Castlevania History

Symphony of the Night, Legacy of Darkness, Harmony of Dissonance – wer soll da noch den Überblick behalten? Konami füllt mit seiner „Castlevania“-Reihe und deren Auswüchse fast dreißig Jahre Spielegeschichte aus, da kann man mal den Überblick verlieren. Wir haben uns den Werdegang der Vampirjäger-Saga daher noch einmal angeschaut und natürlich auch die Ausflüge der Familie Belmont in andere Medien unter die Lupe genommen.

Untote Fürsten und entführte Frauen halten die Familie zusammen

Trotz der vielen, vielen Ableger entstammen alle Castlevania-Spiele einem gemeinsamen Kern – die Jagd auf das Oberhaupt aller Vampire, den nicht tot zu bekommenden Fürsten Dracula. Dieser erwacht alle hundert Jahre zum erneuten Unleben und will die Welt ins Chaos stürzen. Diesem Plan im Weg steht zu Beginn lediglich die Familie Belmont. Der Clan hat sich über Generationen hinweg der Vampirjagd verschrieben und ist fest entschlossen dem Grafen mit allerlei Kriegswerkzeug auf den fahlen Leib zu rücken. Neben Weihwasser, Äxten, Wurfmessern und Co. Ist die Peitsche allerdings der Belmonts liebstes Spielzeug und hört auf den treffenden Namen „Vampire Killer“. Das Markenzeichen Indiana Jones ist seit dem ersten Auftritt der Vampirjägerfamilie mit dabei und gab zusammen mit Simon Belmont 1986 ihr Debüt auf dem Super-Nintendo Vorgänger NES. In dem ersten und daher noch simpel betitelten „Castlevania“ machte sich der Belmont-Sprößling auf in Draculas Schloss, um auf den Weg dutzenden Kreaturen der Popkultur und am Ende den Vampirfürsten selbst zur Strecke zu bringen. Der Erstling führte neben Peitsche und Schloss auch viele weitere, der bis heute bekannten Elemente ein. Beispielsweise die zerstörbaren Kerzenhalter, die wurfbereiten Sekundärwaffen und den hohen Schwierigkeitsgrad. Ein Part, der später für viele Teile essentiell werden sollte, vernachlässigte die Reihe allerdings noch: Es gab keine entführte Verlobte zu retten und kein Jungfrauenopfer zu verhindern. Im Laufe der kommenden Titel sollten die Belmont-Nachfahren im Heimatdorf allerdings ihren Ruf weg haben, dass jede Frau, die sich mit ihnen einlässt, gruselfest und nervenstark sein sollte. Ihre Entführungsquote konnte locker mit der von Prinzessin Peach oder Batmans Robin mithalten.

castlevania symphony of the night xbox 360

Symphony of the Night wurde 2007 als Arcade Titel für die XBox 360 veröffentlicht

Die Geburt des „Metroidvania“

Mit Belmonts zweiter Hatz „Castlevania II: Simon’s Quest“ feierte das freie Erkunden seinen Serieneinzug. Die Castlevania-Welt konnte erstmals frei begangen werden, es gab sogar eine Art Oberweltkarte. Das Spiel hetzte einen also nicht mehr von Level zu Level sondern ließ dem Spieler freie Auswahl die fünf Körperteile Draculas in beliebiger Reihenfolge aufzustöbern. Dabei gab es einen Spiel beeinflussenden Tag/Nacht-Zyklus oder auch Gespräche mit NPC’s. Letztere erlangten aber eher unrühmliche Berühmtheit, war die grottige, englische Lokalisation doch so verschroben, das manches Rätsel raten tatsächlich nur ein Raten blieb. Seinen endgültigen Durchbruch als frei begehbares Motivationsmonster mit Rollenspielanleihen sollte die Reihe allerdings erst zehn Jahre später mit „Symphony of the Night“ für die Playstation schaffen. Hier spielte man ausnahmsweise keinen Belmont sondern den Sprössling Draculas namens Alucard. Der erste Playstation-Auftritt gilt als Zenit der Serie in ihren 2-D Scrolling Wurzeln. Der Schauplatz, wieder einmal ein Monster verseuchtes Schloss, bot reihenweise Belohnungen um den Spieler bei der Stange zu halten. Zur gleichen Zeit hatte mit einem großen Skilltree aus levelbaren Waffen und Fähigkeiten ein Batzen Rollenspiel Einzug in die Serie erhalten, der sich von dort an, mal mehr, mal weniger, durch die Serie ziehen sollte. Die zehnjährige Lücke zwischen Simons zweiter Quest und Alucards Fledermaus-Ausflug füllten allerdings noch andere Teile. Darunter fanden sich mit „Haunted Castle“ der erste Arcade-Ableger der Reihe und mit „Kid Dracula“ für den Gameboy sogar ein knuffiges Spin-Off der Untotenjagd. Den Höhepunkt dieser Ära dürfte allerdings „Super Castlevania IV“ für das SNES darstellen, dass durch die neue Grafikpower des NES-Nachfolger effektreiche Landschaften und die berüchtigten drehenden Räume auf den Bildschirm zauberte. Nicht zu vergessen, dass es den Belmonts nun erstmals möglich war ihre Peitsche in acht verschiedene Richtungen zu schwingen – Wahnsinn womit wir damals schon zu begeistern waren.

Zwei Wege führen zum Ziel. Moment. Welches Ziel?

Castlevania Judgment Nintendo Wii

2009 erschien Castlevania Judgment auch für Nintendos Wii

In der Folgezeit des ersten Ablegers für die Playstation bestritt die Serie getrennte Pfade auf Konsolen und Handhelds. Gameboy, Nintendo DS und Co. Boten sich an für weitere 2-D Ausflüge, verfeinerten die bekannten Metroidvania-Elemente wie freies Erkunden und Aufleveln und feierten mit „Circle of the Moon“ oder „Aria of Sorrow“ ihre eigenen Erfolge. Auf den Konsolenriesen dagegen wurde fleißig experimentiert wie sich das Spielgefühl von der zwei- in die dreidimensionale Welt transportieren ließe. Einer der ersten Gehversuche für das Nintendo 64 konnte zwar die großartige Atmosphäre der Serie beibehalten und mit einem tollen Soundtrack überzeugen, musste sich aber in spielerischen Aspekten geschlagen geben. Steuerung und Kameraführung waren katastrophal hakelig und ließen das flüssige Spielgefühl der zweidimensionalen Vorgänger schmerzlichst vermissen. Mit dem Ausmerzen dieser Kinderkrankheiten ließen sich später auch Erfolge auf der Xbox/Playstation 2 feiern, jedoch blieb Konami vor weiteren Fehltritten nicht versehrt. So versuchten sich die Japaner 2009 mit „Castlevania Judgement“ an einem Prügelspiel im Serienuniversum, das spielerisch mau blieb aber besonders durch sein Grafik-Design hochgezogene Augenbrauen provozierte. Durch die vielen, teils parallelen Erscheinungen, mit immer neuen Hauptfiguren und wechselndem Fokus musste der Castlevania-Kanon immer wieder von den Machern glattgebügelt und manche Spiele aus der Historie „entfernt“ oder zu ihr hinzugefügt werden. Trotzdem funktionierte das Nebeneinander auf Konsolen und Handhelds, gerade im mobilen Bereich konnten sich Fans von Teil zu Teil immer wieder auf gelungenes Spielefutter aus dem Hause Konami freuen.

Und wo macht sich die Serie sonst so breit?

Castlevania: The Belmont Legacy

Castlevania: The Belmont Legacy #1

Überraschend, dass die Ausflüge in andere Bereiche sehr überschaubar bleiben und sich meist auf Gimmicks zu den Spielen beschränken. Neben Sammelfiguren und obligatorischen Artbooks in einer Collectors-Edition gab es auch kleinere Trading-Card Games oder mit „Castlevania Puzzle: Encore of the Night“ sogar einen Puzzle Quest-Klon fürs IOS. Größere Ambitionen scheiterten allerdings, Comic-Interpretationen wie „Castlevania: The Belmont Legacy“ blieben seelenloser Lizenzstoff. Geschrieben von Marc Andreyko und gezeichnet von E.J. Su konnte die fünfteilige Serie von IDW nicht überzeugen, erzählte sie nur ein weiteres Mal wie ein Belmont sich aufmacht um Dracula zu pfählen, der, Überraschung, seine Braut entführt hat. Tokyopop bot mit „Castlevania: Curse of Darkness“ eine Manga-Umsetzung des namensgleichen PS2/Xbox-Titels aus dem Jahre 2005 die von Fans zwar gut, von der Kritik aber gemischt aufgenommen wurde. Unter anderem wurde bemängelt, dass mit einem Kind als Hauptcharakter die Serie sich unnötig an junge Leser anbiedern würde, was für die Serie Castlevania überflüssig sei. Seit Crystal Sky Pictures, das Studio hinter den Ghost Rider-Verfilmungen und dem sehenswerten Doomsday, 2005 die Filmrechte erwarb, geistern immer wieder Gerüchte einer Umsetzung fürs Kino umher, die so schwer tot zu kriegen sind, wie Dracula selbst. Dabei wurde immer wieder Paul W. S. Anderson mit dem Film in Verknüpfung gebracht, der bereits mit den Resident Evil-Teilen Kassenerfolge feiern durfte, obwohl er bei Fans und Kritikern stets aufs Neue zerrissen wird.

Bis zum Reboot und noch viel weiter

Mit „Lords of Shadow“ von 2010 und dem gerade veröffentlichten Nachfolger geht Konami wie viele andere den Weg des Reboots. Die Castlevania-Geschichte ist über ihre unzähligen Teile und Ausläufer sicher ungeplant groß und komplex geworden, alles zurück auf Null zu setzen und am Anfang anzufangen ist aber nicht nötig. Das ist aber auch nicht das Ziel von „Lord of Shadows“, es geht lediglich darum das Universum in die Moderne zu katapultieren, auch wenn mancher Fan vielleicht auf der Strecke bleiben mag. Denn das gewohnte Sidescrolling und die freie Welt wurden für ein neues Spielgefühl zurück gelassen, dass sein großes Vorbild in „God of War“ findet. Mit all dessen Stärken und Schwächen. So mögen manche das Hack&Slay-Gameplay des Götter-Griechen vielleicht schon Leid sein, für die Castlevania-Serie allerdings mag dieses Erlebnis, stilecht mit riesigen Bossmonstern, aber wohl eine Frischzellenkur darstellen. Ob das auf Dauer Spaß macht und das alte Spielgefühl transportieren kann bleibt abzuwarten. Sicher scheint, dass nicht nur Dracula schwer tot zu bekommen ist sondern auch „Castlevania“ den Spieler weiterhin auf die Jagd nach ihm schicken wird.

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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