Captain Marvel 1: Alpha Flight

Das Autorinnenduo Michele Fazekas und Tara Butters entwirft in Captain Marvel – Alpha Flight ein rasantes Weltraumabenteuer, das durch seinen lockeren Erzählton überzeugt, jedoch einige Schwächen aufzeigt, wenn es an die Substanz geht.

Die Gefahr aus dem All

Carol Danvers, aka Captain Marvel, zieht es zu den Sternen. Als Kommandantin des Weltraumprogramms Alpha Flight hat sie die Verantwortung für die erste Verteidigungslinie gegen Angriffe aus dem All. Was sich zunächst als schmerzhaft langweiliger Schreibtischjob ausmacht, wird schnell zum Hau-Drauf Spektakel ganz im Sinne der tatkräftigen Superheldin. Denn ein fremdes Raumschiff taucht auf. Die Crew ist schon lange tot, aber das Schiff funktioniert automatisiert und hat es offensichtlich auf Captain Marvel abgesehen. Bald bricht die Hölle los. Denn die mörderische Blechbüchse bekommt Verstärkung von einem zweiten Raumschiff. Dieses hat eine lebende Crew, und die hat eine jahrhundertealte Rechnung zu begleichen. Ein Verräter aus den eigenen Reihen setzt der Station Alpha Flight zusätzlich zu und bald ist nicht nur die Weltraumstation in Gefahr, sondern die ganze Welt.

 

Überzeugende Heldin und maue Nebencharaktere

„Captain Marvel – Alpha Flight“ ist ein unterhaltsamer, temporeicher Comic dem man wirklich nicht vorwerfen kann, dass risikoreiche Kampfszenen zu kurz kommen. Man muss jedoch über einige Schwächen hinwegsehen, um die Story genießen zu können. So sind die Nebencharaktere extrem unterentwickelt. Das Team um Danvers ist zwar handlungstragend und sehr präsent in den Actionszenen. Trotzdem sind die Figuren austauschbar und schablonenhaft gezeichnet – viel mehr als einen Charakterzug (witzig, sarkastisch, wissbegierig und so fort) wird keinem der Kameraden um Captain Marvel zugebilligt. Die schablonenhaften Charakterzüge, mangelnde Handlungsmotivation und geringe Dynamik der Figuren wirken sich auf die Spannung aus, da man sich für das Team kaum interessiert und zumindest mir relativ egal war, ob ihnen etwas zustößt. Danvers als draufgängerische Heldin mit Spaß an saftigen Kinnhaken hingegen ist grundsympathisch und trägt die Story durch ihre Entschlossenheit und kompromisslose Loyalität. Sie bügelt einige Misstöne wieder aus, da es wirklich Spaß macht ihr von einer brenzligen Situation in die nächste zu folgen, auch weil ihre ich-hau-jetzt-einfach-drauf Mentalität so erfrischend ist. Unbedingt komplex ist ihre Figur nicht, aber sie hinterlässt dennoch einen tiefen Eindruck durch ihren schieren Unterhaltungswert.

Schludrigkeit bei der Story

Auch die Handlung hat trotz ihrer Kurzweil und ihrem klassischen Abenteuergeschichtencharme Probleme mit der Nachvollziehbarkeit. Einige Handlungsstränge werden einfach ungelöst fallengelassen, wenn sie für das Fortkommen der Story ausgedient haben. Ein Beispiel: Nachdem Captain Marvel Kontakt zum fremden Raumschiff hatte und nach dessen Angriff geschwächt ist, halluziniert sie, wird gewalttätig und bringt ihr Team in Gefahr. Zum Schutz wird sie ins Gefängnis der Raumstation gebracht und ihre Wahnvorstellungen untersucht. Durch diese erfahren wir in netter Exposition warum die bösen Aliens so böse sind – ein Aha-Moment. Ohne, dass geklärt wurde ob Carol Danvers weiterhin eine Gefahr für ihre Crew darstellt ist sie plötzlich wieder frei und einsatzbereit und kann ihren Widersachern durch ihr neues Wissen besser entgegentreten. Zwar leidet sie noch unter anderen Folgen des Angriffs, aber die Halluzinationen sind magisch verschwunden und kehren auch nie wieder. Diese Folgenlosigkeit mancher Konflikte lässt die Story stellenweise mechanisch wirken. Es geht nicht darum, die Geschichte nachvollziehbar zu erzählen, sondern die Informationen B, C und D herauszufinden um die Story weiterzutreiben. Schade, denn der lockere und humorvolle Erzählton sorgt für ein spaßiges Leseerlebnis, das durch solche Schlampereien unnötig getrübt wird.

Schlichte Strichführung und knallige Farben

Die Zeichnungen von Kris Anka und Felipe Smith sind solide, aber nicht überragend. Captain Marvel verleihen sie ein fast schon katzenhaft verschmitztes Mienenspiel und die Strichführung ist schlicht, aber elegant. Details werden zurückhaltend eingesetzt, wodurch die Zeichnungen effizient und „clean“ wirken. Stellenweise werden Charakterdarstellungen auf eine Art verfremdet, wie man sie aus dem Manga kennt und die hier nicht zwingend zur Ästhetik passt. Die ein oder andere Körperhaltung wirkt auch noch sehr steif und ungelenk. Die Farbgebung von Matthew Wilson hingegen ist sehr gelungen. Seine kontrastreichen, knalligen Farben wirken besonders im Weltraumsetting anregend und geben dem Comic eine schönen Retro-Look.

Fazit

Captain Marvel – Alpha Flight ist eine leicht verdauliche Abenteuergeschichte, die mit viel Kurzweil für angenehme Unterhaltung sorgt. Die streckenweise etwas unausgegorene Handlung und eindimensionale Charakterisierung sind jedoch ärgerlich. Als entspannte Feierabendlektüre für Actionliebhaber ist der Comic sehr gut geeignet, höhere Ansprüche sollten an die neuen Abenteuer von Captain Marvel jedoch nicht gestellt werden.

zur Leseprobe
„Captain Marvel 1: Alpha Flight“ von Michele Fazekas, Kris Anka und Tara Butters erscheint bei Panini im Softcover, 12,99€, 116 Seiten.
M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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