Batman – Die Pforten von Gotham

Die frühen Tage von Comic-Figuren, ob Antagonist oder strahlender Held, fallen meist nicht sehr rosig aus. Tote Eltern, zerstörte Heimatplaneten oder ein unfreiwilliges Bad in chemischen Abwässern sind da keine Seltenheit. Verständlicherweise hat Gotham City, Schauplatz so vieler Verbrechen, genügend ähnlich dunkle Vergangenheiten, dass es für drei Batmans langen würde. Eine dieser Vergangenheiten und ihre Nachwehen werden  Batman und seine drei Juniordetektive jetzt deutlich zu spüren bekommen.

Extrablatt: Der Terror aus der Tiefe greift an!

Drei Batmen ist genau das richtige Stichwort, schließlich braucht es die geballte Detektivkraft von Dick, Tim, Damian und Cassandra Cain, um mit dem „Architekt“ fertig zu werden. Dieser, einen altertümlichen Tauchanzug tragende Terrorist, macht die Straßen oder besser gesagt Infrastruktur Gothams unsicher. Brücken, Häuser, Nachtclubs; ein geschichtsträchtiges Gebäude nach dem Anderen fällt den Sprengstoffanschlägen des neuen Feind zum Opfer. Dabei ist das Wissen um Gothams Vergangenheit der Schlüssel, um dem Architekten auf die Schliche zu kommen. Auf welche Weise steht das Vermächtnis der Waynes, mit den Anschlägen in Verbindung und um was genau handelt es sich bei den titelgebenden Pforten von Gotham?

Eins plus mit Sternchen

Meine letzten Reviews konnten den Eindruck erwecken, dass ich aktuell nur schwer zufrieden zu stellen bin. Das Eine zu oberflächlich, das Andere zu uninspiriert, immer gab es bei den letzten Titeln etwas zu meckern, wenn auch manchmal auf hohem Niveau. Um das Fazit an dieser Stelle Vorweg zu nehmen: Bamtan – Die Pforten von Gotham ist fantastisches Lesevergnügen auf höchstem Niveau. Schön zu sehen, dass zwischen schwarzen Rachestorys und Superhelden-Tie-ins gerade eine in sich geschlossene Batman-Geschichte so überzeugen kann und den meisten Spaß auf den Lesetisch bringt. Scott Snyder, Autor der Batman- und Swamp Thing Serie nach dem DC Relaunch, zeigt hier sein volles Potenzial und macht mehr als deutlich, wieso sein „Court of Owls“ Story Arc gerade mit Lob überhäuft wird.

Guano-geölt in die Vergangenheit

Trockene Geschichtsstunde war gestern, denn Snyder beleuchtet die Vergangenheit Gotham Citys, wie kaum einer vor ihm. Die Handlung teilt sich dabei in zwei Abschnitte, einmal das aktuelle Geschehen rund um den Architekten und dessen Anschlagsserie sowie eine in Tagebuchform gehaltene Erzählung um zwei Brüder, welche, mithilfe etablierter Familien wie der Waynes, zu den Star-Architekten Gotham Citys aufstiegen, um dem Panorama der Stadt für immer ihren Stempel aufzudrücken. Diese Rückblenden sind das A und O der Geschichte, entblättern sie doch Schicht für Schicht das Geheimnis des Architekten und fesseln den Leser so bis zur letzten Seite ans Geschehen. Gleichzeitig bekommt man einen Einblick in die früheren Tage Gothams und kann mitansehen wie früh bereits der Grundstein für Korruption und Verbrechen in dieser Stadt gelegt wurde. Dies arbeitet sich einmal mehr zu einem Alleinstellungsmerkmal der Batman-Reihe heraus und zeigt so den großen Vorteil des Schauplatzes im Vergleich zu jeder anderen Superheldenheimat. Wo Barry Allen und Superman wohl problemlos ihr Revier tauschen könnten, ist der Mantel Batmans wohl für immer an Gothams dunkle Straßenzüge gebunden.

Wie sich Gotham, die rüstige Lady, präsentiert

Bei der Präsentation bliebe Trevor McCarthys, den einige vielleicht von seinem Nightwing-Run kennen, kantiger Stil zu erwähnen. Dieser ist angenehm unverbraucht und fügt sich gut in das Batman-Universum ein, besonders sehr markante Figuren wie der Pinguin mit seinem Haifischgrinsen oder Comissioner Gordon mit seiner übergroßen Brille profitieren davon. Kurioserweise verwischen dadurch die Unterscheide bei seichten Gesichtszügen. So erwecken Dick, Damian und Tim den Eindruck sie seien allesamt Brüder, zwischen denen vielleicht vier Jahre liegen. Ausgleichend dazu sind die an alte Fotografien erinnernden Rückblenden mehr als gelungen und trotz der Farbarmut toll anzusehen. Nettes Detail: Gotham-City wirkt selbst in diesen farbarmen Zeichnungen heller, fröhlicher und weniger Verkommen als sein Pendant in der Gegenwart.

Fazit

Auch wenn die Auflösung in „Die Pforten von Gotham“ manchen Leser vielleicht nicht ganz zufrieden stellen wird, bekommt das Buch eine ganz klare Kaufempfehlung. Die fünfteilige Geschichte lebt getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“, denn zu verfolgen wie Batman und Co dem Geheimnis des Architekten langsam auf die Spur kommen, ist verdammt gelungen und lädt auch zum mehrmaligen Lesen ein.

Zur Leseprobe

Batman – Die Pforten von Gotham von S. Snyder, K. Higgins, R. Parrott, T. McCarthy, G. Nolan, D. Donovan, D. Nguyen mit 116 Seiten im Softcover erscheint bei Panini Comics. Preis 14,95 Euro.

 

 

 

Simon Traschinsky

Author: Simon Traschinsky

Seit ich denken kann eigentlich Zocker, Brettspieler und passionierter Filmliebhaber, erwachte mein Interesse für das Medium Comic unglaublich spät – aber auch mit zwanzig Lenzen aufem Buckel war Nolans "The Dark Knight" so faszinierend, dass er mir die Tür zur Welt der Bildergeschichten öffnete – und ich nach dem hindurchschreiten meinen Augen nicht trauen konnte. Jahre später bin ich verloren, hole Klassiker nach, genieße Aktuelles, entdecke für mich immer noch neues, unbekanntes Terrain. Ob Gail Simones "Secret Six", Robinsons "Starman" oder Brubakers "Captain America": Von Ermüdung keine Spur, Autoren und Alben ringen wieder und wieder um den ersten Platz in meinem Fan-Herzen – und das mit Erfolg.

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3 Kommentare

  1. TheDoctor

    Danke für die Review! War schon am Überlegen mir den Band zu holen, weil Scott Snyder cool ist und sich das Thema echt gut anhört. Jetzt hab ich definitiv entschieden den Band zu besorgen. Super Entscheidungshilfe!

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  2. Simon Traschinsky

    Danke fürs Feedback. Schön zu hören, dass meine Review bei der Entscheidung helfen konnte.

    Dann wünsch ich dem Doctor, dass er mit „Die Pforten von Gotham“ genauso viel Spaß hat wie ich! 🙂

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  3. TheDoctor

    So, hab den Band gelesen! Ich fand ihn auch sehr gut. Besonders der Steampunk Touch von den Taucheranzügen und die Zeichnungen aus der Vergangenheit haben mir echt gut gefallen. Ich mag diese „Superhelden in der Vergangenheit“ Stories wie Gotham by Gaslight ziemlich gerne und könnte da auch mehr vertragen.

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