Castlevania: Lords of Shadow 2 im Test

Konamis Castlevania-Neustart von 2010 war ein voller Erfolg und schleuderte die schicksalsgeplagte Familie Belmont erst auf Xbox360 und PS3, später auch auf den heimischen Computer. Kein Wunder also, dass Gabriel Belmonts Geschichte noch lange nicht beendet ist und nun in „Lords of Shadows 2“ weiter erzählt wird.

Wer hat die Stadt auf meine Burg gebaut?!

Lords of Shadow 2 Gabriel

Jeder Morgenmuffel weiß, dass die Menschheit ihm oder ihr am frühen Tagesanbruch aus dem Weg gehen sollte – wie muss sich also Vampirjäger Gabriel Belmont fühlen, als er nach jahrhundertelangem Schlaf in Draculas Schloss erwacht, nur um dann noch festzustellen, dass er auch noch dessen Platz eingenommen hat. Allerdings ist in der dystopischen Zukunft nicht mehr allzu viel übrig von Schloss Eckzahn, stattdessen thront eine futuristische Stadt auf dem Fundament der Burg. Kaputtes Zuhause und die Verwandlung in den dunklen Oberfürst selbst sollten für Gabriel also Grund genug sein, sich den nächstbesten Silberpflock ins Herz zu rammen. Doch auch Erzfeind Satan ist so gut wie zurück von der Totenbahre, wenn niemand seine verrückten Jünger aufhält. Was bietet sich also mehr an als ein letzter Streifzug durch das riesige Schloss (nun Stadt) um mit Satanisten in allen Formen und dunklen Farben rechts und links den Boden aufzuwischen. Die Story geht also, wenn auch Jahrhunderte später, da weiter wo sie aufgehört hat. Wer den ersten Teil allerdings nicht gespielt hat, kann trotzdem direkt mit Teil zwei loslegen und wird lediglich einige Anspielungen verpassen, das übergeordnete Storygestrüpp aber trotzdem entwirren können.

Pack das Übel an der Wurzel – und die eigene Spielevergangneheit gleich mit

Nach dem eher geradlinigen „Lords of Shadows“ überrascht dessen Nachfolger schnell mit einem Schritt Richtung Tradition – das altbekannte Metroidvania-Feeling ist zurück. Soll heißen, man jagt nicht mehr von einem Level zum Nächsten sondern hat, theoretisch, das Ganze Schloss von Anfang an als Schlachtplatz zur Verfügung. So fledermausflügelfrei ist das Abenteuer dann natürlich doch nicht, denn in gewisse Bahnen soll die auf fünfzehn bis zwanzig Stunden angelehnte Handlung ja doch noch gelenkt werden. Stattdessen ist der Weg zum nächsten Abschnitt oft schon erkenn- aber unerreichbar und man muss sich beispielsweise erst ein paar Dämonenflügel anschaffen um breitere Abgründe überwinden zu können. Das Gameplay aber ist größtenteils gleich geblieben. Belmont zieht immer noch in Kratos-Manier durch die Spielabschnitte und vermöbelt mit allerlei Kombos und Waffen unterschiedlichstes Dämonengetier. Der Schwierigkeitsgrad zieht dabei etwas an. Wo zu Beginn simples Knöpfchendrücken noch zum Erfolg führt, müssen später Blocks richtig getimed und Konter genau zwischen die Augen gesetzt werden. Nicht erschrecken, das hält den Anspruch natürlich hoch, im Vergleich zu einem „Ninja Gaiden“ bleibt „Lords of Shadow 2“ aber ein Elternabend im Kindergarten. Combos und Krawall gehen locker von der Hand und erzeugen einen Trieb, der den Spieler nach geschlagener Schlacht erwartungsvoll zur nächsten hetzen lässt. Nicht ganz unschuldig daran ist sicher der winkende Erfahrungsverdienst, der Waffen wie die traditionelle Peitsche, die panzerbrechenden Chaos-Claws, oder das lebensabsaugende Leereschwert, stärker und noch tödlicher werden lässt.

Lords of Shadow 2 Kampf

Ein Schritt nach vorne, zwei nach hinten?

Wo die Kämpfe also auf einem hohen Niveau stagnieren, sollte man die Neuerungen skeptisch sehen. So gibt es nun erstmals Schleichpassagen, in denen Gabriel Belmont an unbesiegbaren Gegnern vorbeihuschen muss. Eine andere Möglichkeit ist selbige hinterrücks zu übernehmen und in deren Gestalt durch die Level zu stapfen. Natürlich sind Neuheiten begrüßenswert, wirklich einfügen ins Spielgefühl wollen sie sich aber nicht. Dass man beispielsweise Gegner immer nur an den dafür vorgesehenen Stellen übernehmen kann, gibt Belmonts Schleichausflügen weniger das Flair eines dunklen Ritters und mehr das einer lahmen Marionette. Statt also für Abwechslung und ein unterschiedliches Spielgefühl zu sorgen, freut man sich bei jedem Schleich-dich-ein am meisten darauf, wenn es endlich vorbei ist. Gleichzeitig schaden die Versteckspielchen des Vampirjägers der Atmosphäre. Denn wo ein Batman alles andere als kugelsicher und damit gezwungen ist manche Gegneransammlungen aus dem Hinterhalt aufzulösen, will es mir als Belmont nicht einleuchten, wieso ich mit ein paar gepanzerten Wachen Schwierigkeiten im Kampf Mann gegen Mann haben sollte, wenn ich einen Abschnitt zuvor eine hochhaushohe Medusa um ihre Schlangenköpfe erleichtert habe. Deshalb wirken die „Komm aus deiner Deckung und du bist tot“-Momente furchtbar aufgesetzt und platt. Eine kleines, aber sehr nettes Feature dagegen: Quick Time Events lassen sich nun beliebig ein- oder ausschalten. Wer also den Kampf gegen ein Bossmonster lieber als Cutscene genießen möchte, statt im richtigen Moment die passenden Knöpfchen zu hämmern, ist hier genau richtig, Puristen dagegen lassen die Funktion einfach an. Und wenn wir schon beim Thema Knöpfchen hämmern sind: Wer sich die PC-Version des Titels vornimmt, sollte auch gleich ein Gamepad mit einstöpseln, denn mit Maus und Tastatur wird die Vampirjagd zu einem Steuerungs-Alptraum.

Lords of Shadow 2 Gabriel und Dracula

Fazit:

„Castlevania: Lords of Shadows 2“ ist ein Nachfolger wie Fans ihn sich wünschen. Jünger des Erstlings bekommen eine Fortführung der Handlung und immer noch ausgezeichnetes „God-of-War“- Gameplay. Wer dieses längst satt hat, ist hier natürlich falsch, war aber auch beim Vorgänger ja längst nicht mehr richtig aufgehoben. Freunde des Erstlings wird es außerdem ein leichtes sein, die neuen, aber überflüssigen Schleichpassagen als Fehlversuch abzuhaken um stattdessen das restliche Spiel zu genießen. Das solide Gameplay, die fantastischen Synchros von Robert Carlyle (Dracula), Patrick Stewart (Zobek) und Jason Isaacs (Satan), sowie die grandiose Musik sollten jeden Möchtegern-Belmont doch zurück ans Gamepad rufen können!

Castlevania: Lords of Shadow 2 ist für Windows PC, Playstation 3 und XBox 360 erhältlich. Zum Test lag uns die XBox 360 Version vor
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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