Caliban

Inspiriert von Alien entwickelte Garth Ennis ein eigenes Weltraum-Horror-Szenario.

Im Hyperraum hört dich keiner schreien

Eigentlich sollte der Transport einiger Minenarbeiter durch den Hyperraum eine Routinemission für die Besatzung der Caliban sein. Doch dann geschieht das Undenkbare. Die Caliban kollidiert mit einem fremdartigen Raumschiff. Als die Crew, das andere Schiff inspiziert, ahnen sie noch nicht, welcher Schrecken dort lauert. Der Einsatz wird zu einem gnadenlosen Kampf ums Überleben.

Funkst Du noch oder stirbst du schon?

Die beklemmende Weltraum-Atmosphäre offenbart schnell, dass sich Garth Ennis von Ridley Scotts Alien aus dem Jahre 1979 inspirieren ließ. Doch der Ire fügt genügend eigene Ideen hinzu, um sich vom Plagiatsvorwurf schnell freizusprechen. So unterscheidet sich die Besatzung des außerirdischen Raumschiffs eklatant von dem mörderischen Biest auf der Kinoleinwand. Und auch das eigentliche Grauen ist ein ganz anderes als man es erwarten würde. Garth Ennis machte zuletzt häufig durch besonders brutale Comics wie Crossed von sich reden. Diesmal schraubt Ennis die Splattereinlagen deutlich zurück, was der beklemmenden Atmosphäre zugutekommt. Da sich die Figuren hauptsächlich über Funk unterhalten, wird es dem Leser schwer gemacht, zu den Figuren eine Bindung aufzubauen. Gerade die Konflikte innerhalb der Crew sind kaum nachvollziehbar, da die Dialoge häufig nur in Textboxen stattfinden, bei denen der Bezug zur Figur nicht hergestellt werden kann. Darüber hinaus baut Ennis eine lesbische Beziehung in die Handlung ein, die zum einen vollkommen konstruiert und zum anderen sehr unnötig wirkt. Lässt man diese Nebenschauplätze Außeracht, bekommt man eine spannende Science-Fiction-Survival-Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen punktet.

Nackig, blutig, schleimig

Facundo Percio ist nicht zu beneiden. Allein der eingeschränkte Handlungsrahmen könnte einen Künstler in den Wahnsinn treiben. Doch Percio macht aus der Not eine Tugend. Wenn schon die grauen Gänge der Raumschiffe wenig hergeben, gibt er sich bei den Außerirdischen besonders viel Mühe. So findet man zahllose Kreaturen, die ihresgleichen suchen. Besonders Fans des von H.P. Lovecraft erdachten Cthulhu-Mythos werden bei einigen der Tentakelwesen vor Entzückung jauchzen. Die wohldosierten Schockmomente bringt der Künstler drastisch zu Papier. In den Gewaltszenen fließt reichlich Blut und auch vor nackten Details schreckt der Künstler nicht zurück. Gerade letzteres ist für das eher prüde Amerika eine gewagte Provokation. Die Darstellung der menschlichen Figuren ist weniger gelungen als die außerirdischen Pendants. Die Gesichter scheinen in die Länge gezogen und gerade die Augenpartie fällt oft überproportional groß aus. Eventuell wollte Percio dadurch die von Grauen geweiteten Augen visualisieren, in der Summe wirkt es jedoch übertrieben und störend.

Fazit

Garth Ennis Alien Variante entpuppt sich als stimmungsvoller Horrorcomic mit kleineren Schwächen. Eingefleischte Ennis Fans könnten von der im Vergleich zu seinen anderen Werken geradezu ruhigen und harmlosen Art enttäuscht sein. Wer jedoch auf schwarzen Humor und pausenloses Gemetzel verzichten kann, wird mit diesem Ausflug in den Hyperraum eine unterhaltsame Lektüre haben.

Caliban von Garth Ennis und Facundo Percio ist bei Paninicomics als Softcover erschienen. Preis: 19,99€ Umfang 180 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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