Big Man Plans

Eric Powell erzählt in seiner typischen Art eine blutige Rachegeschichte.

Ein verhängnisvoller Brief

Als der kleinwüchsige Big Man einen Brief von seiner ersten großen Liebe bekommt, fasst er einen Plan und begibt sich auf eine blutige Rachemission. Durch sein hartes Leben und den Schrecken des Vietnamkriegs wurde er zu einem skrupellosen Killer,Big_Man_Plans_Szene den man lieber nicht zum Feind haben will. Eine Erkenntnis, zu der seine Drangsalierer aus der Kindheit viel zu spät kommen.

Hart, kompromisslos und blutig

Vielen ist Eric Powell durch seinen grobschlächtigen Schläger The Goon ein Begriff. Wegen seines abgedrehten Humors und seiner besonderen Art des Erzählens hat sich Powell eine kleine, aber feine Fangemeinde erarbeitet. Den Ton, den der Autor aus Tennessee hier anschlägt, ist deutlich härter. Gemeinsam mit Ko-Autor Tim Wiesch werden die Grenzen des Erträglichen ausgelotet und teilweise sogar überschritten. Egal, ob man die kleinwüchsige Hauptfigur bei seinen Einsätzen in Vietnam begleitet oder Zeuge seines Rachefeldzug ist, die Themen sind harte Kost, die schonungslos serviert wird. Und trotz seiner brutalen Vorgehensweise ist der Antiheld Big Man noch der Sympathischste des breitgefächerten, aber durchaus klischeehaften Figurenensembles. Sicherlich erfinden Powell und Wiesch die Rachegeschichte nicht neu und auch der Brief, den Big Man erhält, ist ein typischer MacGuffin, also ein Objekt, das nur dazu dient, die Handlung voranzubringen. Aber darauf kam es den Autoren vermutlich gar nicht an. Big_Man_Plans_CoverEs entsteht eher der Eindruck, dass man die Brutalität von Seite zu Seite immer weiter steigern wollte. Das Ergebnis wird also vor allem Fans von blutigem Splatterszenen ansprechen. Wer jedoch Wert auf Figurenentwicklung, moralische Zwickmühlen oder feinfühliges Erzählen legt, wird von Big Man Plans eher enttäuscht sein.

Schonungslose Augenweide

In den Bildern von Eric Powell liegt immer eine gewisse Leichtigkeit. Sein lockerer Strich, der teilweise geradezu skizzenhaft wirkt, lässt auch die verrücktesten Dinge irgendwie leicht wirken. Schnell könnte man die Akribie von Powell übersehen. Wenn er die grausamen Szenen aufs Papier bannt, wird deutlich, wie detailliert seine Bilder eigentlich sind. Doch gerade in den Foltersequenzen wünscht man sich regelrecht etwas weniger Details. Auch visuell wagt sich Powell in die Grenzgebiete des amerikanischen Comics, wo man bekanntlich mit Gewalt eher weniger Probleme hat, dafür aber bei nackten Tatsachen schnell die Sittenwächter aus ihren Höhlen lockt. Umso erstaunlicher sind die Zeichnungen, in denen der kleinwüchsige Antiheld nackt und unverhüllt dargestellt wird oder ein amputierter Penis durchs Panel fliegt. Powell gibt sich wenig Mühe die Hintergründe seiner Bilder auszugestalten. So rücken die grausamen Szenen noch mehr in den Fokus und entwickeln ihren Schrecken umso intensiver.

Fazit

Big Man Plans ist nichts für schwache Nerven. Wer The Goon liest, kennt die merkwürdigen Ideen, die Eric Powell in seine Geschichten einbaut. Diesem Comic fehlt jedoch der satirische Humor, der die Gewalt bei The Goon in eine cartoonartige Persiflage verwandelt. Hier gibt es die geballte Ladung einer brutalen Rachefantasie, die es problemlos mit Torture-Porn Filmen wie Hostel aufnehmen kann.

Big Man Plans von Eric Powell und Tim Wiesch ist bei Panini Comics als Softcover erschienen. Preis 16,99€ Umfang 124 Seiten
Marcus Koppers

Author: Marcus Koppers

Durch verschiedene Comicverfilmungen habe ich das Medium relativ spät für mich entdeckt. Seit dem bin ich besonders den Superhelden verfallen. Aber auch alle andere Geschichten die die Eigenheiten des Mediums nutzen können mich begeistern.

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