Comic Book Girl #2: Neffwings Mangas

Comicgirl_slider

Jeder richtige Superheld hat seinen Nemesis. Wolverine und Sabretooth. Superman und Lex Luthor. Batman und Joel Schumacher. Auch ich hatte jahrelang einen Erzfeind. Den Manga. Nie konnte ich dem für mich fremden Zeichenstil und den teilweise doch sehr skurrilen Geschichten etwas abgewinnen. Ich hatte Vorurteile, obwohl ich selbst als Comicleserin gegen diese anzukämpfen hatte und noch immer habe.

So war ich auch immer irritiert, dass es sich die Manganeuheiten bei uns im Seetroll auf einem Tisch gemütlich machen dürfen, während die von mir heiß geliebten Panini-Heftchen in Reih und Glied im Regal stehen müssen. Ja, klar, Splitter, Salleck und alle anderen westlichen Comics haben eine Regalwand für sich, aber die Mangas nehmen drei Drehständer ein. Die stehen mitten im Raum!

Als mir mein Chef dann auch noch den Auftrag gab, die Ständer aus- und geordnet wieder einzuräumen, habe ich kurz darüber nachgedacht, einen Alienangriff in Konstanz vorzutäuschen und zu behaupten, meinem Team zu Hilfe eilen zu müssen. Dann fiel mir ein, dass ich meine High-Tech-Rüstung an diesem Tag leider zu Hause vergessen hatte und gab mich meinem Schicksal hin.

Inzwischen kann ich die Raumaufteilung verstehen und mit dem Neuheiten-Tisch – sagen wir einmal, leben. Und bei mir zu Hause habe ich einen Extraplatz in meinem Comicregal nur für meine Mangas. Was ist geschehen?

Inio Asano ist geschehen. Asano ist ein japanischer Mangaka, aus seiner Feder stammen die Serie „Gute Nacht, Punpun“ und der Zweiteiler „Solanin“. Beim Lesen von Punpun fiel mir zum ersten Mal auf, dass es tatsächlich verschiedene Zeichenstile gibt und die asiatischen Comics nicht nur aus kurzen Röcken, übertriebenen Kämpfen und abgefahrenen Charakteren bestehen. Eine neue Welt tat sich mir auf. So muss sich Hal Jordan gefühlt haben, als er zum ersten Mal von seinem Ring nach Oa gebracht wurde.

Am Tag, als ich zum ersten Mal die Mangaständer ordnen musste, konnte ich mir kaum die Titel merken. Das war vor einem Monat. Inzwischen weiß ich von fast jeder Serie, die wir im Sortiment haben, bei welchem Verlag sie erscheint, wo sie zu finden ist und auch wenn ich natürlich nicht alle gelesen habe so kann ich sie einem Thema zuordnen.

Ich lese natürlich nicht mehr nur Geschichten von Inio Asano, sondern habe bei uns im Seetroll neben „Gute Nacht, Punpun“ auch Abos auf Motoro Mases „Ikigami“, Kiyohiko Azumas „Yotsuba&!“ und „Resident Evil“ und lechze geradezu wie ein drogensüchtiger Speedy nach dem Stoff von Tsugumi Ohba und Takeshi Obatas Must-Reads „Death Note“ und „Bakuman“.

Ich habe mir selbst als Ziel gesetzt, mich in den nächsten paar Wochen und Monaten zum Profi über unser Manga-Angebot zu machen. Solche Ziele sind für mich wichtig. Natürlich stellt mich mein Chef auch vor Herausforderungen und gibt mir Aufträge, aber ich will nicht immer warten, bis er mich in die richtige Richtung schupst, sondern selbst merken, wie ich mich nützlich einbringen kann.

Im Moment stehe ich immer noch ein bisschen doof daneben, wenn sich unsere informierten Stammkunden bei den Manga-Neuheiten umsehen, doch ich werde besser. Neffs, unser Mann im Seetroll in Friedrichshafen, hilft mir dabei. Er kennt seine Mangas wie kein anderer und empfiehlt seinen Kunden immer die richtigen Serien. Einmal pro Woche bin ich dort und versuche von ihm zu lernen. Ihr wisst ja, Tim Drakes Mentor ist zwar Batman, aber Nightwing ist der coole große Bruder, der ihm die Dinge beibringt, an denen Bruce Wayne scheitert. So ist es auch bei mir.

Ich habe also wie es einst Cyclops mit Magneto schon getan haben meinen Feind zu meinem Freund gemacht; ich bin jetzt begeisterte Mangaleserin. Im Vergleich zu den mein Leben bestimmenden Superhelden-Comics lese noch verhältnismäßig wenig Mangas und gerade mit unseren Bestsellern, wie z.B. „Naruto“, „One Piece“ und „Blue Exorcist“ kann ich immer noch nicht viel anfangen, aber auch da werde ich mich noch ran wagen.

Und bis dahin wälze ich Previews, lese Reviews und lasse mich von Kunden und natürlich von Neffwings informieren.

Sayonara!

Nicky

Author: Nicky

Share This Post On

2 Kommentare

  1. Hey,

    danke für diese Einblicke in dein Leben als Azubi eines Comicshops (klingt nach einer echt beneidenswerten Position). Witzig, dass du als Manga Neueinsteigerin mehr oder weniger eine Empfehlung für „Gute Nacht, Punpun“ aussprichst. Werde mir die Bände doch mal genauer anschauen müssen 😀

    Viel Spaß noch und genieß die Ausbildungszeit, gerade, wenn du dein Hobby zum Beruf machen kannst 🙂

    Kommentar absenden
    • Nicky

      Danke für deinen Kommentar.
      Mir fiel der Wechsel zu Mangas Dank „Punpun“ leicht, da der Zeichenstil nicht allzu abgedreht ist. Er erinnerte mich einfach an für mich „normale“ Comics. Und die Geschichte gefiel mir dann auch gleich.

      Ich kann mir im Moment ehrlich gesagt keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen als hier.

      Auf Wiederlesen!

      Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*