Captain America: Steve Rogers 1 – Im Zeichen der Hydra

Cap is back! Mit neuem Schild und neuem Kostüm schwingt sich der neue, alte Steve Rogers zurück in die Schlacht gegen Hydra – während Freunde wie Sam Wilson und Sharon Carter nichts davon ahnen, welches Geheimnis Cap vor ihnen verbirgt.

Make Captain America young again!

Schon eine ganze Weile hat Steve Rogers, auch ohne die stärkende Wirkung des Superheldenserums, versucht seinen Job zu machen. Titel und Schild an seinen langjährigen Freund Sam Wilson überreicht, half der vergreiste Rogers als SHIELD-Agent dennoch wo er konnte. Selbstverständlich, dass aber auch diese Etappe nicht die Letzte für Rogers sein würde. Und ausgerechnet mit der Hilfe des kosmischen Würfels, eigentlich die liebste Waffe seines Erzfeindes Red Skull und im Moment manifestiert in dem jungen Mädchen Kobik, hilft ihm dabei wieder auf die Sprünge zu kommen. Alles also beim Alten, Cap gesundet und bereit wieder in die Vollen zu gehen? Ja und Nein, denn natürlich warten zwar dutzende Hydra-Schergen, angeführt von Baron Zemo, auf eine Abreibung. Und dennoch scheint in Rogers eigener Vergangenheit, seinen Kindertagen, etwas im Argen zu liegen.


Schnelle Action in schönen Bildern

Für Autoren ist es immer eine besondere Herausforderung den Zuschlag für eine populäre Figur zu bekommen, denn gemessen an dem riesigen Erbe der großen Helden ist es leicht nur einer unter vielen zu bleiben; Man denke nur daran wie viele Schreiberlinge sich über die Dekaden an Batman zu schaffen gemacht haben und wie viele Namen und Runs wieder vergessen wurden. Das kann durchaus einschüchternd sein, Autor Nick Spencer („Morning Glories“) lässt sich hier allerdings wenig beeindrucken und zeigt vollstes Selbstbewusstsein. Sicher hat ihm der sanftere Übergang geholfen, schließlich zeigte sich Spencer zuletzt ja auch für Sam Wilsons Auftritt als Captain America verantwortlich. So bedient sich der Autor für seinen Einstieg bei den bekannten Zutaten, um den gewünschten Geschmack zu erreichen: Hydra-Agenten, Terroranschläge die es zu verhindern gilt, Baron Zemo und der Red Skull (besonders letzterer erreicht in seinen besten Momenten die komödiantischen Level von Spencers „Superior Foes of Spider-Man“), all das action-orientiert erzählt und von Jesus Saiz in einer farbenfrohen Optik realisiert, die „Comic“ nur so schreit. Das sollte es auch leichter machen sich nicht nur mit dem neuen Kostüm, sondern auch dem gewöhnungsbedürftigen Neuentwurf des Schildes zu arrangieren. „Captain America: Steve Rogers“ könnte also simpel mit „Guter Start“ beschrieben sein, über die Kern-Elemente, die Spencers Serienstart ausmachen, ihm ein besonderes Profil verleihen, welches vielleicht nicht jedem schmecken dürfte, lässt sich allerdings kaum reden ohne auf einige Enthüllungen dieser ersten Ausgaben einzugehen. Wer ein wenig die News der Comic-Welt verfolgt, dürfte bereits ahnen worum es geht und kann getrost weiterlesen – Jeder, der sich absolut unvoreingenommen an den neuen Captain machen will, sollte direkt zum spoilerfreien Fazit weiterspringen.


Steve Rogers und die neue Weltordnung (MILD SPOILERS)

Das Captain America schon immer eine, wenn nicht sogar DIE politischste Figur des Marvel-Universum war, äh … DUH. In seinem Ursprung als Propaganda-Instrument im zweiten Weltkrieg erdacht und von späteren Autoren zum Gewissen Amerikas umgemünzt ist Cap eine Figur die wohl nicht NICHT politisch sein kann. Dabei ist hier nicht die Rede davon, dass jeder Autor mit der Idee einer politischen Geschichte an die Arbeit gehen muss, lediglich, dass sich Cap in kaum einer Inkarnation, ob action-reicher oder politisch-brisanter, seiner Rolle als Spiegel des (amerikanischen) Tagesgeschehen entziehen kann. Mit all diesen Gedanken im Hinterkopf, scheint Nick Spencers Captain America, der kaum überraschende Sturm im Internet-Wasserglas über die Enthüllung von Rogers Hydra-Kontakte und das Einbinden der neu erstarkenden Rechte in die Geschichte selbst, ein unverkennbares Kind des vorherrschenden politischen und medialen Klimas zu sein. Wenn der Red Skull in einer fast zweiseitigen Rede seine Jünger adressiert und dabei von Flüchtlingskrise, Verrat durch die Reichen, Schutz des Volkes und dem Untergang der abendländischen Kultur spricht, zwingt dies den am politischen Tagesgeschehen interessierten Leser dazu sich zu diesen Aussagen zu positionieren. Spencer erzählt einen Superheldencomic von Gut und Böse und keine Dokumentation über die grauen Zwischentöne der politischen Welt, wenn also mit dem Red Skull der klar gesetzte Bösewicht und Massenmörder eben diese Argumente in den Mund nimmt, ist wohl zu erwarten, dass dies dem ein oder anderen Leser wohl sauer aufstoßen könnte. Und dennoch ist dieser Weg absolut löblich, ist es besser, dass Spencer eine klare Position bezieht, zu der man sich evtl. lieber abgrenzen und den Comic abstrafen will, als dass er sich in einem politischen Niemandsland positioniert, das einer Figur wie Captain America in ihrem dümmlich-naiven Pro US-Ton öfter geschadet als geholfen hat. Der Hype um Rogers Hydra-Liaison erweist sich dagegen als absolut unnötig. Ja, natürlich sind die Worte „Hail Hydra“ aus dem Mund des Captains ein ungewohntes und schockierendes Bild, aber von dem Ruinieren der Figuren-Historie geht man wohl nur aus, wenn man noch nie vorher einen Comic in der Hand hatte. Wir sind so vieles seit so vielen Jahrzehnten gewohnt, Cover die einen fetten Superman, ein Batman und Joker Team-Up oder einen Captain America Werwolf versprechen; und wie kaum ein anderes Medium liefern gerade Comics doch regelmäßig die simpelsten Begründungen für genau dieses spaßige Gerüttel am Status quo. Wer sich hier also groß darüber aufregt wie „falsch“ ein Hydra-Captain America ist, der verschwendet eindeutig seinen Atem.

Fazit:

Nick Spencers und Jesus Saizs „Im Zeichen der Hydra“ ist eine topaktuelle, stellenweise hochpolitische Inkarnation, der Jahrzehnte alten Figur. Das Kreativteam ist auch stets darum bemüht, den Spaß im Vordergrund zu halten, Spencer mit seinem eher lockeren Schreibstil scheint dafür auch genau der Richtige (auch wenn hier noch etwas Luft nach oben ist, bis er wieder das Niveau seines tollen „Secret Avengers“ erreicht). Und dennoch ist es lobenswert, dass sich die Serie im aktuellen Gesellschaftsbild lieber positioniert statt eine heile Welt zu inszenieren, die unrealistischer wäre als es rotschädelige Superbösewichte und gigantische Kampfpanzer je sein könnten. Natürlich, gerade Superheldencomics sollen Eskapismus vom komplizierten, deprimierenden Weltgeschehen sein dürfen – aber bei einer aufgeladenen Figur wie „Captain America“ wo sich diese Naivität gerne mal als Schuss ins eigene Schienbein herausgestellt hat, darf man wie hier auch gerne Mal eine Ausnahme machen.

„Captain America: Steve Rogers 1 – Im Zeichen der Hydra“ von Nick Spencer und Jesus Saiz erscheint bei Panini im Softcover, 100 Seiten, 12,99€.
Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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