Auf die Barrikaden 1

„Auf die Barrikaden – Der Aufstand der Frauen“ ist große Unterhaltung. Temporeich und mit Köpfchen wird eine ungewöhnliche Geschichte von Freiheit und Widerstand erzählt.

„Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als andere“

Es ist das Jahr 1871. Während des Deutsch-Französischen Kriegs nutzen kommunistische Aufständische das Chaos, um als Pariser Kommune die Stadt zu regieren. Unter ihr strebt ganz Paris nach mehr Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – für Männer. Doch ausgerechnet eine geheimnisvolle russische Aristokratin avanciert in kürzester Zeit zur Präsidentin des „Frauenbunds zur Verteidigung von Paris und zur Pflege der Verwundeten“ und wird somit zum Sprachrohr für die Anliegen von Frauen aller Gesellschaftsschichten. Der vormals moderate Verbund, der die Unterstützung der Männer durch zu forsche Forderungen nicht verlieren wollte, wird unter Elisabeth Dimitrieff zum revolutionären Pulverfass. Frauen werden zum Widerstand aufgerufen, melden sich zum Dienst an der FrontAuf die Barrikaden 1 - Cover um an den Kämpfen teilzunehmen und greifen nach der Macht. Natürlich erhebt sich schnell Protest, auch unter den Führern der Kommune, die nicht damit gerechnet haben, das Versprechen von Gleichheit tatsächlich einlösen zu müssen. Die eigentliche Gefahr jedoch lauert in Versailles. Dort bereitet die konservative Zentralregierung bereits die Niederschlagung der Kommune vor.

Mut zur Schwäche

„Auf die Barrikaden“ ist ein erzählerisch und visuell dramatischer, mitreißender Comic. Autor Wilfrid Lupano kann durchgehend die Spannung halten, entwickelt Story und Charaktere schlüssig weiter und zeigt erfrischenden Mut. Nicht nur ist die Pariser Kommune ein unverbrauchtes historisches Setting neben all den Geschichten, die die Französische Revolution und die Weltkriege thematisieren. Auch die Vielschichtigkeit der Heldin, der, neben einem unbezwingbaren Willen, auch Fehler und sogar Allüren zugestanden werden, ist eine Freude. Dass immer und immer wieder betont werden muss, dass Elisabeth trotz ihrer feministischen Einstellung eine attraktive Frau ist, hätte man sich sparen können – aber das sagt nur eine verschnupfte Feministin, ignoriert das störrische Weib.

Eine Geschichte von Zögerlichkeit und Eifer

Dazu wird ein differenziertes Gesellschaftsbild geschaffen in dem die Grenzen zwischen revolutionärer Haltung und tatsächlichem Handeln deutlich gemacht werden. In der, trotz schöner Reden, einige Wenige immer noch das Sagen haben und der Mut fehlt, fundamentale Änderungen herbeizuführen. Die Radikalen jedoch heiligen für den Zweck genauso skrupellos die Mittel. Für die Revolution werden Opfer gebracht. Ob diese gerechtfertigt sind oder nicht, wird dem Leser überlassen. So regt die Geschichte an und macht Lust auf mehr. Deshalb ist es fast schade, dass sich nicht mehr Zeit zum Erzählen genommen wurde – aber das knackige, temporeiche Erzähltempo macht dies wieder wett.

Ausdrucksstärke gepaart mit Leichtigkeit

Illustriert wurde das Ränkespiel von Anthony Jean. Die von ihm entworfenen Szenarien bestechen durch Lebhaftigkeit und Eleganz. Durch seine lockere Feder wird die Flüchtigkeit des revolutionären Eifers, der Drang zum Handeln, auch visuell spürbar. Vor dramatischen Bildkompositionen und Pathos wird nicht gescheut. Besonders die Kampfszenen reißen atmosphärisch mit. Düstere Rauchschwaden steigen über den Schlachtfeldern empor, Entschlossenheit und Verzweiflung spiegelt sich in den Gesichtern der Kämpfenden wieder und ein stetiges Gefühl des Verlusts durchtränkt die Bilder. Große Klasse.

Auf die Barrikaden - Bild für Beitrag 1

Fazit

Die Leichtigkeit des Seins wird in „Auf die Barrikaden“ nicht gelehrt. Das heißt allerdings nicht, dass der Comic bierernst, belehrend und langweilig ist. Ganz im Gegenteil. Durch eindrucksvolle Kämpfe, anregende Konflikte und dem Mut zur Dramatik gelingt der Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung perfekt. Wer die „Silas Corey“ Reihe des Splitter Verlags genossen hat, wird sich hier direkt zu Hause fühlen. Fans von Geschichten, die mehr zu bieten haben als den immergleichen Einheitsbrei, ebenso.

zur Leseprobe

„Auf die Barrikaden 1“ erscheint im Splitter Verlag als Hardcover, Preis 14,80€. Geschrieben Wilfried Lupano, Gezeichnet von Anthony Jean
M. Lehn

Author: M. Lehn

Comics mochte ich eigentlich schon immer sehr gerne, zum klassischen Marvel/DC Superheldencomic habe ich aber relativ spät gefunden. Dafür ist meine Begeisterung jetzt umso größer! Meine große Leidenschaft waren allerdings immer Filme, mit der aktuellen Schwemme an Comicverfilmungen bin ich also mehr als glücklich!

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