Black Panther 1: Ein Volk unter dem Joch

Ta-Nehisi Coates‘ Black Panther – Ein Volk unter dem Joch erzählt packend von den explosiven Unruhen im Königreich Wakanda. Besondere Sorgfalt widmet der Autor der Darstellung neuer, spannender Charaktere. Den Titelhelden lässt er hingegen ziemlich blass aussehen.

Keine friedlichen Zeiten

T’Challa mag an Verstand und Stärke unübertroffen sein, seiner Doppelrolle als Superheld und König von Wakanda kann er jedoch kaum gerecht werden. Denn das hochtechnologisierte Wakanda ist trotz seines unfassbaren Wohlstands eine zutiefst gespaltene Nation. Tiefe Gräben ziehen sich zwischen Fortschrittsglauben und Tradition, Stadt und Land, Reich und Arm. T’Challa möchte das Volk wieder einen und das Land in friedlichere Zeiten führen, doch sein eigenes Volk ist ihm völlig fremd. Aufgewachsen im Überfluss und umgeben von Beratern, die den Status quo beibehalten wollen, versteht er die Sehnsucht der kleinen Leute nach Wandel nicht. Für sie ist er ein ferner Herrscher der sie nicht vor Unterdrückung schützt, ja sogar selbst Teil des für sie bedrohlichen Systems ist. So dauert es nicht lange bis die Konflikte eskalieren und Wakanda an der Schwelle zur Revolution steht.

Politische Haltung und beißende Gesellschaftskritik

Autor Coates entwirft ein spannendes und vielschichtiges Gesellschaftsbild der afrikanischen Supernation Wakanda. Schnell findet man sich zurecht im sorgfältig entworfenen Ränkespiel verschiedenster Interessensparteien und versteht, warum es in dem autokratisch regierten Land mit Anspruch auf Moderne heftig brodelt. Als zentraler Kontrastpunkt verdeutlichen das ländliche und das städtische Leben, die Unterschiede zwischen Arm und Reich, Habenden und Nicht-Habenden. Während Teile der Bevölkerung ständiger Gewalt und Not ausgesetzt sind und kaum mehr besitzen als die Kleidung, die sie am Leib tragen, ist Birnin Zana, die Goldene Stadt, an Dekadenz kaum zu übertreffen. Glaspaläste ragen in den Himmel und technologische Mittel zur Selbstoptimierung scheinen keine Grenzen zu kennen. Dieses ohnehin wackelige gesellschaftliche Fundament wird weiter untergraben, denn unterdrückerische Machtstrukturen auch auf kleiner Ebene werden von der Regierung gedeckt. Diese sehr explizite Darstellung von Unterdrückung und Ungleichheit in einer reichen Konsumgesellschaft machen den Comic brandaktuell. Scharf wird politische Stellung bezogen und Probleme, die global Entwicklungsländern wie auch Industrienationen zu schaffen machen werden klar angesprochen. Die entschlossene aktivistische Grundhaltung ist erfrischend kritisch, auch im Umgang mit den verschiedenen Rebellengruppen, und veredelt die spannende Unterhaltung mit Nahrung für das Matschhirn.

„The starving panther“ – Ein unentschlossener Held umgeben von Feinden

Black Panther – Ein Volk unter dem Joch führt viele neue Figuren ein, die meist lebhafter charakterisiert werden als der Titelheld. Besonders die desertierten Elitekriegerinnen Ayo und Aneka begeistern als überzeugte Rebellen. Sie befreien unterdrückte Frauen, werden zu Anführern einer ganzen Protestbewegung und sagen grausamen Warlords den Kampf an. Weniger sympathisch, aber ebenso faszinierend ist der Schamane Tetu. Er erhebt sich ebenfalls gegen T’Challas Herrschaft, seine Motive bleiben aber undurchsichtig und auch vor Attentaten macht er keinen Halt. Diese und weitere Figuren machen Lust auf mehr. Sie entwickeln sich stetig und zeigen immer neue Facetten, die die Neugier anregen. T’Challa jedoch bleibt weitgehend statisch. Er ist ein unentschlossener Herrscher. Einer, der an sich zweifelt und im Notfall eher draufhaut als Fragen zu stellen – um sich dann hinterher zu überlegen, ob es eine andere Lösung gegeben hätte. Immer wieder gibt es Anspielungen auf große Opfer, die er für sein Volk erbracht hat, doch nichts wird konkretisiert. So ist er ein Held, mit dem man kaum mitfiebert. Der Autor zeigt eine deutlich größere Begeisterung für Figuren, die aktiv ihre Visionen verfolgen und vernachlässigt den noch zaudernden Black Panther leider etwas. Auf eine tiefgreifende Entwicklung T’Challas wird allerdings schon munter hingedeutet, was optimistisch stimmt. Bleibt zu hoffen, dass die Folgebände dann auch liefern und Black Panther wieder stärker in den Fokus gerückt wird.

Markante Zeichnungen mit knallenden Farben

Die Zeichnungen von Brian Stelfreeze überzeugen durch ihre markante, expressive Linienführung und die innovativen Character Designs. Auch die futuristischsten Rüstungen binden Elemente afrikanischer Tradition ein, oft durch subtile Anspielungen auf Gesichtsbemalungen und raffinierte Muster. Auch arbeitet er stark mit Schatten und schafft so eine mystisch-entrückte Atmosphäre. Die Spiritualität und Sinnsuche, die auf der Inhaltsebene immer wieder thematisiert werden, schlagen sich so auch im Visuellen nieder. Auch die Farbgebung von Laura Martin und Matt Milla ist ein Augenschmaus. Die Farben leuchten geradezu und kontrastieren so nicht nur mit den Schatten, sondern auch miteinander. Weit entfernt von einem planlos bunten Kuddelmuddel ziehen sich gewisse Farben wie Motive durch verschiedene Handlungsstränge und tragen ihren Teil bei zur Charakterisierung der Handlungsorte und Figuren. All diese Stilelemente fügen sich zu einem beeindruckenden Ganzen zusammen, das durch seine Dramatik und Ausdruckskraft überzeugt.

Fazit

Black Panther– Ein Volk unter dem Joch ist spannend, anregend und überraschend politisch. Da sich Action und Anspruch eine gesunde Balance halten, dürfte eigentlich für jeden was dabei sein. Wer aber ein Hardcore Black Panther Fan ist könnte enttäuscht werden durch das schwache Profil, das vom Titelhelden selbst gezeichnet wird.

zur Leseprobe

„Black Panther 1: Ein Volk unter demm Joch“ geschrieben von Ta-Nehisi Coates, gezeichnet von Brian Stelfreeze, erscheint bei Panini Comics im Softcover, 14,99€, 108 Seiten.
M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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