geschichte „Des Panthers Zorn“. Ein Handlungsbogen, der sich über zwölf Ausgaben hinzog und unter Experten gerne als Marvels erste Graphic Novel bezeichnet wird. Umgesetzt wurde das ganze von Don McGregor, Rich Buckler und Billy Graham.

 

Tarante
Die Figur hatte es also nie leicht.

 

 

Marcus
Stan Lee sagte einst: „Ich war immer überzeugt, dass er alles hat, um einer der beliebtesten und erfolgreichsten Helden des Comic-Universums zu werden.“.

 

 

Tarante
Ja der war auch wieder dabei.

 

 

Simon
Tarante ist schon beim Cameo und wir sind noch nicht mal bei der Einführung des Films. Ich bin absolut dankbar, dass die Figur bereits in „Civil War“ ihren Erstauftritt feiern durfte – eigenes Story-Arc rund um Rache und Vergebung inklusive.

 

Tarante
Jeder hat eine Origin. Frag mal Bruce Wayne.

 

 

Simon
Black Panther muss aber so nicht bei null anfangen. Die frei gewordenen Kapazitäten werden stattdessen selbstbewusst genutzt um einen ausgedehnten Figurenkreis zu etablieren, der bei einem tatsächlichen Erstling vielleicht zu Verwirrung geführt hätte. So bekommen also auch die anderen Clan-Oberhäupter und die Königsfamilie selbst einige Leinwandzeit.

Tarante
Und hier haben sie auch gute Einführungen der Figuren hinbekommen. Die Darsteller sind markant, die Figuren besitzen einen Background, den man teils nur erahnen kann. Marcus lass mich raten, die gibt es alle in der Comicvorlage.

 

Marcus
Du musst dich nicht jedes Mal als Marvelhasser outen.

 

 

Tarante
Ich nenne das: „Bewusst nicht erst anfangen den Ungelesenstapel um einen Verlag erweitern!“ Wen haben wir denn nun alles auf der Leinwand angetroffen?

 

 

Simon
Daniel Kaluuya, der seit „Get Out“ hohen Wiedererkennungswert genießen dürfte, spielt T’challas treuen Jugendfreund W’Kabi , der allerdings nicht mit allen Entscheidungen seines Königs einverstanden ist. Einen noch deutlicheren Eindruck aber hinterlässt Letita Wright als T’Challas Schwester Shuri. Sie bringt nicht nur eine punkige Lockerheit in das eher traditionelle Königshaus, sondern darf als Wakandas Daniel Düsentrieb T’Challa auch mit allerlei Gadgets für seine eher James Bondigen Ausflüge ausrüsten.

Tarante
Wieder bleibt mir nur der Vergleich mit Batman.

 

 

Marcus
Von wegen kein Marvelhasser.

 

 

Tarante
Wieso? Reicher Waise mit Spezialanzug und lauter Schnickschnack!

 

 

Simon
Eigentlich allen Nebendarstellern gelingt es sich im Gedächtnis des Zuschauers (und damit hoffentlich auch in zukünftigen MCU-Filmen) zu platzieren, gerade im Vergleich zu Hauptdarsteller Chadwick Boseman.

 

Tarante
Da sprichst du was an. Irgendwie fehlt bei dem was.

 

 

Simon

Der macht seinen Job ordentlich. Das Skript fordert aber auch wenig schauspielerische Reichweite. Das würde kaum ins Gewicht fallen, wenn die Figur nicht royaler Natur wäre. Black Panther ist zuerst König, dann Superheld. Wenn infolgedessen der Facettenreichtum also etwas hinter majestätischer Ruhe zurückstecken muss, ist dies absolut verschmerzbar. Von einem Protagonisten des Schlages Steve Rogers, Tony Stark oder Star-Lord ist Black Panther damit aber natürlich meilenweit entfernt.

Tarante
Jetzt hab ich es. Ich hatte doch wieder das Problem mit der Origin. Die Findungsphase zum Helden ist hier die Krönung.

 

 

Marcus

Und ich dachte in Berlin fallen zur 5. Jahreszeit keine Kalauer.

 

Tarante
Es zieht sich halt wirklich über den gesamten Film. Dieser Black Panther ist noch nicht bereit für den Thron und alle wissen es. Am ehesten er selbst. Das soll auf der einen Seite der Figur Tiefe bescheren, verpufft aber schnell zu einem nervtötendem Hinauszögern des unausweichlichen Showdowns. Die Handlung war schnell vorhersehbar und ohne große Wendung. Schade. Hier war mehr drin. Chadwick Boseman wird es aber auch nicht leicht gemacht. Er tritt das Erbe von John Kani alias König T`Chaka an. Der Südafrikaner steht seit mehr als einem halben Jahrhundert auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Allein seine Anwesenheit auf der Leinwand überstrahlt mit weiser Erhabenheit. Selbst T`Chakas jüngeres Pendant ist Chadwicks Darstellung des Thronfolgers in seiner Anziehungskraft weit überlegen. Nun kann das auch daran liegen, dass Kanis Sohn die Rolle des jungen T`Chakas übernahm.

Simon
Kommen wir zur wohl willkommensten Neuerung für das MCU: Das Setting Wakanda! Man darf sich jetzt schon darüber freuen, dass dieses afro-futuristische Paradies wohl auch im kommenden „Infinity War“ eine Rolle spielen wird. Denn die versteckte Enklave, mit ihrer Mischung aus unterschiedlichsten traditionell-afrikanischen Einflüssen und einer daraus abgeleiteten Hightech-Metropole, ist das bisher ansprechendste Setting, welches auch Thors Asgard locker von der Bildfläche fegt. Dieses Wakanda ermöglicht damit Bilder und Landschaften, nicht nur für das MCU selbst, sondern auch den größeren Kontext des Blockbuster-Kinos, die frisch und unverbraucht sind, fernab von den nur allzu bekannten amerikanischen Großstädten. In Verbindung mit der Musik bekommt selbst eine eher funktional-simple Sequenz wie die Krönungszeremonie T’Challas zu Beginn des Films einen bunt-innovativen Anstrich, den andere spektakellastigen Filme vielleicht gerade so im Finale zu liefern wissen.

 Tarante
Der Trailer hatte schon so eine Anmutung, dass der Soundtrack etwas Besonderes wird. Wakanda, das Setting im Allgemeinen sollte die gesamte Bandbreite und Vielfalt der schwarzen Kultur widerspiegeln und wirkte gerade dadurch wie ein klischeebeladener Flickenteppich. Urteil: die Macher waren stets bemüht. Es wurde eine schwere Gradwanderung versucht. Sozialkritik, Zwist um den Thron und Superhelden unter einen Hut zu bekommen. Auf 32 Seiten passt meist nur ein Thema und hier hat es nicht gereicht. Man wollte mehr. Man wollte zu viel und hat das gefährliche Fahrwasser mit schon fast altbewährter „marvelöser Erzähltechnik“ versucht zu nehmen: Wir haben zwei Bösewichte!

Simon
Andy Serkis als Ulysses Klaw und Michael B. Jordan als der nach dem Thron gierende Erik Killmonger. Sie dürften als Gespann wohl die besten Antagonisten seit Tom Hiddlestons Loki sein.

 

Marcus
Nachtrag Faktencheck: In Des Panthers Zorn debütiert übrigens auch Eric Killmonger.

 

 

 Tarante
Ganz genau! Und jetzt habe ich nichts zur Musik gesagt. Während ich hier schreibe dreht Wu-Tangs Saga Continues im Hintergrund seine Runden und es pochert in meinem Kopf: Mir hat die Musik bei Luke Cage besser gefallen! Und bei Afro Samurai auch! Und bei The Man with the Iron Fists. Und nicht zu vergessen bei Ghost Dog war die Musik auch viel besser. Witzigerweise ebenfalls mit Forest – was kann der Mann nicht spielen? – Whitaker. Ja, obwohl das ganz andere Settings waren und nur weil es da auch um Schwarze geht, der Vergleich auch wieder hinkt … aber trotzdem musste das jetzt alles raus. Und was meinst du mit: „Sie dürften als Gespann wohl die besten Antagonisten seit Tom Hiddlestons Loki sein“?

Simon
Dennoch oder gerade deswegen, darf man sich hier freuen. Andy Serkis hat einen Heidenspaß in seiner Rolle, schmeißt mit selbstironischen Puns und One-Linern um sich, die eigentlich nicht zünden dürften, es aber aufgrund der erwähnten Spielfreude trotzdem tun.

 

 Tarante
Ja da muss ich dir Recht geben. Es hat Spaß gemacht Serkis spielen zu sehen. Überdreht, überheblich und man fühlte sich als stetiger Verfolger von Marvels Kinouniversums gleich geborgen.

 

Simon
Zur zweiten Hälfte des Films hin, übernimmt Michael B. Jordan das Ruder mehr und mehr. Es sorgt auch tonal für den nötigen Wechsel, der dem Finale ein entsprechendes Gewicht verleiht. Jordans Killmonger ist weit weg von den eindimensionalen Bösewichtern, die das moderne Superheldenkino sonst unsicher machen. Dafür sorgt alleine schon der Doppelschlag bei der Motivation: Killmonger hat nicht nur ein persönliches Hühnchen mit Wakanda und seinem König zu rupfen, sondern seine weitere Motivation bewegt sich auch jederzeit auf der politischen Ebene des Films. Hier geht es nicht simpel um gut gegen böse und Weltuntergangszenarien, sondern um Protektionismus vs Öffnung – und was zu welchem Preis. Es hilft hierbei weiter, dass das Publikum neben einen Blick in T’Challas Vergangenheit auch Einblick in Killmongers frühe Tage bekommt. Zusammen mit der beeindruckenden Menge an Muskelmasse, welche sich Jordan für die Rolle draufgeschaufelt hat, ist dies eine perfekte Kombination um die innere Verbittertheit der Figur in eine tatsächliche, nach außen getragene Bedrohung zu verwandeln.

 Tarante
An dieser Stelle hat mich der Film hingegen abgehangen, was ich hauptsächlich der Darstellung des Killmongers zuschreibe. Ja ich hätte seine Motivation nachvollziehen können müssen, aber nein ist nicht passiert. Bin ich kalt oder war die Brühe lauwarm.

 

Marcus
Zweite Warnung nach Berlin, sonst fliegen gleich die Kamelle.

 

 

 Tarante
Jetzt wird es schwierig ohne Spoiler weiterzumachen. Dann neues Thema: Black Ladies Team-Up.

 

 

Marcus
Ich bin mir noch unsicher ob ich eine Verwarnung aussprechen muss. Worauf willst du hinaus?

 

 

 Tarante
Auf starke Frauenrollen. Simon hat ja Letitia Wright als T`Challas überdreht geniale Schwester Shuri schon kurz angesprochen. Hinzugesellen sich aber noch Lupita Nyong´o als Nakia, einer Dame, der man nicht helfen muss, aber unbedingt will und allen voran T`Challa höchstpersönlich und natürlich Danai Gurira als T`Challas Leibwache Okoye. Also ich saß im Kino und überlegte, woher ich die kahlköpfige Dame kenne. Bis sie ihren Speer zog und böse guckte. The Walking Deads Michonne wird zur Shaft der heutigen Generation. Dieses Trio rettet den Film. Während die Herren sich die Köpfe einschlagen, zerbrechen die Mädels sich diesen bei der Lösungsfindung.

Marcus
So! Das wars jetzt. Der 3.Kalauer aus Berlin. Nun ist Schluss mit lustig. Fazit: Schaut euch den Film selbst an!

 

 

Simon
Aber ich wollte doch noch was zum Regisseur sagen und zur Produktion und was demnächst noch so ansteht.

 

 

Marcus
Bedank dich bei Tarante und hier noch ein Nachtrag zum Faktencheck: Black Panther war mal eine Weile The man without fear, also Hüter von Hells Kitchen und somit quasi  Daredevils Vertretung.

 

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Tarante

Author: Tarante

Tiberius Tarante ist der Berliner mit der abgöttischen Liebe zum Medium Comic. Vom Mainstream bis zum Independent Comic verschlingt er alles und als Nerd 2.0 ist er sich bewusst, dass es noch einige Stufen bis zur Allwissenheit zu erklimmen gilt.

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